Samstag, 24. August 2019
Freitag, 9. August 2019

NORDSACHSEN

Museum gegen das Vergessen

Äußerlich wirkte die gesamte Anlage völlig unscheinbar, auch die Eingänge zu den Bunkern. Foto: Bunkermuseum Kossa

von unserer Volontärin Elisa Perz

Kossa. Die Bunkeranlage in Kossa war für den Führungsstab des Warschauer Paktes gedacht. Heute ist die Anlage für die Öffentlichkeit zugänglich unser heutiger Ferientipp, der definitiv einen Ausflug wert ist.

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Bei der Anfahrt überkommen einen Zweifel, ob man sich auf dem richtigen Weg befindet. Eine weitab gelegene Landstraße führt zu der Bunkeranlage in Kossa. Die Abgeschiedenheit ist kein Wunder: Schließlich war das Militärgebiet im dortigen Waldgebiet zu DDR-Zeiten streng von der Außenwelt abgeschirmt. Keiner hatte Zutritt. Zumindest kein Zivilist aus den umliegenden Dörfern. Nur wenige wussten, was dort im Verborgenen lag. Erst 1989 wurde das gut gehütete Geheimnis nach und nach gelüftet. Und die Wahrheit schockte. Noch heute bekommen viele Besucher beim Anblick der militärischen Hinterlassenschaften Gänsehaut. Denn der Ausweichgefechtsstand war für den schlimmsten Kriegsfall gedacht. Ende der 70er-Jahre entstand in der Dübener Heide auf rund 75 Hektar eine Anlage, die als Führungsstelle für den 3. Weltkrieg vorgesehen war. Ein Führungsstab des Warschauer Vertrags sollte dort einquartiert werden, natürlich nur im Verteidigungsfall. Sechs unterirdische Bunker wurden angelegt, in denen im Ernstfall bis zu 600 Personen Platz gefunden hätten. 24 Millionen DDR-Mark wurden in den Bau investiert. Das Bauwerk galt in der letzten Phase des Kalten Krieges als geheimer Schatz des Warschauer Paktes.

12 000 Besucher pro Jahr

Wer sich heute in dem Areal umschaut, wird mit gruseligen Gedanken und Fantasien konfrontiert, die bei einem Militärschlag wohl bittere Realität geworden wären. Rund 12 000 Besucher machen sich davon jährlich ein Bild. In dem Museum gegen das Vergessen, wie die Betreiber es bezeichnen. „Wir möchten mit dem Museum ein Zeichen setzen. Es geht nicht um einen sentimentalen Rückblick in die Vergangenheit, sondern um die Warnung vor den Folgen übermäßiger Rüstung“, beleuchtet Olaf Strahlendorff den Hintergrund. Gemeinsam mit Andreas Mattke ist er der Geschäftsführer der Naturkunde und Militärgeschichte der Dübener Heide gemeinnützige GmbH. 

Vor Ort bieten sie und das Museumspersonal den Besuchern Führungen über das Gelände an. „Die Teilnehmer erhalten dabei einen Einblick in die Bunkeranlagen, die unter den Wurzeln der Dübener Heide vergraben liegen“, lässt Strahlendorff wissen und nimmt die TZ mit auf einen kleinen, gedanklichen Rundgang. 

Der erste Stopp führt vorbei an zwei unterirdischen Antennenfeldern zum Nachrichtenbunker, der in seinen sechs Kfz-Röhren von jeweils 40 Metern Länge Großraumfahrzeuge und mobile Nachrichtentechnik beherbergt. „Die Fernsprech- und Fernschreibzentrale verfügte einst als Fernsprechamt des Nachrichtenbunkers über leistungsstarke Sende- und Empfangsanlagen. Für verschlüsselte Verbindungen war die SAS-Fernsprechvermittlung mit der Chiffrierstelle zuständig“, erklärt der Geschäftsführer ausführlich.

Der Zeit viele Jahre voraus

Weiter geht es in den Führungsbunker. Der offenbart die vorbereiteten Arbeitsräume, die für den Befehlshaber und seinen Stab angedacht waren. Auch die Räume für die Arbeitsgruppe Planung, die mit Bildübertragungs- und Vervielfältigungstechnik ausgestattet wurden, sowie die der Verbindungsoffiziere der Verbände gibt es dort zu sehen. Alle waren – genauso wie die Ruheräume des Befehlshabers – mit Technik für gedeckte und abhörsichere Kanäle versehen.

Der Weg zu Station Nummer drei endet im Rechnerbunker. Dort steht die Großrechenanlage TYP AP 3, mit der für alle rechnergestützten taktischen und strategischen Truppenbewegungen programmierte Landkarten gezeichnet werden konnten. Hier habe sich außerdem das Feldlazerett zur Behandlung erkrankter, verletzter, verseuchter, vergifteter und aktivierter Armeeangehöriger befunden, führt Strahlendorff weiter aus, bevor er zum technischen Bunker gelangt. Dieser war ausgerüstet mit einer Eigenstromerzeugungsanlage in der Form eines Schiffsdiesels sowie einem Wasserwerk mit zwei  Tiefbrunnen und diente als Steuerzentrale für Wasser, Strom, Luft, Heizung aller sechs Bunker. „Die gesamte Bunkeranlage wurde von 1976 bis 1979 gebaut und dann an die NVA zur Wartung und Instandhaltung übergeben. Das Personal vor Ort hatte die Aufgabe, diese Anlage immer in Gefechtsbereitschaft zu halten. Optisch wurde das Ganze so getarnt, dass man bei vermeintlichen Überflügen eine Park-
anlage gesehen hätte. Da hier ständig alles gefechtsbereit war, wurden über 300 000 kWh Strom verbraucht“, berichtet der Museumsleiter und erläutert, dass die Anlage, bezogen auf die technische Ausstattung, ihrer Zeit rund 20 Jahre vorausgewesen sei. Man habe von dort aus Daten in Form von Fotos, Videos oder Kartenkopien versenden können. „Außerdem war die Bunkeranlage gegen atomare, biologische und chemische Waffen geschützt, da man zur Zeit des Kalten Krieges immer vom atomaren Krieg ausgegangen war. Jedoch hätte sie im Ernstfall nur für wenige Tage genutzt werden sollen. Das geht zumindest aus Originalplanungsunterlagen hervor.“

Seit 2002 Kulturdenkmal

Zum Ernstfall kam es allerdings nicht. Stattdessen wurde die Bunkeranlage 1990 von der Bundeswehr übernommen und drei Jahre später aus ihrem Bestand ausgegliedert. Anschließend stellen sich Aufbauwillige der Aufgabe, die Anlage als Denkmal zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit Erfolg: 2002 fand die offizielle Eröffnung des Museums statt. Seither werden nicht nur Entdeckertouren durch die einst geheime und geschützte Führungsstelle angeboten. Sondern es gibt auch verschiedene  Ausstellungen zu sehen, so zum Beispiel die historische Sonderausstellung „Waffengattungen und Dienste“. Damit möchte das Museumsteam dazu beitragen, Geschichte zu erzählen und zum Nachdenken anzuregen.

 

Info:

 

Info: 

Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 14 Uhr (letzter möglicher Einlass) für die selbstständige Entdeckertour. 15.30 Uhr schließen die Bunker. Museumsführungen sind Mittwoch bis Sonntag nach Voranmeldung 10 Uhr und 13 Uhr möglich. 

 

Kontakt:

Militaer-Museum Kossa

Dahlenberger Str. 1

04849 Kossa, bei Söllichau

Telefon. 034243 22120

Fax: 034243 23120

Internet: www.bunker-kossa.de

E-Mail: mmk@bunker-kossa.de


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