Mittwoch, 13. November 2019
Freitag, 30. August 2019

TORGAU

Lehrling im Klärwerk - schlimmster Job ever?

Foto: TZ/J. Sachse

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau. Wir werfen einen neugierigen Blick in das Aufgabengebiet von Eric, dem die Klischees langsam echt stinken.

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Zwischen Torgau und Trossin werden derzeit rund 38 000 Einwohner durch den Zweckverband Torgau-Westelbien mit Trinkwasser versorgt. Doch das, was nach dessen Nutzung „hinten“ wieder rauskommt, das Abwasser von rund 25 000 Einwohnern, beschäftigt die Mitarbeiter der hiesigen Kläranlagen mindestens genauso stark. Einer von ihnen ist Eric (18), Lehrling im dritten Jahr. 

Sprüche wie „Du machst aus Sch**** Gold, wa?“ und „Damit wird man aber nur stinkreich.“, musste er sich auch schon anhören. Dabei hat sein Alltag recht wenig mit dem Klischee vom unangenehm riechenden und ständig knietief im Schlamm stehenden Klärwerker zu tun, das vielen vorschwebt.

„Ich war schon immer an Biologie und Chemie interessiert, habe zu Hause gern technische Aufgaben übernommen. Außerdem gehöre ich zu denen, die großen Wert auf Umweltschutz legen und auch aktiv daran mitarbeiten wollen, unseren Planeten so wenig wie möglich zu belasten. Im Gegenteil: Ich würde ihn gern ein bisschen sauberer machen und das Verständnis für diese Aufgabe  weitergeben“, sagt der junge Mann.

Herr über den Schlamm

Wie das mit dem verbrauchten Trinkwasser der nordsächsischen Haushalte nach der Spülung so weitergeht, sei zudem wirklich spannend. Auf einer Tour über das Gelände im Repitzer Weg erklärt und zeigt Eric den beiden Redakteurinnen voller Enthusiasmus seinen Wirkungsbereich. Aus einem rund 220 Kilometer langen Kanalnetz und 500 Kleinkläranlagen sowie privaten Sammelgruben landen pro Tag 3150 Kubikmeter Abwasser  im ersten Becken der Torgauer Anlage. Von hier aus läuft die Masse über den sogenannten „Rechen“, – wie durch ein Sieb – um grobe Verunreinigungen wie Papier, Pappe, Tücher, größere Fremdkörper und organische Verunreinigungen herauszufiltern. Weil es hier um die Größe des von der Flüssigkeit zu trennenden Materials geht, nennt man das „physikalische“ Trennung. Und ja, es duftet nicht gerade, ist aber durchaus erträglich für nicht übermäßig sensible Nasen.

Der nächste wichtige Schritt der Abwasserbehandlung ist die Vorklärung. Hier setzen sich kleinste Teile, die als Schlamm bezeichnet werden, ab. Der abgetrennte Schlamm wird nach einer weiteren, als Faulung bezeichneten Behandlung, entwässert und entsorgt. Containerweise wird dieser dann von der Kläranlage abgeholt und andernorts verbrannt.

Millionen winziger Kollegen

Jetzt ist aus der trüben Brühe schon einiges an Schmutz verschwunden. Bevor es aber mit der Säuberung weitergehen kann, nimmt Eric täglich einen halben Liter Probe aus dem großen Belebungsbecken, in dem Millionen von mikroskopisch kleinen Bakterien die Aufgabe haben, organische Kleinstpartikel umzusetzen. Damit der Anteil des organischen Materials und damit auch die Leistung der Bakterien konstant bleibt beziehungsweise den Witterungsverhältnissen entsprechend durch Zugabe von Bakterien oder Chemikalien reguliert werden kann, kontrolliert man hier die Zusammensetzung des Wassers. „Das fand ich im Chemieunterricht schon immer spannend – wenn man mit zwei, drei Tröpfchen eines Indikators eine Reaktion fällen und anhand der Flocken im Messzylinder sagen konnte, welche chemischen Elemente sich in der Flüssigkeit finden lassen.“ Jetzt macht er das also beruflich. Aber findet man denn auch Wertvolles zwischen all den unappetitlichen Dingen, die die Anlage aus dem Wasser holt? „Nein, eine Schatzsuche wird das hier nicht“, grinst Eric. „Aber dafür kann ich sagen, dass das Gehalt in Ordnung ist. Klar, hin und wieder muss man als Ausgelernter dann auch mal Bereitschaftsdienst machen.“ Doch das sei ein geringer Preis dafür, hier in der Region bleiben und einen für die Gesellschaft so wichtigen Job machen zu können – der ihm selbst auch noch richtig Spaß mache. „Wenn die Leute das jetzt auch so wahrnehmen würden und ein bisschen besser darauf achten würden, was sie so alles in die Toilette werfen, dann wäre das mehr als genug Lohn.“ In der Schaltzentrale kann über verschiedene Displays jederzeit die gesamte Anlage überwacht werden. Technische Probleme, Störungen und Ausfälle werden hier angezeigt und dem Bereitschaftskollegen per mobiler Nachricht mitgeteilt.

So klar und fast wie „neu“

Schließlich steht man mit ihm an einem Nachklärbecken, von dessen Mitte ausgehend sich ein riesiger Räumerarm Runde um Runde durch das Wasser ziehen lässt. Wenn es dann an den Seiten in die Auffangrinne läuft, um letztmalig geklärt zu werden, sieht es schon beinahe wieder klar „wie neu“ aus. Die Frage, ob man es so trinken könnte, muss Eric trotzdem verneinen. Allein, wenn man sich vor Augen führe, dass kleinste Spuren von in den Haushalten verwendeten Reinigungsmitteln noch immer darin enthalten sein könnten,  sei Grund genug, doch lieber frisches Leitungswasser die Kehle hinunterfließen zu lassen. Dennoch: Diese Konzentrationen seien weit unter den Richtwerten, die regeln, ob man das Wasser nun einem Fluss zuleiten könne. Deshalb landet es am Schluss auch in der Elbe, ohne dass dadurch Fischbestände oder die Flora in den Auen der Seitenarme gefährdet wären. Eric wird nach seiner Ausbildung übrigens nicht zwangsläufig wieder ins Freie „gespült“, sondern hat gute Chancen, übernommen zu werden, sagt sein Ausbilder. Er wäre froh, wenn sich mehr Schüler und Schülerinnen über eine Karriere am „anderen Ende des Kanals“ informieren und sich dann vielleicht sogar für eine Lehre hier bewerben würden. 


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