Mittwoch, 18. September 2019
Donnerstag, 5. September 2019

MOCKREHNA

Leserbief: "Noch Fragen?"

Von Erwin Ellguth

Mockrehna. TZ-Leser Erwin Ellguth nimmt in seinem Leserbrief an die TZ die Landtagswahlen des vergangenen Wochenendes zum Anlass, seinen Blick über den Rand der Wahlurne hinaus schweifen zu lassen.

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Mockrehna. TZ-Leser Erwin Ellguth aus Mockrehna hatte am Wahlsonntag richtig gute Laune:

 

 

Am Sonntagabend bekam ich aus dem Fernsehen mit, dass  65 Prozent der wahlberechtigten Sachsen ihre zwei Kreuze auf dem Landtagswahlzettel gemacht haben. Ich gehöre auch dazu, ich bin auch das Volk. Es war überhaupt nicht schwer, sondern sogar noch schön, weil, es kommt nicht oft vor, dass mich sonntags früh halb neun fünf nette junge Damen begrüßen. So geschehen im Wahllokal in Mockrehna. Aber ernsthaft, ein großes Danke an die Wahlhelferinnen und -helfer, ihr habt unter diesen tropischen Temperaturen einen guten Job gemacht. Anderswo ist das nicht so einfach. Zum Beispiel die Russen, die müssen sogar ihren Präsidenten selbst wählen. Die haben keine Bundesversammlung, die das für sie erledigt.

 

Wie wird man eigentlich Landesvater? Schauen wir mal. Als Stanislaw Tillich, vom 28. Mai 2008 bis zum 12. Dezember 2017 war er der dritte Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, am 18. Oktober 2017 staatsmännisch erklärte, er sei dann mal weg, wurde mit 69 von 129 Stimmen im sächsischen Landtag Michael Kretschmer, der zuvor bei der Bundestagswahl 2017 sein Bundestags-Direktmandat an Tino Chrupalla (AfD) verlor, ohne Listenplatz, neuer Sächsischer Landesherr. Schlecht reden soll man das nicht. Gut ist es auch nicht, mit Demokratie zu tun hat es weniger, wenn denn Demokratie noch etwas mit Volksherrschaft zu tun haben soll. Vor der Europa-Wahl habe ich in einem Leserbrief gesagt: „Geht Wählen, Leute!“ Dass jetzt allerdings der Torgauer Dr. Brock mein „zeigt, dass ihr das Volk seid“ als Aufruf zur Wahlverweigerung empfindet, bedauere ich, auch weil mich danach einige TZ-Leser kontaktierten, die das genau als Aufruf zur Teilnahme an der Landtagswahl interpretierten. Nun, das waren wohl alle keine Akademiker. Stichwort Europawahl und Spitzenkandidaten. Über beispielsweise Spitzenkandidat Manfred Weber kann man politisch unterschiedlicher Auffassung sein. O.k.,  im Wahlkampf hat er sich den A... aufgerissen und sich dann voll zum Affen gemacht, als die EU-Granden die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen Ernst Albrecht, mit angeheiratetem Adelstitel, Ursula von der Leyen, zur EU-Kommissionspräsidentin kürten. An so einer elitären Position ist natürlich jemand gefragt, der in mindestens drei Sprachen schwadronieren kann und national und in der Nato schon allerhand verzapft hat. Eben kein hochgearbeiter Ingenieur aus Niederhatzkofen, wie Manfred Weber, ohne Doktortitel.

 

Die Geschichte mit von der Leyens Dissertations-Anfechtung an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wegen Plagiatvorwurfs entschied am 9. März 2016 der dortige Senat, dass sie ihren Grad behalten darf, da es sich um einen minderschweren Fall handele. Noch Fragen? Habe ich schon wieder etwas schlecht geredet? Auf jeden Fall hat unsere Ex-Verteidigungsministerin 2018 im Vorfeld des NATO-Gipfels bekräftigt, dass man Russland im Dialog aus einer „Position der Stärke“ begegnen müsse: „Aus einer Position der Stärke lässt es sich besser mit Moskau sprechen.“ Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu reagierte: „Nach allem, was Deutschland unserem Land angetan hat, sollten Sie noch 200 Jahre lang nichts zu diesem Thema sagen.“ Er riet Berlin, „über die Geschichte nachzudenken“ und fügte hinzu: „Fragen Sie Ihre Großväter, was es bedeutet, aus einer Position der Stärke mit Russland zu sprechen. Sie werden es Ihnen wahrscheinlich sagen können.“

Gut reden kann ich beispielsweise auch nicht die bisherige sächsische Schulpolitik. Lange in Alleinregierung der CDU und dann zusammen mit den Sozis, haben sie seit den Neunzigern Lehrer drangsaliert, Lehrer entlassen und Schulen geschlossen. Über Schildau wird man in den Geschichtsbüchern lesen können; sie haben ihre Schule abgerissen und einen Supermarkt an der Stelle errichtet. Geht das als Schildbürgerstreich durch? Kaum! Als vor Jahren der „Überlebenskampf” zwischen den Schulen in Mockrehna und Schildau lief, habe ich argumentiert. „Schaut euch 200 Jahre alte Chroniken an. Die Leute waren arm, haben gehungert und im Winter gefroren, aber eine Grundschule hat sich jeder Ort geleistet.” Inzwischen sind Grundschüler mittlerweile länger im Bus als im Klassenzimmer. Immerhin haben jetzt einige Kandidaten versprochen, mehr Lehrer auszubilden und den Lehrerberuf im ländlichen Raum attraktiver zu machen. Auch dort, wo es keine Schulen mehr gibt?

 

O.k., warten wir mal die Koalitionsverhandlungen ab. Bin ich ein Nihilist? Ich meine nein. Halte ich aber aus. „Rote Sau” habe ich auch aushalten müssen. Übrigens noch zum Thema Bildung: Was haben alle 81 staatlichen Hochschulen in Ostdeutschland gemeinsam? Keine von ihnen wird von einer Ostdeutschen oder einem Ostdeutschen geführt. Ohne Kommentar.


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