Freitag, 28. Februar 2020
Freitag, 6. September 2019

MOCKREHNA

"Praktikum" im Seniorenzentrum

Kritik gab es von Bernhard Wagner.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Mockrehna. Bernhard Wagner nahm kein Blatt vor den Mund: Der Geschäftsführer des Seniorenzentrums „Am Gutspark“ in Mockrehna sprach mit Blick auf die im kommenden Jahr greifende generalisierte Pflegeausbildung von einem Genickbruch im Bereich der Altenpflege.

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Wagner sieht die Gefahr, dass gerade Kliniken in Ballungszentren die wenigen Bewerber auf dem Markt für sich gewinnen. Zudem könnten schwächere Schüler, die mit der bisherigen Altenpflegeausbildung sehr gute Chancen hätten, der neuen Ausbildung womöglich nicht gewachsen sein.

Adressat dieser Worte war der Bundestagsabgeordnete Marian Wendt (CDU), der einer Einladung des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste nachkam. Gemeinsam mit Olaf Schwabe (dem Landesbeauftragten des Verbands), Unternehmenschefin Rosel Müller-Süptitz und natürlich Teilen der Belegschaft wurde bei dem Treffen über eine Vielzahl von Problemen gesprochen, mit der sich Pflegeeinrichtungen vor allem auf dem Land konfrontiert sehen. Angefangen bei den fehlenden Fachkräften, über steigende Pflegekosten und damit einhergehende Steigerungen bei den privaten Zuzahlungen bis hin zu enormen bürokratischen Hürden, um arbeitswillige Männer und Frauen aus Drittstaaten einstellen zu können.

„Ich bin sehr dankbar für diesen Tag und werde vieles nach Berlin mitnehmen“, fasste Wendt im Gespräch mit der Torgauer Zeitung sein bereits 8 Uhr mit der Unterstützung beim Frühstück beginnendes „Kurzpraktikum“ zusammen. Auch Kartoffelschälen, gemeinsames Singen und Hilfestellungen bei Spaziergängen der Bewohner gehörten zu seinem Programm in dem Mockrehnaer Unternehmen, das aktuell über 32 vollstationäre Pflegeplätze und 12 in der Tagespflege verfügt. Hinzu kommen 200 mobile Einsätze – täglich.

Wie schwer es derzeit ist, geduldete Männer oder Frauen aus Drittstaaten einzustellen, machte Rosel Müller-Süptitz an einem Beispiel in ihrem Haus deutlich. Bereits im März bei der Ausländerbehörde nachgefragt, habe es bis jetzt gedauert, einem Mann aus Afghanistan eine Ausbildung zum Altenpfleger – noch nach altem Standard – zu ermöglichen. Auch seien deutliche und laute Worte in der Behörde gefallen.

Besonders lange wurden am Freitag die steigenden privaten Zuzahlungen diskutiert. Immer mehr pflegebedürftige Menschen können sich diese nicht mehr leisten und werden zum Sozialfall. Allein in der Pflegeeinrichtung „Am Gutspark“ sind dies nach Angabe Bernhard Wagners sechs Männer und Frauen. Eine siebente Person könnte in Kürze von jenem Schicksal ereilt werden. „Es kann doch nicht sein, dass Menschen, die Jahre lang gearbeitet haben, so einfach zum Sozialfall degradiert werden“, kritisierte Wagner. Dies sei moralisch nicht zu vertreten. In diesem Punkt sprach sich Wendt zwar nicht für eine von vielen geforderte Deckelung der Zuzahlungen aus, doch müssten Bundeszuschüsse erhöht werden, um vor allem die Sozialämter der Landkreise finanziell zu entlasten.

Gänzlich neu war für den Bundestagsabgeordneten die Problematik, dass es private Pflegeeinrichtungen äußerst schwer haben, überhaupt Gewinn zu erzielen. „Für einen Unternehmer, der investieren muss, sind die gesetzlich vorgeschriebenen 2 Prozent ein Unding“, erläuterte Rosel Müller-Süptitz – auch mit Blick auf einen rasant wachsenden ambulanten Pflegebereich.

Trotz vieler offener Punkte zeigte sich Olaf Schwabe zufrieden mit der Diskussionsrunde. Sein Verband, der regelmäßig zu derartigen Tagen lädt, zähle in diesem Jahr etwa 30 Bundestagsabgeordnete, die sich direkt an der Basis über die Schwierigkeiten in der Pflege ein Bild verschaffen.


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