Sonntag, 20. Oktober 2019
Donnerstag, 19. September 2019

TORGAU

"Weg vom Meckern heißt die Devise"

Zahlreiche Vertreter aus der Lokal- und Landespolitik sowie einige Bürger waren bei dem Treffen in Nordwest anwesend. Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Der Verein Zusammenkommen will zusammen mit Bürgern in Torgau Nordwest Präventionsarbeit leisten. Dazu wurde sich am vergangenen Sonntag zum ersten Mal im Stadtteiltreff getroffen.

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Sonntagnachmittag, 15 Uhr in Torgau Nordwest. Es ist nicht viel los auf den Straßen. Ein paar ältere Damen unterhalten sich auf ihren Balkons, Kinder spielen auf den Straßen, sonst ist es recht  ruhig im Stadtteil. Dass gerade mittendrin im Viertel ein Teil der lokalen Politprominenz über die Probleme und Sorgen des Stadtteils diskutiert, das scheint kaum jemand zu wissen. Oder kaum jemanden interessieren. Denn als der Verein Zusammenkommen aus Belgern am vergangenen Wochenende zur großen Gesprächsrunde in den Stadtteiltreff im Finkenweg einlud, waren gerade eine handvoll Bewohner anwesend.

Es braucht Engagement

„Unser Ziel war es nicht nur, die Leute bei uns ihre Probleme loswerden zu lassen, wir wollten die Menschen vielmehr dazu bewegen, selbst Initiative zu zeigen und aktiv zu werden“, erzählt Daniela Voigt. Die Belgeranerin ist Vorsitzende des Vereins Zusammenkommen aus der Rolandstadt und war maßgeblich an der Organisation der Gesprächsrunde am Sonntag beteiligt. „Die Planung eines solchen Formats erfolgte noch mit dem ehemaligen KIK (kommunalen Integrationskoordinator; Anm. d. Red.), Thomas Kalbitz. Wir wollten so viele Leute wie möglich an einen Tisch und ins Gespräch bringen, um hier in Nordwest etwas zu erreichen.“

Dies sollte jedoch nicht dadurch geschehen, dass häufig genannte Probleme wie etwa die hohe Kriminalitätsrate angegangen werden. „Dafür ist die Polizei zuständig. Uns geht es um Prävention.“ Was Voigt damit meint ist die Schaffung von Angeboten. „Wir möchten das als Verein sehr gerne unterstützen, aktiv werden müssen die Bürger jedoch selbst. Die Devise lautet dabei: Weg vom Meckern. Klar kann man sich kurz beschweren, aber dann sollte danach auch konstruktiv diskutiert werden.“

Die Jugend gelobt

Eine Ansicht, mit der sie nicht allein steht. Auch ein großer Teil der an diesem Tag anwesenden Stadträte stimmt Voigt in diesem Punkt zu. Henry Goldammer von der CDU erklärte der TZ im Nachgang, dass er das Anliegen des Vereins unterstütze, es jedoch sehr bedauere dass die Resonanz der Bürger so gering ausfiel. „Wir konnten mit der Veranstaltung nicht nur die Probleme Nordwests aufzeigen, sondern auch lobende Worte von Einwohnern hören. Das Ziel muss sein, Ansätze zu finden, wo man präventiv tätig werden kann. So müssen unter anderem bestehende sinnvolle Freizeitangebote erweitert und neue verschiedene geschaffen werden. Solche Ideen müssen und sollen von den Einwohnern selbst kommen, damit sie nicht am Bedarf vorbei gehen. Denn wo keine Langeweile herrscht, kommen auch keine negativen Gedanken und Handlungen auf. Die Menschen sollen sich aufgehoben und nicht vergessen fühlen.“

Als einen ersten Schritt wurde die Zusammenkunft am Sonntag von LINKE-Stadtrat Karl-Friedrich Potzelt bezeichnet. Auch er bemängelte die fehlende Bürgerbeteiligung, lobte gleichzeitig jedoch das Engagement derjenigen, die zum Termin erschienen waren. „Besonders die drei Jugendlichen, die hier waren und mit uns diskutiert haben, fand ich toll. Das sind die Leute, mit denen man sich unterhalten muss und die auch zeigen, dass um Nordwest gekämpft werden muss.“ Sein Vorschlag war die Schaffung einer Begegnunsstätte für alle Nationen. „Ein Platz, an dem die Leute ihre Freizeit gestalten können. Aber so etwas kann man eben nur mit dem Engagement von Kindern und Jugendlichen erreichen.“

„Nordwest ist nicht das Problem“

Komplett gegensätzlicher Meinung wie sein CDU-Stadtrats-Kollege Goldammer ist Edwin Bendrin. Er spricht vom so genannten „Schwarzen Peter“, den man nun einfach auf das Umfeld schieben möchte. „Das stimmt aber nicht. Das Umfeld ist nicht das Problem. Wir haben hier genügend Sportplätze, aber das nützt nichts, wenn die nach kürzester Zeit einfach zerkloppt werden. Nordwest ist ein Problemviertel und da werden auch noch mehr solcher Laber-Runden nichts daran helfen. Ich war am Sonntag mit der Erwartung da, dass endlich eingesehen wird, dass nicht Nordwest das Problem ist, sondern die Leute. Das ist aber leider nicht geschehen.“

Dass es durchaus auch problematische Mitbürger in Torgau Nordwest gibt, dass streitet auch Daniela Voigt vom Verein Zusammenkommen nicht ab. Doch sei die Gesprächsrunde nicht dafür gedacht gewesen, solche Probleme zu lösen. „Es gibt Sachen, die kann man ändern und es gibt Sachen, die kann man nicht ändern“, erklärt sie. „Die EU-Freizügigkeit und der massenhafte Zuzug von billigen Arbeitskräften, dagegen können wir nix machen. Aber wir können trotzdem alle gemeinsam versuchen, Nordwest wieder zu einem schönen und lebenswerten Ort zu machen.“

Ohne Bürger geht es nicht

Dafür brauche es jedoch mehr Bedarfe. Es gehe nicht ohne die Beteiligung der Bürger, deshalb sollten sie entweder an den nächsten Treffen teilnehmen oder sich direkt beim Verein mit ihren Ideen melden. Dies kann per Mail an zusammenkommen.belgern@gmail.com erfolgen. Und auch beim Stadtteilfest der Interkulturellen Woche am Samstag, 28. September, wird der Verein Zusammenkommen von 14 bis 18 Uhr vor Ort sein, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. „Wir als Verein können Angebote unterstützten, aber dafür braucht es Verantwortung und Ideen.“

Das nächste vom Verein organisierte Treffen wird am 17. November um 14 Uhr im  KAP Torgau stattfinden. Hier sollen dann nicht nur die Belange von Torgau Nordwest, sondern die der ganzen Stadt besprochen und thematisiert werden. Für das kommende Jahr sind zwar auch schon Treffen, sowohl in Nordwest als auch im KAP, geplant, konkrete Termine gibt es jedoch noch nicht.

 

Übrigens:

Auf die Frage, warum gerade ein Belgeraner Verein sich nun den Problemen in Torgau annimmt, antwortet Daniela Voigt schmunzelnd: „Das hat eigentlich drei Gründe. Zum einen ist die große Kreisstadt Torgau ja sozusagen auch unser ,Regierungssitz’ und  somit das klare Zentrum der Region. Zum anderen habe ich lange in Torgau gearbeitet und bin deshalb mit der Stadt verbunden und zu guter letzt bin ich selbst ein so genanntes ,Plattenkind’ und kann mich daher in gewisser Weise mit den Leuten dort identifizieren und mich in sie hineindenken.“


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