Donnerstag, 14. November 2019
Freitag, 18. Oktober 2019

NORDSACHSEN

Handwerkskammer: Hohe Standards sind ein Standortvorteil

Stolze Meisterinnen und Meister vor der Leipziger Oper, wo sie 2018 ihre Meisterbriefe erhielten. Die diesjährige Meisterfeier findet am 16. November statt. Foto: Anika Dollmeyer

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Leipzig/Nordsachsen. Die Wiedereinführung der Meisterpflicht in bestimmten Handwerksberufen bringt deutliche Vorteile – vor allem für die Verbraucher. Die Handwerkskammer erklärt, warum.

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Vor 15 Jahren sollte die Aufhebung in einer Reihe von  Handwerken den Arbeitsmarkt beleben – nun kommt die Meisterpflicht zurück. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer sowie Parkettleger benötigen den Meisterbrief künftig ebenso, um sich selbstständig zu machen, wie Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer.

Der „Meister“ wird gebraucht: zur Sicherung von Qualität, Verbraucherschutz und Ausbildung, aber auch für den Generationswechsel bei der Weiterführung der Betriebe. Davon ist die Handwerkskammer zu Leipzig überzeugt, auch wenn die Rückkehr in den genannten Handwerken aus ihrer Sicht nur ein Teilerfolg sein kann.

Bei der jetzt von der Politik getroffenen Entscheidung gab es Kriterien wie Ausbildungsfähigkeit, Gefahrengeneigtheit, Verbraucherschutz, die Frage des Kulturguts. Daher sei es gut, dass in fünf Jahren noch einmal geschaut werde, wie sich die Gewerke entwickelt haben.

Wie aussagekräftig solch ein Blick sein kann, zeigt der Vergleich von Zahlen vor und nach der Aufhebung der Meisterpflicht am Beispiel des Fliesenlegerhandwerks. Hier hatte die Handwerkskammer zu Leipzig (Einzugsgebiet Stadt und Landkreis Leipzig sowie Kreis Nordsachsen) bis zum Jahr 2003 rund 170 Mitgliedsbetriebe, die 20 Lehrlinge ausgebildet haben, heute sind es rund 600 Betriebe, die insgesamt nur 5 Lehrlinge ausbilden.

Diesen Firmen will die Handwerkskammer jedoch nicht an den Kragen. Den Bestandsschutz hält sie für wichtig: Unternehmer müssen sich auf geltendes Recht verlassen können. Oder anders, man kann nicht mitten im Spiel die Regeln ändern. Für neue Gründer gilt dann, dass sie die Meisterprüfung nachweisen müssen.

Die Entwicklungen am Markt und das Kundenverhalten wird dann entscheidenden Einfluss darauf haben, inwieweit sich bereits länger am Markt bestehende Unternehmerinnen und Unternehmer entscheiden, freiwillig die Meisterprüfung abzulegen. Möglich war dies übrigens schon immer.
In 53 Handwerken muss man nach 2004 keinerlei Qualifikation nachweisen, um sich selbstständig zu machen.

Man braucht dort nicht nur keinen Meister, sondern nicht mal einen Gesellenbrief. Das hat zum Verlust von Qualität und Ausbildungsfähigkeit geführt. Eine hohe Anzahl der neuen Betriebe waren und sind zudem Ein-Personen-Firmen, die gar keine Kapazitäten für Ausbildung haben. Durch diese ging viel Wissen verloren und heute fehlen Fachkräfte.  

Gut war die Entwicklung auch für die Qualität nicht. Die Deregulierung hat am härtesten nicht die Meisterbetriebe, sondern ihre Kunden getroffen. Sie können ohne die verbindliche Qualifikationsnorm der Meisterprüfung die Güte handwerklicher Arbeit nicht mehr sicher einschätzen. Sie laufen Gefahr, Leistungen mit versteckten Mängeln zu erhalten.

Überdies sorgte die Aufhebung der Meisterpflicht zwar für viele Gründungen, gleichzeitig aber auch für eine hohe Fluktuation und damit für den Wegfall von Ansprechpartnern. Viele kleine Firmen mussten wieder aufgeben, denn nicht jeder gute Fachmann ist auch ein guter Unternehmer – wer den Weg in die Selbstständigkeit wirklich gehen will, weiß in der Regel, dass für den Erfolg auch Voraussetzungen notwendig sind. Da steht die fachliche Qualifikation genauso wie für das betriebswirtschaftliche Know-how, und das gehört zur Meisterausbildung dazu.

Gerade in Zeiten zunehmender Internationalisierung und Digitalisierung sind die hohen Standards der beruflichen Bildung ein Standortvorteil und die Eintrittskarte auf den Weltmarkt. Um den Meisterbrief zu erlangen, muss eine Prüfung abgelegt werden, die vier Teile umfasst: 1.  Fachpraxis; 2. Fachtheorie; 3. wirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse; 4. Berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse. Zur soliden Vorbereitung auf die Meisterprüfung bietet beispielsweise die Handwerkskammer Vorbereitungskurse in allen vier Teilen an.

Das Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer zu Leipzig offeriert die entsprechenden Kurse dabei sowohl in Vollzeit als auch berufsbegleitend. Ziel der Handwerkskammer bleibt es dabei, eine wirkliche Gleichstellung der beruflichen Aufstiegsfortbildung mit der akademischen Bildung zu erzielen. Das würde bedeuten, dass die Kosten für ein Meisterstudium ebenso vom Staat getragen werden wie für ein Hochschulstudium.

 

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