Donnerstag, 12. Dezember 2019
Dienstag, 12. November 2019

NORDSACHSEN

Wir machen mit!

Foto: TZ/J. Sachse

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau. Aus Nordsachsen beteiligen sich unter anderem das Kulturelle Aktionsprojekt (KAP) Torgau und die Vorstandsmitglieder des Zinnaer Vereins Teichminze an der Initiative www.wir-sind-der-osten.de.

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Aus Nordsachsen beteiligen sich unter anderem das Kulturelle Aktionsprojekt (KAP) Torgau und die Vorstandsmitglieder des Zinnaer Vereins Teichminze an der Initiative, die via Onlineplattform auch für potenzielle Partner geöffnet und zum pro- und interaktiven virtuellen Austausch in Sachen Ost-West-Gesamt-Deutsches Netzwerken anregen wird. Doch auch, wer sich selbst ein Bild über die Geschichten und Intentionen der „Helden“ machen möchte, ist eingeladen, ihre Sicht auf 30 Jahre Mauerfall und die Zukunft des Ostens als Region mit Potenzial in allen Bereichen kennenzulernen. 

Mirko Dähne, 46 Jahre, Krankenpfleger aus Süptitz:

„Was wir vorher im Sozialismus ohnehin alle gelernt und beigebracht bekommen hatten – als Gemeinschaft Ziele zu erreichen – das kam da auf den Straßen paradoxerweise gegen dieses System richtig zur Entfaltung. Das ist übrigens auch der Aspekt der Erziehung und des alltäglichen Umgangs, der für mich bis heute große Bedeutung hat und verdient, wieder stärker gelebt zu werden. Für unsere Herzlichkeit und das Wir-Gefühl haben uns auch Westverwandte und ihre Freunde immer besonders gemocht. Das können wir den jungen Generationen weitergeben – überall, übrigens.

Wir wollten als Verein anfangs vorrangig dafür sorgen, das Teichhaus zu erhalten, als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft von 0 bis 99 Jahren. Inzwischen setzen wir uns zusammen neue Ziele, um hier im ländlichen Raum verschiedene Lebensbereiche neu zu denken, zu helfen, Fördermittel an den richtigen Stellen zum Einsatz zu bringen. Schon die ´89er-Babys, die heute 30 sind, denken nicht mehr in Ost und West – und zeigen uns damit, dass Deutschland mehr ist, als geteilte Geschichte. Diese Generation und ihre Kinder brauchen Rückhalt zum Verändern und dafür, auch mal Fehler zu machen. Den bieten wir ihnen gern.“

Silke Grochowy-Wölflick, 47 Jahre, Diabetesberaterin aus Süptitz:

„Was wir so liebten, die großen Feiern in der Familie, Nachbarschaftshilfen und so was, kannten unsere Westbesucher fast gar nicht. Ich glaube, das Zusammensein als Familie war hier irgendwie wichtiger, intensiver und darum beneideten sie uns. Wie wir hier zusammengehalten und uns gegenseitig unkompliziert geholfen haben, gemeinsam Lösungen für ganz alltägliche Probleme gefunden haben, das ist in meinen Augen charakteristisch gewesen für das Lebensgefühl in den Ortschaften. Seit Mitte der 90er ist genau das aber immer mehr verloren gegangen. Nicht unwiederbringlich – wir können das über die Erziehung unserer Kinder jederzeit wieder etablieren. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig, es braucht nur jemanden, der mitmacht! Wir fördern generationsübergreifend  mit unseren Teichminze-Projekten den Zusammenhalt ein Mal der Familien und natürlich auch der Dorfgemeinschaft. Woran man selbst mitgearbeitet hat, das will man auch erhalten und man hat ein Auge darauf, wie andere damit umgehen. Das klingt nach einer Gesellschaft, die sich viele 1989 schon gewünscht haben und die wir ihnen immer noch schuldig sind.“

Sebastian Möllmer, 42 Jahre, Estrichlegermeister aus Zinna: 

„Ich hatte nie das Gefühl, was zu verpassen. Als dann die Kinder kamen, haben wir uns aber mehr Gedanken darüber gemacht, welche Perspektiven sie mal haben sollen und in was für einer Gesellschaft sie aufwachsen können. Es sind Tausende Möglichkeiten für jeden offen. Aber es stimmt: Der Gemeinschaftssinn geht inzwischen bundesdeutsch abhanden. Und nicht zufällig fühlen sich viele einfach auch abgehängt, weil scheinbar nichts für sie getan wird, die unmittelbare Umgebung gerade hier draußen nicht besonders attraktive Verweiloptionen bereithält. Die Familien sollten sich wieder besser vernetzen, ihren Kindern zuschauen, wie sie sich gegenseitig fördern und eigene Ideen umsetzen, die auf unglaublich ehrlichen Wünschen beruhen und von uns zum Teil ja wegen des anderen Blickwinkels kaum wahrgenommen werden. Das könnte eine Mission des „besseren Ostens“ sein – und idealerweise macht der Rest einfach mit. Das ist gelebte Demokratie: nicht leicht, manchmal unbequem, immer lohnenswert. Kann ja schließlich jeder mit konstruktiven Ideen mitmachen. Und das zu unterstützen, ist mein Hauptziel mit dem Verein.“

Uwe Narkunat, 56 Jahre, Geschäftsführer des KAP Torgau e.V. aus Wermsdorf:

Ich war schon immer eher einer der Unangepassten. Dementsprechend starkes Interesse erwachte natürlich, als Mitte der 70er das kulturelle Ausbluten der DDR begann. Die Biermann-Affäre, die Ausreise von Manfred Krug, Nina Hagen und die Proteste von Schriftstellern, Musikern und Regisseuren waren das Fundament für die sogenannte friedliche Revolution. Keiner von denen wollte einen offenen Konflikt, aber eine Demokratisierung der Gesellschaft. Die Wende brachte dann Westdeutsche in die wichtigsten politischen Ämter, eine neue Währung und neue wirtschaftliche Verhältnisse, neue Bildungsinhalte in den Osten. Während in den alten Bundesländern scheinbar alles bleiben konnte, wie es war. 

Diese Zivilgesellschaft hat noch einige Entwicklungsmöglichkeiten – in dieses Vakuum springen natürlich auch „Rattenfänger“ vom rechten Rand hinein. Weil Kultur aber weltoffen ist und das Potenzial hat, sich stets neu zu erfinden und zu entwickel, sind uns Künstler oftmal schon einen Schritt voraus. Sie nehmen ihre Umgebung sensibel wahr und ernst, provozieren Kritik und geben sich selten mit Unkonstruktivem zufrieden. Die Kulturbastion Torgau lebt diese Weltoffenheit. Wenn heute alles, was im Osten bisher passiert ist, in ein negatives Licht gerückt wird – auch über die Instrumentalisierung durch die AfD – ist das für die Gesamtgesellschaft von Nachteil. Unsere Grundrechte sind alles andere als selbstverständlich. Gerade hier sollte man sich dessen bewusst sein. Darum unterstützen wir mit unserem Programm jeden, der das Ziel hat, dazu anzuregen, mehr Demokratie zu wagen in guten wie in schlechten Zeiten. Diese Philosophie der offenen, respektvollen Diskussionskultur und Toleranz schlägt inzwischen in unserem Publikum Wurzeln und trägt Früchte.

Enrico Kurmann, 34 Jahre, Sozialarbeiter aus Belgern:

Was mich manchmal richtig wütend macht, ist, wenn beispielsweise im Fernsehen in irgendeiner Reality-Show ein nuschelndes, mies gelauntes, intolerantes und arbeitsmüdes „Paradebeispiel“ eines Ossis vorgeführt wird, so wie es sich manche Menschen vielleicht vorstellen und dann damit suggeriert wird, dass das der typische Ostdeutsche ist. In jedem hier lebenden Jugendlichen steckt das gleiche Potenzial welches auch jeder andere junge Mensch auf der Welt, egal woher er kommt, in sich trägt. Die Frage ist nur, ob man ihm die Rahmenbedingungen bietet, die er braucht, um sein Potenzial, auch zum Wohle der Gesellschaft entfalten zu können. Allem voran konzipieren wir deshalb Projekte zur politischen Bildung mit dem Ziel der Aufklärung, Toleranz- und Demokratieförderung. Die Demokratie ist eins der höchsten Güter, die wir in unserem Land haben und diese gilt es zu schützen. Man darf die Demokratie nicht für selbstverständlich nehmen. In der Vergangenheit haben viele Menschen diese für uns erkämpft und teilweise ihr Leben dabei aufs Spiel gesetzt oder es dabei sogar verloren. Wir möchten im Jugendzentrum kapuze junge Menschen dazu ermutigen, sich ihre eigene Meinung zu bilden und nicht blind zu glauben, was man ihnen vielleicht irgendwo erzählt. Ich persönlich versuche den Jugendlichen, die unser Jugendzentrum besuchen, Tag für Tag einen respektvollen Umgang miteinander vorzuleben.

 

Per Mail an 

hallo@wirsindderosten.de 

können sich Vereine, Organisationen, Privatpersonen und Unternehmen einen Platz auf dem illustren und ideenreichen Olymp sichern. Zu finden ist das Netzwerk online unter www.wir-sind-der-osten.de.


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