Montag, 6. April 2020
Freitag, 15. November 2019

OSTELBIEN

"Wir wollen den Hochwasserscheitel um 40 Zentimeter kappen"

Mögliche Variante vom geplanten Polder Dautzschen. Er beginnt nördlich von Döhlen am sogenannten Bockdamm und reicht nördlich bis zur Landesgrenze.Foto: Repro TZ

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dautzschen. Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen hat jetzt die Planungen zum Polder Dautzschen wieder aufgenommen. Man möchte frühzeitig eine rege Bürgerbeteiligung. 

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Dautzschen. Millionen von Euro wurden in den vergangenen Jah- ren für den Deichbau in der Tor- gauer Region ausgegeben. Über- schwemmungsflächen gibt es je- doch im Hinterland der Elbe nicht. Das soll sich ändern. Die Landes- talsperrenverwaltung Sachsen hat jetzt die Planungen zum Pol- der Dautzschen wieder aufge- nommen. „Wir möchten dabei schon frühzeitig eine sachliche Diskussion mit Einwohnern und Institutionen beginnen“, sagte Axel Bobbe, Betriebsleiter der LTV in Rötha.

Klar ist: Polderbauwerke erfor- dern viel Kompromissbereitschaft von allen Beteiligten. Auf der ei- nen Seite wird gerade die Elbaue wegen ihrer fruchtbaren Böden intensiv durch die Landwirtschaft genutzt. Die Bauern möchten ihre Existenzgrundlage nicht verlie- ren. Auf der anderen Seite braucht es sogenannte Retentionsflächen – wie die Fachleute sagen – um der Elbe im Falle einer Flut ge-

nügend Raum zum schadlosen Ableiten der Wassermassen zu geben. „Die der Elbe fehlende Überschwemmungsfläche wur- de durch die in den letzten Jahr- hunderten ausgeführten Begra- digungen und die damit verbun- dene Verlegung der Elbdeiche eingeleitet“, beschreibt Michael Ulrich-Leinau das Problem. Er ist der zuständige Projektleiter bei der LTV, der sich mit den Vorbe- reitungen zum Bau des Polders Dautzschen beschäftigt.

Aufschrei

Man habe lange Zeit vor allem die Schifffahrt gesehen. So wur- de die Lauflänge des Flusses mehr und mehr verkürzt. Auch die Elb- schleifen bei Elsnig und Mockritz verschwanden in diesem Zuge. Man freute sich über neue Acker- flächen. „Zudem blieben oft nur die Auebereiche als Möglichkeit, die Dörfer zu entwickeln“, so Mi- chael Ulrich-Leinau. Sprich: Es wurde also auch auf solchen Standorten zunehmend gebaut. 50 Jahre kein Hochwasser – das beförderte die Sorglosigkeit in

den Kommunen. Übrigens über- all in ganz Sachsen. Erst nach der Flut 2002 folgte der Aufschrei: Gebt den Flüssen mehr Raum! Allerdings stießen die geforder- ten Deichrückverlegungen auf heftigen Widerstand der landwirt- schaftlichen Betriebe, die um ihre Felder bangten. Polder – lautete das Zauberwort, um die Gemü- ter zu besänftigen. „Die landwirt- schaftliche Nutzfläche wird zwar durch den nötigen Deichbau klei- ner. Ansonsten können die Bö- den aber ohne Einschränkungen von den Bauern genutzt werden“, so der Projektleiter. Die Flutung erfolgt nur im Extremfall.

Spürbare Absenkung

Mit dem geplanten Polder Dautz- schen soll gesteuert die Spitze der Hochwasserwelle oberhalb eines HQ 100 (eines im Schnitt aller 100 Jahre wiederkehrenden Hoch- wassers, d. Red) gekappt werden. Dies führe insbesondere in Zu- sammenhang mit weiteren Pol- derstandorten, wie dem Polder Außig, zu einer spürbaren Ab- senkung des Wasserspiegels und

damit zur Entlastung der Elbdei- che beginnend im Bereich des Polders als auch der stromabwärts gelegenen Hochwasserschutzein- richtungen. Die derzeit vorliegen- den Berechnungen gehen beim Zusammenwirken der Polder Au- ßig und Dautzschen von einer Ab- senkung des Hochwasserschei- tels von ca. 40 Zentimeter aus. Rund 1300 Hektar Fläche würde der Polder Dautzschen in der dar- gestellten Variante umfassen. Etwa zwölf Kilometer Deiche sind dazu neu zu errichten.

Zukunftsmusik

„Die Ringdeiche Last und Neu- bleesern wären zu ertüchtigen und zu erhöhen“, fasst Ulrich-Lei- nau zusammen.

Noch ist der Polder Dautzschen Zukunftsmusik. Fünf Jahre sind allein für die Planungen einge- rechnet. Wie lange der sich an- schließende Planfeststellungspro- zess dauert, ist völlig ungewiss. Ungefähr 10 bis 15 Jahre betra- ge die reine Bauzeit. In den nächs- ten 20 Jahren wird der Polder also nicht in Betrieb gehen. 


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