Donnerstag, 2. April 2020
Samstag, 23. November 2019

OSTELBIEN

Freundschaftliche Kontakte sollen im Vordergrund stehen

Gruppenfoto der Delegation mit Bürgermeister Rene Vetter vor dem Panzerdenkmal.

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. In dieser Woche gab es in der ostelbischen Gemeinde wieder weitgereisten Besuch. Eine Delegation der „Nachtwölfe“ hatte sich angesagt, um anlässlich des Volkstrauertages Blumen am Panzer- Denkmal niederzulegen

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Beilrode. Das Beilroder Panzer-Denkmal führte jahrzehntelang ein Schattendasein. Einwohner nahmen es kaum noch wahr. Auswärtige kannten es nicht. Seit der aufwendigen Sanierung ist alles anders. Gerade auf russischer Seite ist das Interes- se plötzlich sehr groß. Nicht zuletzt durch einen Fernsehbeitrag, den der russische Kanal Zvezda ausstrahlte und den offenbar ein Millionenpu- blikum sah. Kamerateams waren bei der Einweihung am 25. April dieses Jahres live in Beilrode dabei und filmten unter anderem auch die Rede des Botschafters der Russischen Föderation, Sergej J. Netschajew. Die Gästeliste war lang.

 

In dieser Woche gab es in der ostelbischen Gemeinde wieder weitgereisten Besuch. Eine Delegation der „Nachtwölfe“ hatte sich angesagt, um anlässlich des Volkstrauertages Blumen am Denkmal niederzulegen und den Gefallenen beider Weltkriege zu gedenken. Sie hatten bei Bür- germeister René Vetter nachgefragt und dieser nahm sich gerne Zeit, um die Gäste persönlich zu begrüßen. Schließlich sollte auch die Bewahrung und Förderung freundschaftlicher Kontakte im Vordergrund stehen. Holger Schulze, früherer Beilroder Bürgermeisterkandidat und mittlerweile Mitglied der RM (Russische Motorradfahrer), hatte den Besuch vermittelt.

„Wir sind sehr froh, dass wir hier sein dürfen. Schließlich liegt uns sehr am Herzen, zahlreiche Missverständnisse auszuräumen, die leider in der Vergangenheit neu entstanden sind“, betonte Viktor Keller, Hauptmember der „Nachtwölfe“ für die baltischen Staaten Lettland, Estland, Litauen und für Königsberg, dem heutigen Kaliningrad. Manches werde leider in den überregionalen Medien völlig falsch dargestellt, kritisierte er. Auch die Sanktionen seien bedauerlich. Man könne versichern, dass die Menschen aber gerade in Königsberg und in den anderen bal- tischen Staaten sehr aufgeschlossen sind.

„Gerade als Deutscher wird man sehr nett und freundlich behandelt und manchmal sogar spontan eingeladen“, so Andreas Funke, der als Deutscher in Kaliningrad lebt und am Dienstag mit zur Delegation der „Nachtwölfe“ gehörte. „Wir sind kein Klub, sondern eine Bewegung russischer und deutscher Motorradfahrer“, versuchte er für die Bewegung RM richtigzustellen und spielte damit auf den zwielichtigen Ruf an, der den „bösen Rockern Putins“ – wie sie manchmal bezeichnet werden, teilweise anhaftet. „Wir wollen mit Gewalt und kriminellen Machen- schaften nichts zu tun haben“, betonte Funke.

Mitglied der RM könne jeder werden, der für die Freundschaft einsteht und das Herz am rechten Fleck habe. Spinner und Selbstdarsteller hätten aber in den Reihen der Biker keine Chance. Die Kutte als Symbol der RM-Mitgliedschaft bekomme man auch nicht für nur einmal mitfahren. Die müsse man sich schon erkämpfen. Der Beilroder Holger Schulze hat sie sich erkämpft, wie am Dienstag zu sehen war. „Ich fahre seit 2015 mit und bin seit Oktober 2019 offizielles Mitglied“, bestätigte er.

Die „Nachtwölfe“ hatten in den vergangenen Jahren stets zum Tag der Befreiung im Mai Torgau besucht. „Es könnte auch zur Tradition werden, regelmäßig hierher nach Beilrode zu kommen“, sagte Hauptmember Viktor Keller, der sich im Übrigen sehr beeindruckt zeigte vom guten Zustand des russischen Kriegspanzers T 34, der in Beilrode auf dem Sockel steht.

Einladung

Er lud die Bevölkerung ein, selbst mal nach Russland und nach Kaliningrad zu kommen und sich höchstselbst ein Bild von Land und Leuten zu machen. Gerade in Königsberg seien die Russen bestrebt, die deutsche Kultur zu erhalten. Durch das elektronische Visa sei es einfacher geworden, dorthin zu reisen. Auch für St. Petersburg sollen diese Er- leichterungen bald gelten. Bürgermeister René Vetter abschließend: „Ich finde es gut, wenn Freund- schaften beider Länder gepflegt wer- den sollen. Die Kranzniederlegung im Gedenken aller Kriegstoten ist eine feine Sache, der wir als Gemein- de offen gegenüberstehen.“


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