Dienstag, 25. Februar 2020
Sonntag, 15. Dezember 2019

GESPRÄCH AM SONNTAG

Göran Schultze: "Jeder muss was tun"

„Gegen den ausufernden Mu¨ll aus Plastik wollen wir aktiv etwas tun, gesunde Biolebensmittel anbieten und regionalen Produkten eine Chance geben.“ Foto: PNFoto: Peter Noack

Von unserem Redakteur Peter Noack

Riesa. Göran Schultze hat auf einem Vierseitenhof in Heyda eine „Vorratskammer“ eröffnet. Dahinter verbirgt sich nicht nur ein Hofl aden mit regionalen landwirtschaftlichen Produkten.

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Riesa. Göran Schultze hat auf einem Vierseitenhof in Heyda eine „Vorratskammer“ eröffnet. Dahinter verbirgt sich nicht nur ein Hofl aden mit regionalen landwirtschaftlichen Produkten. In der „Vorratskammer“ fi ndet man ausschließlich Produkte, die das Biosiegel tragen und ohne Verpackung angeboten werde. Wie schwierig, aber auch erfolgreich dieses neuartige Angebot ist, darüber berichtet er heute.

SWB: Herr Schultze, warum haben Sie sich eine Vorratskammer angelegt? GÖRAN SCHULTZE: Eine Vorratskammer braucht doch jeder. Unsere „Vorratskammer“ ist aber der Name eines Unverpacktladens für Bioprodukte. In Riesa und der näheren Umgebung gibt‘s keine Möglichkeiten, so einzukaufen, wie bei uns. Dafür muss man schon bis Dresden, Leipzig oder Nossen fahren. Wir, meine Familie und ich, hatten diese Idee schon lange, aber den letzten Anstoß gab ein Urlaub in der Karibik. Die Unmengen an Plastikmüll durch Verpackungen, die wir dort gesehen haben, machte uns klar, dass es so nicht weitergehen kann. Für eine Veränderung muss jeder etwas tun. Seitdem haben wir schon mal bewusster eingekauft.

Aber das hat Ihnen ja nicht gereicht. Jetzt sind Sie selbst aktiv geworden. Wie haben Sie das gemacht?

Dazu muss ich etwas aus meiner beruflichen Entwicklung voranstellen. Aufgewachsen in Nickritz und später in Heyda liebte ich die Wiesen um das großelterliche Gut. Später erlernte ich den Beruf eines Fleischers, der mich aber nicht wirklich begeistern konnte. Im Unternehmen für Landtechnik meiner Eltern fand ich meinen Platz und war von da ab zuständig für den Lohnbereich und arbeitete auch in der Werkstatt. Im Jahr 1999 legte ich die Landwirtsausbildung ab und im Anschluss den staatlich geprüften Wirtschafter für Landwirtschaft. Seit 2015 bewirtschafte ich nun meine eigenen landwirtschaftlichen Flächen und gliederte mithilfe meiner Eltern den Unternehmensteil Lohnarbeit aus dessen Unternehmen aus. Ich bin seit 2006 mit meiner Frau Anja verheiratet und habe zwei Kinder. Wir hatten schon immer die Idee eines Hofladens im Blick. 2017 kauften wir diesen Hof in Heyda, hauptsächlich um Gerätschaften unterzustellen. Dazu musste erst einmal die Scheune instand gesetzt und rückseitig ausgebaut werden. In diesem Jahr konnten wir endlich an den Ausbau des Ladens gehen.

Ein Hofladen ist ja nichts Seltenes mehr, aber wie haben Sie Ihr spezielles Konzept umgesetzt?

Das Konzept haben wir uns selbst ausgedacht und über die Zeit reifen lassen. Gebaut haben wir alles selbst, außer Fußboden, Elektrik- und Wasserinstallation. Wir haben nach Möglichkeit historische Baustoffe verwendet wie Lehm, Ziegel und Holz. Lieferanten für Bioprodukte möglichst aus der Lommatzscher Pflege haben wir auch noch ausreichend viele gefunden, aber bei der Verpackung gingen die Probleme los. Unser Ziel war ein Unverpacktladen, aber nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Lieferanten. Bioprodukte in großen Gebinden werden meist in Kunststofffolie verpackt. Um Milch in Glasflaschen anzubieten, haben wir erst in Brandenburg eine Molkerei gefunden, die das anbietet. Backwaren beziehen wir aus Taubenheim. Eier werden aus Großenhain geliefert. Käse beziehen wir aus Thüringen und aus Wiggensbach im Allgäu. Glücklicherweise haben wir einen Großmarkt in Erfurt gefunden, der eine ganze Menge Waren nach unseren Vorstellungen liefern kann. Als Beispiel kann ich die Haferflocken nennen, die in Papiersäcken mit 25 kg Inhalt geliefert werden. Oft kommt es vor, dass wir für unsere besonderen Wünsche eine Lieferzeit von 14 Tagen einplanen müssen, aber das geht alles.

Was gehört zum Sortiment?

Unser Ziel ist es, ein vollwertiges Lebensmittelsortiment anzubieten. Außer Fleisch und Wurst haben wir alles im Angebot. Aber auch das wird es ab einen späteren Zeitpunkt noch geben. Wir haben 40 Quadratmeter Verkaufsfläche, also sehr begrenzt, aber für meine Frau und mich gut machbar. Wir stellen nach den ersten Tagen manchmal fest, dass wir die Einrichtung noch optimieren können. Wir wollen ja auch eine rustikale, ordentliche, saubere und optisch ansprechende Warenpräsentation bieten. Zu den Öffnungszeiten donnerstags und freitags von 14 Uhr bis 19 Uhr sowie samstags von 9 bis 14 Uhr kann bei uns eingekauft werden. Parkplätze sind ausreichend vorhanden.

Wie lautet Ihr Fazit nach zwei Wochen „Vorratskammer“?

Überwältigend! Die 90 Eier beispielsweise waren nach zwei Stunden ausverkauft. Wir hatten mit 200 Eiern an drei Tagen kalkuliert. Es kamen nicht nur viele Leute, sondern sie waren auch vorbereitet. Jeder hatte Einkaufsbehältnisse dabei. Unsere „Vorratskammer“ wird richtig gut angenommen. Unsere Hofweihnacht war nicht nur ein optischer stimmungsvoller Glanzpunkt, sie war auch ein Besuchermagnet. Unser Biosenf in den hübschen Porzellandosen aus der Georgsmühle war der Renner. Auch Wünsche und Anregungen unserer Besucher haben wir ernst genommen. Jetzt sind wir auf der Suche nach einem Lieferanten für Früchtetee. Aber auch das werden wir lösen. Im neuen Jahr wollen wir eine Kaffeemaschine installieren, weil wir festgestellt haben, dass man sich nach dem Einkauf auf unserer Bank noch gern auf einen Plausch niederlässt.

Übrigens: Jedes Produkt, das wir anbieten, haben wir auch selbst gekostet. Wir wissen, wovon wir reden und können das auch in dieser Beziehung mit ruhigem Gewissen unseren Kunden anbieten. Einen Kompromiss sind wir jedoch eingegangen.

Und der wäre?

Unser Stollen ist das einzige Produkt, was leider noch in Folie verpackt ist.


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