Donnerstag, 2. April 2020
Dienstag, 7. Januar 2020

BELGERN-SCHILDAU

Feuerwerks-Verkauf 2019: Vom Umsatzeinbruch keine Spur

In der Silvesternacht erhellte Michael Hienzsch den Himmel über seinem Heimatdorf Probsthain. Foto: Privat

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Probsthain. Michael Hienzsch ist seit  einem guten Jahr professioneller Pyrotechniker und sprach mit der TZ über seine Arbeit, die Entwicklung der Feuerwerks-Branche und die Auswirkungen der Klima-Bewegung auf den Verkauf von Böllern & Co.

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„Wie fiel ihre Silvester-Bilanz 2019 aus?“ Als Michael Hienzsch diese Frage hört, zeichnet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ab. „Richtig gut“, sagt er und wirkt dabei mehr als zufrieden. 220 Kunden habe er in den Tagen vor Silvester bei sich in seinem kleinen Laden in Probsthain gehabt und ihnen allerhand Batterien, Böller, Raketen und andere Feuerwerkskörper verkauft. Denn der 35-Jährige ist staatlich geprüfter Pyrotechniker und bot in dem kleinen Örtchen bei Schildau in diesem Jahr zum ersten Mal unter dem Namen „Hinseherfeuerwerke“ einen Verkauf von Feuerwerk für den Jahreswechsel an. Die Mischung aus Verkauf und fachmännischer Beratung kam gut an und brachte Hienzsch jede Menge Kunden ein. Und das trotz groß geführter Böllerverbots-Diskussionen.

Michael Hienzsch
Foto: TZ/Leukhardt

Zehn Jahre Pyro-Faszination

Seit einem guten Jahr ist Michael Hienzsch offiziell zugelassener Pyrotechniker, Teil der Feuerwerks- Branche bereits deutlich länger. Vor rund zehn Jahren begann er bei dem Marienberger Feuerwerks-Hersteller Blackboxx und arbeitet auch heute noch dort als Lagerist. Seine Arbeit als Pyrotechniker und auch den Verkauf  mit den „Hinseherfeuerwerken“ läuft nur im Nebenerwerb. Acht Feuerwerks- Shows hat er so im letzten Jahr in die Luft gelassen, darunter neben Hochzeiten und Geburtstag auch zum Jahreswechsel in Probsthain.

Sein Kontakt zur Pyro-Branche kam eher zufällig als geplant zustande. Schon als Kind war Hienzsch fasziniert von Feuerwerken, verlor aber nach seiner Jugend irgendwann dann das Interesse daran. Als er dann vor gut zehn Jahren einen professionellen Pyrotechniker kennenlernte, sprang der Funke bei ihm über. „Es ist einfach geil, was man mit ein bisschen Kreativität an den Himmel malen kann“, beschreibt er seine nach wie vor ungebrochene Faszination für die Arbeit mit Feuerwerk. Über 50 professionelle Großfeuerwerke hat er so schon selbst mitbegleitet und kam damit in ganz Mitteldeutschland herum. Mittlerweile kann er solche bunten Spektakel mit einer Steighöhe von über 100 Metern (eine „normale“ Silvesterrakete steigt knapp 40 Meter auf; Anm. d. Red.) selbst durchführen. Seine Prüfung legte er in der Thüringer Feuerwerksschule in Körner ab.

Der Absatz nimmt zu

Immer wieder wurde im vergangenen Jahr über den Sinn und Unsinn von Feuerwerk zu Silvester diskutiert. Argumente für das so genannte Böllerverbot sind dabei unter anderem die Luftverschmutzung sowie die Gefahr für Mensch und Tier. Doch obwohl 2019 über dieses Thema so heiß diskutiert wurde, wie schon lange nicht mehr, stimmten bei Michael Hienzschs kleinem Lädchen zu Silvester die Umsätze. „Obwohl es bei mir vor allem die hochpreisigeren, professionelleren Feuerwerkskörper zu kaufen gibt, hatte ich wirklich eine Menge Kundschaft.“ Das Böllerverbot habe dem Verkauf nicht geschadet, vielmehr sei der Absatz im Vergleich zum Vorjahr sogar noch nach oben gegangen.
Dies hänge vor allem mit dem Batteriefeuerwerk zusammen, welches in den letzten zehn Jahren den Feuerwerksmarkt stark verändert habe. Mittlerweile seien auch Privatleute durchaus bereit, etwas mehr Geld für ihr Feuerwerk auszugeben und sich dieses auch beim Fachmann und nicht im Discounter zu besorgen.

„Früher gab es die Batterien in dem Umfang, wie wir ihn heute haben, einfach nicht. Da hat man eher auf Raketen und Böller gesetzt. Die entwickeln sich zwar auch mit, jedoch nicht so stark wie die Batterien. Und so geben die Leute eben gerne mehr Geld für ihr Feuerwerk aus, weil es qualitativ immer besser wird.“ Im Schnitt hätten seine Kunden zwischen 50 und 100 Euro für ihr Silvesterfeuerwerk auf den Tisch gelegt.

Zum ersten Mal verkaufte Michael Hienzsch im vergangenen Jahr unter dem Namen "Hinseherfeuerwerke" in Probsthain Böller, Batterien und Co. Foto: Privat

Zwei Seiten der Medaille

Dem Böllerverbot selbst steht der Pyrotechniker zwiespältig gegenüber. Zum einen findet er es an bestimmten Orten wie zum Beispiel in Küstengebieten mit vielen reetgedeckten Häusern nachvollziehbar, zum anderen hält er ein generelles Verbot für völlig überzogen. Denn die Pyro-Industrie entwickle nicht nur immer bessere und schönere Leucht- und Knall-Effekte, sondern auch umweltfreundlichere Feuerwerks-Varianten. Seine Haustiere könne man so mit Feuerwerk schonen, welches gänzlich ohne Lärm auskommt, und der Folienmüll bei den Batterien werde auch drastisch reduziert. Nur der Feinstaubfilter für die Raketen, der fehle bislang noch, fügt er lachend hinzu.

Auch wenn in der Zeit nach Silvester in der Feuerwerks-Branche langsam wieder Ruhe einkehrt, wird es Michael Hienzsch bis zum nächsten Jahreswechsel auf keinen Fall langweilig.  Denn auch wenn im Dezember das Geschäft natürlich boomt, herrscht die Nachfrage nach Pyro-Artikeln doch das ganze Jahr. Und so ist die Vorfreude des Probsthainers schon jetzt wieder enorm groß, was ihn 2020 für bunte Himmelsmalereien erwarten.


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