Dienstag, 25. Februar 2020
Sonntag, 12. Januar 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

"Landwirtschaft hält alles zusammen"

Niklas Probst war einer der Initiatoren der bundesweiten Sternfahrt nach Berlin im November. „Wir packen an“, sagt er. Foto: Sabine Ruebensaat

Von unserem Redakteur Anna Thiere

Niklas Probst über die Wirkung von Traktoren, Agrarpolitik und dass er seinen Job lebt

 

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Bad Liebenwerda.  Im Gespräch am Sonntag spricht Niklas Probst dieses Woche über die Bedeutung der Landwirtschaft, wie wichtig es ist, Initiative zu zeigen und wo die Landwirte, auch in Elbe-Elster, gerade stehen. 

SWB: Herr Probst, Sie waren der Organisator der Sternenfahrten nach Berlin für Südbrandenburg?

Niklas Probst: Ja, dazu kam ich buchstäblich wie Maria zum Kind. Der Agrarblogger „Bauer Willi“ hatte vor einiger Zeit die Aktion der grünen Kreuze, die auch hier im Landkreis auf einigen Feldern zu finden sind, gestartet. Diesen leisen Protest wollten wir unterstützen. Nur eben laut. 

Spielten die sozialen Medien also eine zentrale Rolle?

Definitiv. Auf Facebook fanden sich circa 15.000 Menschen zusammen, die die Aktion unterstützen wollten. Zunächst war das ein kopfloser Haufen, der erst einmal organisiert werden musste. Es formte sich dann ein dreiköpfiges Organisationsteam aus Frank Schmidt und  Johanna Mandelkow, die Nordsüd- und Nordostbrandenburg abdeckten und eben aus mir, ich habe mich um den Raum Südbrandenburg gekümmert. 

Wie lief die Organisation dann ab?

Nun zunächst galt es, Landwirte, die sich einbringen wollten, zu finden, was nicht schwer war. Dann mussten Routenpläne ausgearbeitet werden, alles polizeilich abgesichert und begleitet, Termine mussten koordiniert und mit einigen Vereinigungen Rücksprache gehalten werden.  

Und dann war er da, der Tag?

(lacht) Genau! Die Landwirte aus Elbe-Elster und aus dem benachbarten Sachsen haben sich am 26. November in Herzberg getroffen und sind gemeinsam, unter polizeilicher Begleitung und Absicherung, nach Berlin aufgebrochen. Wir waren ungefähr 120 Landwirte aus dem Landkreis, mit denen aus Sachsen zusammen waren also  240 Traktoren auf dem Weg in die Hauptstadt. 

Woher kamen die Teilnehmer der Protestaktion an diesem Tag?

Aus dem ganzen Bundesgebiet. Einige waren tagelang unterwegs, um mit ihren Traktoren dabei sein zu können. Die Teilnehmerzahl war am Ende bei rund 40.000 Menschen und  8.000 Schleppern. Einige Wochen zuvor gab es schon einmal eine solche Aktion, allerdings war das Einzugsgebiet kleiner. 

Wofür wurde protestiert?

Wir möchten ganz klar mehr Mitspracherecht in der Agrarpolitik. Es setzt sich niemand von der Regierung mal mit einem Bauern an einen Tisch und bespricht das, was sie in den Gesetzen und Vorschriften durchsetzen möchten. Teilweise sind die Forderungen der Bundesregierung nicht umsetzbar beziehungweise völlig kontraproduktiv. Wir möchten erreichen, dass wir gehört werden, argumentieren können und gemeinsame Lösungen finden. Wir arbeiten mit und in der Natur, selbstverständlich möchten wir diese, unsere Arbeitsgrundlage, nicht zerstören. Zusammenarbeit ist der Schlüssel.

Also hält Landwirtschaft alles zusammen?

Im Grunde genommen ja, natürlich. Gerade hier in der Region. Wenn man sich mal ansieht, wie die einzelnen Orte und die Gemeinschaft funktionieren im Elbe- Elster-Kreis, sind es größtenteils die drei Säulen Landwirtschaft, Feuerwehr und Sportvereine, die alles zusammenhalten. Die Landwirtschaft spielt also eine zentrale Rolle für die Region. 

Sind weitere Aktionen geplant? 

Ja, da sind wir nach wie vor aktiv. Es gab Anfang Dezember ein Mahnfeuer in Maasdorf mit ungefähr 100 Teilnehmern. So etwas habe ich vor, im Frühling noch einmal zu machen. Des Weiteren gibt es einen Stand der Initiative „Landwirtschaft schafft Verbindung – Wir bitten zu Tisch“, auf der Grünen Woche in Berlin. Weitere Aktionen sind in Planung. Wir haben unsere Ziele klar vor Augen und arbeiten daran. Anpacken können wir. 

Haben sich die Bemühungen schon ausgezahlt?

Wir waren vor Kurzem zur Zukunftskommission Landwirtschaft geladen und hatten dort die Möglichkeit, unsere Anliegen vorzutragen. Alle an einen Tisch zu bekommen, ist natürlich eine Hausnummer und wir hatten nicht viel Zeit, uns zu äußern. Dennoch geht es wohl in die richtige Richtung. 

Man merkt, dass Sie Landwirt mit Leib und Seele sind?

(lächelt) Ich wollte schon mit drei Jahren in die Landwirtschaft. Habe mich also nie für etwas anderes interessiert. Ich liebe alles daran, Landwirt zu sein. Die Verbundenheit zur Natur , die Technik, das Bedienen der Maschinen, das Wissen, etwas Gutes zu tun, auch wenn die halbe Menschheit denkt, man versucht sie umzubringen.Wir arbeiten für die Menschen, nicht gegen sie. Ich sage immer: Ich liebe meinen Job nicht, ich lebe ihn!                                                                    Gespräch: Anna Thiere


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