Donnerstag, 2. April 2020
Freitag, 10. Januar 2020

OSTELBIEN

"Schwierige Situation" für den Pfarrbereich Beilrode-Arzberg

Friederike Müller-Schönau und Reiner Ebert vor der Heilandskirche in Beilrode. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. In der Kirchengemeinde Beilrode- Arzberg mehren sich seit längerer Zeit die Sorgen. Der Kreiskirchenrat hat beschlossen, die Pfarrstelle Beilrode nicht für eine Wiederbesetzung freizugeben. Hier Folgen und Hintergründe: 

 

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Beilrode. Regen prasselt nieder und dicke dunkle Wolken ziehen über die Heilandskirche hinweg. So entstand vorgestern das TZ-Foto und so ähnlich ist dieser Tage auch die Stimmung in der Kirchengemeinde Beilrode-Arzberg. Friederike Müller-Schönau und Reiner Ebert sprechen von einer schwierigen Situation. Nicht erst seit gestern. Das Dilemma bahnt sich schon länger an. 

 

Keine Wiederbesetzung 

Die Pfarrstelle Beilrode hat der Kreiskirchenrat nicht zur Wiederbesetzung freigegeben. Spätestens zum 1. Januar 2024 wird es ohnehin nur noch eine gemeinsame Pfarrstelle mit Beilrode und Belgern geben, so die Fakten. Nun machen sich viele Einwohner in Ostelbien Sorgen, wie die Arbeit in Zukunft zu schaffen sei. Es wird diskutiert und spekuliert, manchmal auch ohne das nötige Hintergrundwissen. Deshalb bemühte sich unsere Zeitung um Aufklärung. „Wir haben die Pfarrstelle 2017/18 gleich nach dem Weggang von Heidrun Killinger-Schlecht ausgeschrieben, hatten jedoch keinerlei Resonanz. Es gab nicht mal eine Rückfrage. Während wir noch nach Ideen suchten, fragte der Nachbarkirchenkreis Herzberg an, ob wir die Entsendung  – also die Probezeit – von Pfarrerin Scheinemann-Kohler für ein Jahr übernehmen könnten“, erklärt Friederike Müller-Schönau. Das sei passiert. Jetzt hat Anika Scheinemann-Kohler mittlerweile seit Sommer die Anstellungsfähigkeit erlangt und kann sich nun in einem Zeitraum von zwei Jahren auf eine der Pfarrstellen in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bewerben, um deren Inhaberin zu werden, führt Superintendent Mathias Imbusch weiter aus, den TZ ebenfalls befragte. In Beilrode sei dies aber nicht möglich, weil die Wiederbesetzung ausgeschlossen ist. „Das hat nichts mit bösem Willen von irgendeiner Seite zu tun, sondern liegt einfach an der Finanzierbarkeit“, geht Friederike Müller-Schönau auf das Hauptproblem ein.

 

Drastischer Rückgang 

 Schon jetzt habe man im Pfarrbereich mit acht Kirchen und 24 Dörfern weniger als 800 Gemeindemitglieder. Das würde rechnerisch gerade mal eine dreiviertel Pfarrstelle rechtfertigen. Wir leben also schon über unsere Verhältnisse“, so die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Der Schlüssel für eine Pfarrstelle betrage 1300 Gemeindemitglieder. „Wir waren mal 1600 Mitglieder, haben aber in den letzten Jahren einen drastischen Rückgang erlebt. Es gibt wesentlich mehr Sterbefälle als Taufen“, bestätigt Reiner Ebert. Ärgerlich sei auch, dass junge Menschen – die hier konfirmiert sind – sehr oft aus der Kirche austreten, sobald sie in Lohn und Brot stehen. „Wir hätten es gerne anders“, spielen Ebert und Müller-Schönau ebenso auf die Zukunft von Pfarrerin Scheinemann-Kohler an, die eine gute Arbeit in Beilrode leistet. Am liebsten hätte man damals bereits den Weggang von Pfarrerin Killinger-Schlecht verhindert, die sich nach dem Beschluss der Kreissynode vom November 2015– die Pfarrstellen Beilrode und Belgern aufzuheben – neu orientierte. 

 

Genügend freie Stelle 

„Uns machen die Alterspyramide und der Mitgliederschwund zu schaffen. Es gäbe nur eine Lösung: Wenn jetzt ganz viele Leute wieder in die Kirche eintreten“, so Ebert und Müller-Schönau. Weil damit aber nicht zu rechnen sei, müsse man sich arrangieren. „Pfarrerin Scheinemann-Kohler hängt keineswegs in der Luft“, betonte Superintendent Imbusch auf entsprechende TZ-Nachfrage. Sowohl im städtischen als auch im ländlichen Bereich habe man in der Kirche schon jetzt genügend freie, das heißt unbesetzte und zur Wiederbesetzung freigegebene Stellen zur Verfügung. Am Pfarrdienst in Beilrode ändere sich vorerst auch gar nichts. Sollte Scheinemann-Kohler demnächst Inhaberin einer anderen Pfarrstelle in der EKM werden, wird es - wie immer bei vakanten Pfarrstellen - eine Vertretungsregelung geben, so der Superintendent. Um eine Zusammenlegung der beiden Kirchengemeindeverbände Beilrode und Belgern handelt es sich im Übrigen nicht. „Wir bleiben eigene Kirchengemeinde mit nur einer halben Pfarrstelle“, erklärte Müller-Schönau. 

 

Keine Befristung möglich 

Anders als in der freien Wirtschaft könne man bei kirchlichen Gemeindeplanstellen nie befristet – beispielsweise für die nächsten vier Jahre – sondern nur unbefristet einstellen. Deshalb sei es nicht möglich, die Beilroder Pfarrstelle bis zum genannten Stichtag am 1. Januar 2024 neu auszuschreiben. „Wir sind momentan etwas ausgebremst, haben keine Reaktionsmöglichkeiten“, brachte Ebert die Gefühlslage auf den Punkt. Er machte in dem Zusammenhang auch deutlich, dass die Beilroder-Arzberger Pfarrstelle per Beschluss schon längst in eine Entsendungsstelle umgewandelt wurde. Das heißt, dass angehende Pfarrer hier ihren Probedienst leisten können. Immerhin, etwas sehr Positives gibt es am Schluss doch noch zu berichten: Das preisgekrönte Vorzeigeobjekt Heilandskirche hat für einen Aufschwung in Ostelbien gesorgt und wird sehr gut angenommen. Friederike Müller-Schönau und Reiner Ebert hoffen damit alsbald auch wieder neue Kirchenmitglieder gewinnen zu können 


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