Samstag, 22. Februar 2020
Freitag, 17. Januar 2020

DOMMITZSCH

"Wir haben hier viele Schätze"

Bürgermeisterin Heike Karau auf dem neu gestalteten Marktplatz.Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Im großen TZ-Bürgermeister-Interview spricht Heike Karau über steigende Kinderzahlen, Investitionen, Verschuldung und warum es wichtig ist, Dommitzsch überregional noch bekannter zu machen: 

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Dommitzsch. Im großen TZ-Bürgermeister-Interview spricht Heike Karau über steigende Kinderzahlen, Investitionen, Verschuldung und warum es wichtig ist, Dommitzsch überregional noch bekannter zu machen: 

 

TZ: Klappern gehört zum Handwerk. Hat Dommitzsch dazu gelernt?

H. Karau: Es hat sich 2019 bei uns viel bewegt und es ist wichtig, dass man auch in Leipzig und Dresden unseren Namen kennt. Durch unsere Baumaßnahmen, durch den Städtebund, den Naturpark Dübener Heide und durch das kleine Städteprogramm mit Bad Schmiedeberg ist es schon gut gelungen, auf uns aufmerksam zu machen. Es sind manchmal kleine Dinge: der Gutscheinkalender des Städtebundes für Gastronomie und Freizeiteinrichtungen beispielsweise, die Beachtung finden. 

 

Was meinen Sie mit kleinem Städteprogramm? 

Das ist unser Verbund zusammen mit Elsnig, Trossin und Bad Schmiedeberg – ein Pilotprojekt. Hier wird gerade am Konzept gefeilt. Es soll sich etwas entwickeln, gerade auch beim Thema Mobilität über die Ländergrenzen hinaus. Der öffentliche Personen- Nahverkehr muss besser werden, oder beim Thema Tourismus und Marketing: Bisher hat jeder für sich selbst gearbeitet. Wir wollen es gemeinsam angehen und damit den ländlichen Raum stärken. Ein Leipziger Tischler hatte kreative Arbeiten im Rathaus-Nebengebäude übernommen und ist begeistert von Dommitzsch. Er bietet Workshops zum Thema Holz an und möchte für uns ein individuelles Souvenir gestalten, das wir an Touristen verkaufen können. Warum sollte es nicht gelingen, auch viele Leipziger in die Region zu locken? Mich hat gefreut, als neulich ein Dresdner Behördenvertreter zu mir sagte: Er wüsste jetzt schon, wo Dommitzsch liegt. 

 

Aber bringt das am Ende wirklich einen finanziellen Nutzen?

Nur wer aktiv ist, bekommt Fördermittel. Nur wenn man in Dresden und Leipzig merkt, hier wird gute Arbeit geleistet: dann darf man vielleicht auch mal ein Pilotprojekt umsetzen. Arzberg ist da ein hervorragendes Beispiel. Der Weg ist sicher schwer. Man muss den Schub immer wieder aufnehmen und weiter machen. Es genügt auch nicht, unsere neue Touristen-Information einfach nur personell zu besetzen. Hier muss etwas passieren. Wir müssen kreativ sein. Der neue Marktplatz mit der wunderschönen Pension/Lokal Schmidtalien bilden eine Einheit. Es entstand ein wunderbarer Anlaufpunkt sowohl für Touristen als auch für Einwohner. 

 

Wie ist die Resonanz in Dommitzsch selbst?

Leider hatte gerade ein  anonymes Schreiben wegen Lärmbelästigung für Missstimmung gesorgt. Wir luden  daraufhin 30 Anwohner der Sandstraße ein, die sich alle zur Gaststätte bekannt haben und es gut finden. Trotzdem gab es danach wieder eine anonyme Anzeige, die jetzt das Landratsamt bearbeitet. Ich verstehe so etwas nicht. Mag sein, dass es bei einer Verabschiedung draußen vor dem Lokal mal etwas lauter werden kann. Aber das ist doch kein Krach wie bei einer Großraumdisko mit Jugendlichen. Es handelt sich um ein gediegenes Etablissement. 

 

Von Tourismus allein wird eine Stadt wie Dommitzsch nicht leben können?

Natürlich ist es keine direkte Einnahmequelle für die Kommune. Es profitieren in erster Linie die Gastronomen. Unser Geschick sollte es sein, die Lage des Elberadweges auszunutzen und die Leute auch mal ein bis zwei Tage in der Region zu halten, sie für den ländlichen Raum zu begeistern. Wir haben hier so viele Schätze mit Waldbad, Campingplatz, Natur und Landschaft. Wir brauchen unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Für die Infrastruktur tun wir gerade sehr viel, um die Stadt noch lebenswerter zu machen. 

 

Sind die Arbeiten am Marktplatz beendet?

Bis auf ein paar Restsachen ja. Wir wollen im März zum Beginn der Radfahrersaison sowohl Info-Center als auch Markt feierlich übergeben. 

 

Wie hoch waren die Kosten?

Es liegen noch nicht alle Schlussrechnungen vor, aber wir gehen von 1,7 Millionen Euro aus. 90 Prozent Förderung fließen, um den Tourismus zu fördern. Solche großzügigen Programme brauchen wir viel öfter. 

 

Das Landambulatorium ist ebenfalls ein Großprojekt. Wie ist hier der Stand?

Es wird noch ein halbes Jahr dauern und ich habe Hochachtung vor meinen Mietern, die bei laufendem Betrieb mit den Einschränkungen umgehen. In der Bibliothek laufen die letzten Arbeiten, so dass man im März in die Räume zurückziehen kann. Auch an der Wärmedämmung wird gearbeitet, im Frühjahr geht es mit dem Dach weiter. Leider sind die Kosten erheblich gestiegen, was an der Auftragssituation liegt. Statt mit 2 Millionen müssen wir wohl mit 2,4 Millionen Euro rechnen. Davon trägt die Stadt 1,2 Millionen Euro selbst. Wir mussten einen Kredit aufnehmen. Klar hätte man jetzt sagen können, ein Neubau wäre vielleicht billiger geworden. Aber man kann nicht alles wegreißen. Auch alte Sachen lassen sich manchmal toll herrichten. Einen Neubau hätten wir zudem über Förderprogramme gar nicht finanzieren können und günstiger wäre es vielleicht am Ende auch nicht gewesen. 

 

Was macht die gesperrte Umgehungsstraße?

Dazu wird im Januar im Elsniger Gemeinderat die Kreuzungsvereinbarung vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr vorgestellt. Die Planungen sind durch. Wir haben versucht, alle Bedingungen zu erfüllen. Ich geh davon aus, dass alle Parteien unterschreiben und wir als erfüllende Gemeinde schnell Fördermittel beantragen können, so dass noch in diesem Jahr der Ausbau erfolgt. 

 

Welchen Effekt bringt das für die Stadt? 

Es handelt sich ja um eine Erschließungsstraße für das Gewerbegebiet mit Vandemoortele und den anderen Betrieben. Der Lkw-Verkehr soll dann diese Strecke nehmen. Vandemoortele, ASD und Lehmann Metallbau sind die wichtigsten Arbeitgeber in unserer Kommune. 

 

Sind das gleichzeitig die wichtigsten Gewerbesteuerzahler?

Die Gewerbesteuer ist leider insgesamt in den letzten Jahren gesunken, was viele Gründe hat. Allgemein kann man einschätzen, dass die Finanzausstattung für kleine Kommunen wie Dommitzsch besser sein müsste. Hier sollte das Land größere Unterstützung leisten. 

 

Wie steht es mit der Verschuldung der Stadt?

Die ist natürlich durch den Kredit, den wir aufnehmen mussten, nach oben geschnellt - von etwa 500 auf 1000 Euro umgerechnet je Einwohner. Aber der Wert sinkt ja auch wieder. Wir hatten einen Rückstau an Baumaßnahmen und mussten handeln, auch um den Status „Grundzentrum“ zu sichern. Ich sehe es so: Geld ist ein Werkzeug, um Werte zu schaffen. Ohne Schulden lässt sich nichts bewegen. Und so lange wir den Kredit bedienen können, ist es kein Problem. 

 

Sie haben voriges Jahr von einem Aufschwung gesprochen. Hat sich dieser 2019 fortgesetzt?

Erfreulicherweise ja. Wir hatten zum ersten Mal keine sinkende Einwohnerzahl, sondern sogar einen Zuwachs von 6 Personen – auf 2473 Einwohner. Die Kinderzahlen sind steigend. Waren zuletzt noch 260 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 0 und 16 Jahren gemeldet, was 10 Prozent am Anteil der Bevölkerung entspricht, kletterte die Zahl mittlerweile auf 300 Kinder – also 12 Prozent. Im Hort und in der Krippe sind wir zu 100 Prozent ausgelastet. Von den 162 Plätzen in der Kita sind 159 belegt. Wir prüfen gerade, den Hort ins ehemalige Mittelschulgebäude auszulagern. Doch eine Machbarkeitsstudie hat mit Erfüllung aller Auflagen rund 2,8  Millionen Euro Kosten aufgezeigt.

 

Also ist bewiesen, dass die Mittelschul-Schließung damals ein großer Fehler war?

Wir sind derzeit in allen Klassen in der Grundschule zweizügig. Die Zahl der Schüler stieg von 149 auf 158. Das würde auch eine Mittelschule rechtfertigen. Sollte sich ein freier Träger wie in Belgern finden, wären wir sehr offen. Weil uns die Kinder so wichtig sind, errichten wir für rund 160 000 Euro einen neuen Spielplatz für Hortkinder. Auch im Ortsteil Wörblitz ist für rund 60 000 Euro ein Spielplatz gegenüber der Feuerwehr geplant. Um Platz zu schaffen, reißen wir eine alte Feuerwehr-Garage ab. 

 

Wie sieht es mit Eigenheimstandorten aus?

Die bürokratischen Wege sind manchmal sehr lang. Ich hoffe, dass im Sommer endlich am Ortseingang Torgauer Straße Baurecht für sechs bis sieben Grundstücke herrscht. Für ein Areal im Mahlitzscher Weg, das schon vor 20 Jahren vorbereitet wurde, gibt es einen Interessenten. Dort sind sechs bis sieben Bauplätze vorhanden. Dann möchte bei der nächsten Stadtratssitzung ein Investor vorstellig werden, der in Dommitzsch, Zum Stadtpark, etwas Größeres plant. Wir selbst wollen mit einer Festförderung den Abriss der alten Wohnblöcke Straße des Friedens realisieren und hoffen, dass es keine böse Überraschung bezüglich der Entsorgungskosten gibt. Auch diese Fläche könnte ein privater Investor für den Bau von Eigenheimen und Reihenhäusern entwickeln. Unseren eigenen Wohnstandort in der Querstraße mussten wir wegen der Nähe zur Elblandbahn und den Auflagen leider erstmal ruhen lassen.


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