Dienstag, 25. Februar 2020
Freitag, 24. Januar 2020

TORGAU

Dem Tod wird hinterhergeputzt: Aus dem Leben eines Tatortreinigers

Als Tatortreiniger hat Thomas Kundt schon so einiges erlebt. Foto: Privat

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Tatortreiniger Thomas Kundt über verweste Leichen, vermüllte Wohnungen und den Umgang mit schweren Schicksalen.

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Thomas Kundt braucht einen strapazierfähigen Magen. Jeden Tag hat er es mit bestialischem Gestank, literweise Blut, Kolonnen an Insekten oder bergeweise Müll zu tun. Oder allem zusammen. Und zu allem Überfluss muss er all das nicht nur ertragen, sondern auch reinigen und entsorgen. Denn Thomas Kundt ist staatlich geprüfter Desinfektor sowie  professioneller Tatortreiniger und hat in seinen vier Jahren in diesem Beruf von Kühlschränken voller Maden über vollständig zugemüllte Wohnungen bis hin zu gefundenen Körperteilen die erstaunlichsten, spannendsten und teilweise auch abstoßendsten Geschichten erlebt.

„Entstanden ist unser Geschäft mit der Tatortreinigung ursprünglich bei einem Grillabend“, erzählt der 41-jährige Thomas Kundt   amüsiert. „Im Gespräch mit einem befreundeten Kriminalbeamten entstand die Idee, als professioneller Tatort-
reiniger tätig zu werden. Dann hat sich alles so nach und nach entwickelt.“ Heute ist Kundt zusammen mit einem Partner der Geschäftsführer der Firma Desinfekt3, welche die Sächsische Tatortreinigung als Arbeitsbereich beherbergt. Mit seinen Kollegen agiert das Team von Torgau aus in ganz Sachsen und Teilen von Sachsen-Anhalt und säubert Wohnungen, die die wenigsten Menschen freiwillig betreten würden.

"Hinter jeder Tür steckt auch ein Schicksal."
Thomas Kundt,
staatlich geprüfter Desinfektor

Nicht immer nur Tatorte

Dabei ist jedoch nur ein kleiner Teil seiner Aufträge eine tatsächliche „Tatortreinigung“, wie man sie sich vorstellt. Nur zwischen 10 und 15 Prozent der Aufträge würden ihn an klassische Tatorte, wie man sie aus Kriminalfällen kennt, führen. Deutlich öfter seien er und sein Team in Wohnungen im Einsatz, in denen Menschen in Einsamkeit starben und dann über einen längeren Zeitraum nicht bemerkt wurden. „Solche Fälle machen ungefähr 50 bis 60 Prozent aus, sind aber für uns deutlich schlimmer als die klassischen Tatorte. Denn wenn jemand mehrere Wochen oder sogar Monate tot in seiner Wohnung liegt, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie die Person dann aussieht und vor allem riecht.“

Der Boden voller Blut – auch solche Anblicke gehören zum Alltag der Tatortreiniger.

Solche Aufträge schlagen Thomas Kundt und seinen Kollegen von der Sächsischen Tatortreinigung aus Torgau nicht nur auf den Magen, sondern machen auch betroffen. „Hinter jeder Tür steckt ein Schicksal“, sagt er und senkt dabei seinen Blick. Besonders in größeren Städten komme es regelmäßig vor, dass Menschen vor lauter Einsamkeit in ihrer Wohnung sterben und dann erst gefunden werden, wenn sie anfangen zu stinken. „Deswegen appelliere ich immer an die Leute, nett und freundlich mit den Nachbarn umzugehen und sich umeinander zu kümmern.“

Oftmals gehörten die Wohnungen, in denen Thomas Kundt und seine Kollegen zum Einsatz kommen, Alkoholikern. Mit dementsprechend großen Mengen an Alkoholflaschen sehen sich die Tatortreiniger auch oft konfrontiert.

Abschied von den Toten

Um sich von den zahlreichen Schicksalen, mit denen er es bei seiner Arbeit jede Woche zu tun hat, nicht zu sehr runterziehen zu lassen, hat Thomas Kundt einige Tricks auf Lager. Der für ihn wichtigste ist gleichzeitig auch der einfachste: Keine Arbeit mit nach Hause nehmen. Um dies zu schaffen und nach einem Arbeitstag tatsächlich auch mit dem Erlebten abzuschließen, verabschiedet sich der Tatortreiniger nach getaner Arbeit von seinen „Klienten“. „Wenn ich komme, dann begrüße ich die Toten und wenn ich gehe, wünsche ich ihnen eine gute Reise“, erklärt er. „Das hilft mir.“ Emotional mitgenommen sei er während der Arbeit zwar trotzdem hin und wieder, „aber am Ende ist es nur ein Job.“

16 Tonnen Abfall

Doch nicht nur mit Toten haben es Thomas Kundt und seine Kollegen Woche für Woche zu tun. Denn tatsächlich ist es nur ungefähr eine Leiche pro Woche, auf die das Team der Sächsischen Tatortreinigung trifft. Den Rest der Zeit haben die Kollegen es mit vermüllten oder Messie-Wohnungen zu tun. Teilweise muss das Team der Tatortreinigung hier mehrere Tonnen an alten Flaschen, Essensresten und anderem Müll entfernen, um die Räume wieder bewohnbar zu machen.
16 Tonnen Abfall in einem Drei-Zimmer-Apartment sind dabei der bisherige Rekord. Wenn sich in solchen Wohnungen der Unrat stapelt, braucht das Team in der Regel eine Woche, um sie auf Vordermann zu bringen. An den ersten Tagen wird sie von einem Desinfektor und seinen Kollegen komplett ausgeräumt, bevor sie dann ein bis zwei Tage lang von einem Mitarbeiter allein von oben bis unten gereinigt und desinfiziert wird.

Diese Wohnung war so dicht mit Müll aufgefüllt, dass man darauf gehen konnte.

Auf die Torgauer Tatortreiniger aufmerksam geworden ist die TZ im Zuge der Recherche im Todesfall in einer Torgauer Kfz-Werkstatt an Silvester. Denn gerade an diesem Tatort wurde nicht das Team rund  um Desinfektor Thomas Kundt gerufen, sondern die Torgauer Feuerwehr. Dies machte nicht nur Wehrleiter Thomas Bein stutzig, sondern auch den Desinfekt3-Chef. „Keine Ahnung, warum man uns an diesem Tag nicht Bescheid gegeben hat“, sagt Kundt schulterzuckend. Denn eigentlich sei das Unternehmen sowohl bei der Polizei als auch bei der Leipziger Rettungsleitstelle gut bekannt.

Tatortreiniger auf Tour

Auch wenn sich viele Menschen nicht vorstellen könnten, Thomas Kundts Job selbst auszuüben, finden ihn doch sehr viele Leute interessant. Das weiß auch der Tatortreiniger und bestückt daher nicht nur regelmäßig seinen Instagram-  und Facebook-Account, sondern gibt seine Geschichten auch in Vorträgen zum Besten. Nachdem die Resonanz bei einem Auftritt im Leipziger Kupfersaal 2019 alle Erwartungen überstieg, steht für das Jahr 2020 nun eine regelrechte Vortrags-Tournee an. Ende März wird er noch einmal in Leipzig auftreten, danach geht es für Thomas Kundt mit seinem Programm „Hinter verschlossenen Türen“ unter anderem nach München, Stuttgart, Berlin, Köln und Hamburg.  

Ohne Auslauf kann ein Hund eine Wohnung über mehrere Wochen in ein regelrechtes „Minenfeld“ verwandeln.

 

Wie wird man eigentlich Tatortreiniger?

Es gibt keine direkte oder vorgeschriebene Ausbildung zum Tatortreiniger. Wer sich aber zum staatlich geprüften Desinfektor ausbilden lässt, besitzt die beste Grundlage für den Beruf. Desinfektoren arbeiten in erster Linie in Krankenhäusern oder in der Lebensmittelindustrie. Die Ausbildung dauert nur wenige Wochen. Währenddessen lernen die Auszubildenden alles über den Umgang mit Desinfektionsmitteln und Chemikalien, über Hygienevorschriften und Schutzmaßnahmen und über Viren, Schädlinge und Bakterien.
Doch auch wenn theoretisch jeder einfach Tatortreiniger werden kann, ist der Job alles andere als einfach. Wer als Tatortreiniger arbeiten möchte, braucht starke Nerven und sollte psychisch und physisch absolut stabil sein. Es ist nicht leicht zu verarbeiten, dass in einer Wohnung alles auf die letzten Lebenszeichen des Toten hinweist.

Der Tod wiederum hinterlässt Gerüche und Spuren, die einen festen Magen erfordern. Eine gewissenhafte und gründliche Arbeitsweise ist hier unverzichtbar. Der Tatortreiniger hat oft Kontakt zu den Hinterbliebenen. Auch wenn der Tatortreiniger selbst versuchen muss, sich von der Situation nicht zu sehr bewegen zu lassen, ist es wichtig, den Hinterbliebenen immer empathisch und mit Respekt vor der Situation zu begegnen.
Quelle: Stellenanzeigen.de


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