Dienstag, 25. Februar 2020
Samstag, 15. Februar 2020

TORGAU

"Nicht wiederzuerkennen"

Sabine Ferl und Mario Geißler betreuen die „Vergiss-Mein-Nicht“-Demenzberatungsstelle in der K&S-Seniorenresidenz. „Es fließen auch oft Tränen“, sagen sie. Foto: SWB/J. Sachse

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Torgau. Es ist Teezeit. Der späte Nachmittag in der K&S-Seniorenresidenz bricht ab 17 Uhr an. Doch es wird noch nicht ruhiger, im Gegenteil.

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Teezeit. Der späte Nachmittag in der K&S-Seniorenresidenz bricht an. Doch es wird noch nicht ruhiger, im Gegenteil. Viele Bewohner bekommen jetzt Besuch von ihren Familienangehörigen, die von der Arbeit hierherkommen, um mit Mutter oder Großvater zu reden, sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. 

Manche von ihnen suchen auch die Pflegedienstleitung oder Einrichtungschefin Jacqueline Ulbrich auf, um ganz persönliche Anliegen loszuwerden. Zum einen oder anderen Gespräch ruft sie die Ergotherapeutin Sabine Ferl oder Mario Geißler, der gerontopsychiatrische Pflegekraft im Haus ist, dazu. „Die beiden betreuen unsere Demenz-Beratungsstelle „Vergiss-Mein-Nicht“ und informieren Angehörige nicht nur über die Krankheit ihrer Lieben, sondern nehmen sich ihre Sorgen im Umgang mit ihnen an“, erklärt Jacqueline Ulbrich. Der Bedarf, ein solches Angebot betreffend ist groß, schließlich steigt die Zahl der Demenzfälle und es werden auch in ihrer Einrichtung tendenziell immer mehr Bewohner mit fortgeschrittener Demenzerkrankung angemeldet. Man geht davon aus, dass in Deutschland circa 1,5 Millionen Menschen betroffen sind, was deren Angehörige vor große Herausforderungen stellt - besonders im Emotionalen. Sabine Ferl erlebt oft, dass jemand nicht damit umgehen kann, wie sich der Vater oder die Ehefrau plötzlich verändert oder schleichend „abdriftet“ und scheinbar alles vergisst, was das gemeinsame Leben einmal ausmachte. „Das ist schwer, vor allem, wenn man sich vorgenommen hatte, so lange es geht, selbst die Pflege zu übernehmen, im Idealfal sogar zu Hause. Aber auch unsere Kolleginnen und Kollegen hier sind oft gefordert, sich im Umgang mit den Bewohnern zu beobachten und ihn auch deren Krankheitsbildern anzupassen. Menschen mit Demenz agieren und reagieren anders als diesbezüglich unbelastete. Im Pflegealltag mit Zeitdruck und eingeschliffenen Routinen dann immer individuell Verständnis aufzubringen und Geduld mit den Senioren zu haben, ist schwierig.“ Deshalb haben sie und Mario Geißler vor einiger Zeit eine Möglichkeit zur internen Auffrischung wichtiger Grundsätze im Umgang mit ihnen gesucht. Auf Basis der bei K&S innerhalb der Unternehmensphilosophie verankerten Methoden des Sozialpsychologen Tom Kitwood entwickelten die beiden einen Methodenkoffer für Beratungen und Workshops. Dafür bekamen sie sogar den jährlich  durch die Unternehmensführung ausgelobten Innovationspreis. Anhand der sogenannten „Kitwood-Blume“ werden die Aspekte Bindung, Trost, Identität, Beschäftigung, Einbeziehung und Liebe mit und gegenüber den Erkrankten näher beleuchtet – er wird als Mensch mit einer sich entwickelnden Einschränkung, aber auch mit einer eigenen Persönlichkeit,  Vergangenheit und individuellen Grenzen ins Zentrum der Betreuung gesetzt. Dabei geht es, sowohl bei den Mitarbeitern des Heims wie auch im Gespräch mit den Familien nicht darum,  mit erhobenem Zeigefinger Fehler auszumerzen, sondern die Sensibilität für die neue Situation des Seniors zu stärken. Das „Vergiss mein nicht“-Büro in der Einrichtung verlassen die meisten mit einem „Aha“-Effekt und leichteren Schultern. Darum können sich auch Interessierte „von draußen“ gern für die kostenfreie Beratung anmelden, sagt Sabine Ferl. Perspektivisch wünschen sie und Mario Geißler sich die Möglichkeit, eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzpatienten zu gründen. Das Interesse daran sei auf jeden Fall gegeben, fügt Jacqueline Ulbrich hinzu.


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