Dienstag, 25. Februar 2020
Freitag, 14. Februar 2020

BELGERN-SCHILDAU

Pilze haben Hunger auf Döhner

Wie lange werden die Bäume im Döhner wohl noch stehen?Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern. Richtig zubereitet kann der Hallimasch für ein sättigendes Zufriedenheitsgefühl sorgen. Doch im Belgeraner Döhner hat sich der Baumschädling mit weiteren Pilzen zu einer unheimlichen Allianz verbündet. 

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Gemeinsam sorgen sie dafür, dass das kleine Waldareal zwischen Elbradweg und Schützenhaus derzeit eher einem Kriegsschauplatz ähnelt.

 

Sicherung

 

Seit dem Ende des vergangenen Jahres kreischen nämlich die Motorsägen. Mitarbeiter des Torgauer Baumdiensts Brion sind hier in enger Abstimmung mit Stadtverwaltung und Naturschutzbehörde im Gange. „Es handelt sich dabei um Sicherungsmaßnahmen entlang der Wege“, betonte Bürgermeisterin Eike Petzold noch während der jüngsten Stadtratssitzung. Doch sicher ist derzeit nur eins: Das Döhner-Areal verändert sich mit jedem gefällten Baum. Ob Linde, Erle, Esche – der Hallimasch ist nicht wählerisch. Lediglich von den Kastanien hält er sich derzeit noch fern. Wohlgemerkt noch. Denn niemand weiß, ob dieser Zustand von Dauer ist.

Von mächtigen Bäumen sind teilweise nur noch die hohlen Stumpen zu sehen. Hallimasch und  vor allem Phytophthora-Arten haben ganze Arbeit geleistet.  Ein Baumgutachter habe den Pilzbefall bestätigt, verwies Petzold nochmals auf die wegen des Totholzaufkommens eingeleiteten massiven Sicherungsmaßnahmen. „Die Pilze greifen einfach alles an“, sagte die Bürgermeisterin. Eine Neuaufforstung sei nach Ansicht des Baumgutachters daher nicht sinnvoll. Sein Vorschlag: Den noch vorhandenen Bestand freischneiden, dass sich einzelne Bäume – die bereits Bekanntschaft mit den Pilzen gemacht haben – möglicherweise doch noch gegen die Forstschädlinge durchsetzen und zu sogenannten Solitärbäumen werden.

 

Baum-Krise

 

Die Pilze haben im Döhner eine weitaus größere Baum-Krise angerichtet, als es vor Jahren noch die Miniermotten mit den Kastanien versuchten. „Hier haben wir das Problem in den Griff bekommen, indem wir regelmäßig das befallene Laub aus dem Döhner entfernen“, erläuterte Petzold im Gespräch mit der Torgauer Zeitung.

Wie und vor allem wann sich die aggressiven Pilze so massiv im Döhner ausbreiten konnten, ist nicht ganz klar. Vermutet wird, dass Pilzsporen mit den Elbhochwassern eingeschwemmt wurden. Im Döhner fanden sie beste Bedingungen vor und erwuchsen zu einem scheinbar unlösbaren Problem.

 

Keine chemische Bekämpfung

 

Die stattlichen Bäume, an denen hungrige Spechte wegen des Schädlingsbefalls schon regelrechte Muster in die Rinde hämmerten, haben es in Zeiten von Trockenstress und Schädlingsbefall nun mit einem Gegner zu tun, gegen den kein Kraut gewachsen scheint. Eine chemische Bekämpfung ist nicht möglich.

Dabei ist der Phytophtora-Befall keine Seltenheit. So meldet beispielsweise die Internetplattform waldwissen.net, dass bei einer bayernweiten Untersuchung von Buchenbeständen die typischen Symptome wie Stammnekrosen, Schleimfluss und Wurzelfäule in 54 von 57 untersuchten Beständen nachgewiesen worden seien. Der Pilz habe dabei von der Witterung der Jahre 2002 und 2003 profitiert. Die aufgefundenen Schädigungen seien zum Teil immens. Allerdings bestehe noch erheblicher Forschungsbedarf.

 

Alarmierend

 

Bereits vor zehn Jahren (17. Mai 2010) hatte die Süddeutsche Zeitung mit Verweis auf die Präsentation des bayerischen Waldzustandsberichts auf den aus Asien stammenden Pilz verwiesen. Obgleich die Behörden dem Einwanderer nur eine einzige Seite darin widmeten, seien Forstwissenschaftler in Italien, Spanien, Großbritannien, Frankreich, Polen und Schweden ziemlich sicher, dass eben jener Baumpilz die Ursache für den alarmierenden Zustand der Wälder in Europa sei. Befallene Bäume könnten kein Wasser mehr im Inneren transportieren und müssten verdursten. Jener Prozess könne sich über 10 bis 20 Jahre hinziehen.

Die Phytophthora verbreite sich fast seuchenartig vorwiegend über den Nässefluss im Boden. Bis zu 10 Jahre könne der Sporenpilz in völliger Trockenheit überleben, bevor er sein zerstörerisches Werk beginne.


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