Samstag, 4. April 2020
Donnerstag, 20. Februar 2020

TORGAU

"24/7 - und sogar nachts!"

„Der Großteil unserer Zeit gehört den Angehörigen.“, sagt Claus Höfner (rechts). Foto: SWB/J. Sachse

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Torgau. Ein Bestatterwitz mit 100 Prozent Wahrheitsgehalt - den findet man bei Höfner Bestattungen. Auch um 21 Uhr ist an Feierabend nicht zu denken.

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Humor ist eine wunderbare Eigenschaft, denn er gestattet uns, auch in schweren Zeiten den Mut nicht zu verlieren. Claus Höfner ist ein lebensfroher Mensch und schafft seit Anfang der 90er-Jahre Hinterbliebenen gegenüber den Spagat zwischen respektvoller Trauerbegleitung und ermunterndem Lächeln.  Dabei war er eigentlich „nur“ als Buchhalter für seinen Vorgänger gekommen. Dass er schon bald beschließen würde, sich ernsthaft zum Bestatter ausbilden und entsprechend prüfen zu lassen, davon träumte er anfangs nicht einmal. Aber noch heute steht er hinter dem Beweggrund für diese Entscheidung: „Im Bestattungswesen gehört einfach alles irgendwie zusammen. ‚Nur‘ die Buchungen und die Papiere zu kontrollieren, reicht mir einfach nicht. Und das, obwohl ich eigentlich ein leidenschaftlicher Schreibtisch-Täter bin“, gesteht er.

Schon 1995 habe er begonnen, viel Zeit im Krankenhaus zu verbringen, um selbst die Betten der Verstorbenen in die Pathologie zu schieben, wie er sagt. Bis heute klingelt auch schon mal nachts das Telefon und er fährt hinaus in die Klinik, um den Schwestern das Umlagern eines Patienten abzunehmen, der seine Erkrankung und die Nacht nicht überlebt hat. Eine Erleichterung für das Klinikpersonal, die er gern angenommen hat, schließlich seien die Schwestern und Pfleger  für sie da gewesen, so lange sie lebten – jetzt kümmere er sich eben um sie, sobald der Arzt den Totenschein ausgefüllt habe.  

Insgesamt – und das mag angesichts der Berufsbezeichnung irritieren – nimmt die Arbeit rund um den Verstorbenen, also beispielsweise die Abholung, das Herrichten für die Beisetzung, die Abholung der Urne und die Vorbereitungen auf dem Friedhof, nur 15 Prozent des gesamten Pensums in Anspruch, erklärt Claus Höfner. Der Rest finde sich in den Gesprächen mit den Angehörigen wieder, in der Unterstützung, die er und seine Mitarbeiter in Sachen Abmeldungen, Witwenrentenanträge und andere vor allem behördliche Notwendigkeiten ihnen zuteilwerden lassen. Denn das sei es, womit man sich in den schweren ersten Zeiten nach dem Tod eines geliebten Menschen oftmals allein fühle. So telefoniert Höfner mit Krankenkassen, kommuniziert mit Mobilfunkanbietern, informiert die Post – und noch weitaus mehr.

Saß er nachmittags noch mit einer Familie bei frisch gebrühtem Kaffee und ließ sich neben Anhaltspunkten zur Familiengeschichte auch die eine oder andere illustre Anekdote zum Verstorbenen erzählen, so feilt er spät abends und oft sogar bis tief in die Nacht hinein an der passenden Trauerrede. Ein sensibles Thema, die letzten Abschiedsworte stellvertretend für die Trauergemeinde zu formulieren. Fast 30 Jahre Erfahrung haben ihn dafür geschult, zur richtigen Zeit einen Moment der Stille zuzulassen und an anderer Stelle vielleicht einen liebevollen kleinen Scherz zu verstecken. In der Nacht ist es um ihn herum ruhig, die Gedanken sind dann ganz bei der jeweiligen Familie. Bis ihm dann doch die Augen zufallen möchten.

In anderen Nächten braucht er nach der Heimkehr von einem Einsatz auch mal eine Stunde „Flimmerkiste“, um auf andere Gedanken zu kommen, bevor an Schlaf auch nur zu denken ist. Dabei habe er sich angewöhnt, so konzentriert auf seine Aufgabe, beispielsweise am Ort eines tödlichen Unfalls, zu sein, dass er im Nachhinein nicht mal mehr sagen könnte, welche Farbe das Unglücksfahrzeug hatte. Darum gehe es auch gar nicht, diese Information ist auch für niemanden, dem der Verunglückte wichtig war, in diesem Moment von Bedeutung. Es zähle einzig, sich um ihn zu kümmern. Auch, wenn er selbst das nicht mehr merkt. 

Wie hält man so etwas aus? Er ziehe seine Kraft vor allem aus den spontanen Danksagungen der Angehörigen, denen sein Unternehmen helfen konnte. Die freundlichen Worte darüber, wie er Sorge dafür trug, ihrem Vati, der Schwester oder dem Kind einen Abschied in Liebe und Würde zu ermöglichen. Und das 24 Stunden an sieben Wochentagen.


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