Sonntag, 5. April 2020
Samstag, 29. Februar 2020

TORGAU

In der Hitze der Nacht

Der Arbeitsbereich von Schwester Simone und Pfleger Mike: Der Schockraum der Rettungsstelle des Kreiskrankenhauses Torgau Johann Kentmann gGmbH. Foto: SWB/H. Landschreiber

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Torgau. Alle Antennen stehen auf Bereitschaft in der Rettungsstelle im Torgauer Krankenhaus "Johann Kentmann". Die Nachtschicht startet ab 5 Uhr in die letzte Runde.

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Fünf Uhr morgens. Während für die meisten Zeitgenossen der Tag langsam erwacht, geht es für die Mitarbeiter in der Nachtschicht in der Rettungsstelle des Kreiskrankenhauses Torgau in die letzte Runde, bevor die Frühschicht übernimmt. Rückblende. Im Jahr 1992 wurde die Rettungsstelle des Kreiskrankenhauses als wichtiger Baustein der Daseinsfürsorge des ländlichen Raums und nicht zuletzt als ein wichtiger Teil der medizinischen Infrastruktur des Landkreises Nordsachsen ins Leben gerufen. Über die Kreisgrenzen, besonders bis nach Sachsen-Anhalt, hinaus. Seit 1995 versehen die leitende Schwester Simone und Pfleger Mike  in der Rettungsstelle ihren Dienst. „Wir sind die Dienstältesten in unserem Team, haben im Laufe der Jahre viel erlebt“, geben die erfahrenen Mitarbeiter schmunzelnd zu verstehen. „Jeder Dienst ist anders, weil wir nicht wissen, was auf uns während der Schicht zukommt. Von einem Moment auf den nächsten kann sich alles ändern. In der nächsten Minute kann es hektisch werden“, erklären sie im Gleichklang. „Es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt.“ Arbeitsabläufe im Wortsinn lassen sich nicht planen, weil keiner wirklich weiß, was passiert. Hin und wieder erfolgt die Einlieferung der Patienten im Minutentakt. Dabei geht es weniger um die Reihenfolge, sondern vielmehr um die Dringlichkeit der Fälle. Notfälle gehen vor. Vom Kind bis zum Senior – jede Altersklasse kann betroffen sein. Mitunter kann bis 5 Uhr morgens eine turbulente Nachtschicht hinter den diensthabenden Pflegern und Ärzten liegen. Neben der stationären Aufnahme von Patienten, werden Arbeits- und mögliche Autounfälle sowie Schmerzpatienten versorgt. Herzinfarkte werden häufiger zwischen drei und fünf Uhr morgens mit dem Rettungswagen eingeliefert. Dann zählt jede Sekunde für die Erstversorgung der Patienten. Konzentration, Professionalität und Routine sind gefragt: Die Abläufe entscheiden mitunter über Leben oder Tod. Neben den gesammelten Erfahrungen ist ein gerüttelt Maß an Handlungsschnelligkeit gefragt. Jeder Diensthabende weiß dann, was zu tun ist. Zu möglichen Notfällen gehören auch alkoholisierte oder unter Drogen stehende Nachtschwärmer, denen unterwegs dieses oder jenes zugestoßen ist. „Besonders die großen Musik-Festivals in Torgau wie das In-Flammen oder Endless Summer sorgten für ein erhöhtes Patientenaufkommen. Manche sind uns gegenüber regelrecht aggressiv. Aber das ist eher die Ausnahme. Ein Dankeschön gibt es allerdings selten.“ Und dann gibt es Leute, die denken, wenn sie mit ihren Wehwehchen in die Rettungsstelle gehen, ersparen sie sich lange Wartezeiten beim Hausarzt. Für den Pfleger der Nachtschicht fällt auch ein Berg Verwaltungsarbeit an. Neben der Dokumentation der eingehenden Fälle in der stationären Aufnahme werden auch mögliche Geburten der Nacht dokumentiert.  Ab 5 Uhr erfolgen die Raumdesinfektion und die Materialbestellung, ebenfalls werden aber auch die Sprechstunden der einzelnen Abteilungen vorbereitet, die ab 7 Uhr ihren Dienst aufnehmen und Patienten mit ihren Anliegen versorgen.   Um 6 Uhr erfolgt die Übergabe des Nachtdienstes an die Frühschicht, nehmen die Mitarbeiter in der Küche ihren Dienst auf. Dann kann mitunter auch die Zeit für eine Tasse Kaffee sein. Geschafft. Pfleger Mike hat Feierabend. „Danach den Schalter umzulegen und einfach nach Hause zu fahren, gelingt nicht immer. Man benötigt ein dickes Fell. Als Ausgleich arbeite ich auf meinem Grundstück und im Garten, beschäftige mich mit meinen Tieren.“ Ein Anruf unterbricht das Gespräch mit dem SWB-Redakteur: „Ja, Frau R. geht es gut“, sagt Pfleger Mike mit gedämpfter Stimme. Danach ist aber wirklich Feierabend. Bis zur nächsten Schicht.


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