Samstag, 28. März 2020
Dienstag, 25. Februar 2020

TORGAU

Petrijünger können seit diese Woche endlich wieder hoffen

Monatelang war die Alte Elbe Döbern ausgetrocknet. Diese Aufnahme stammt von gestern Vormittag und zeigt das frei liegende Flussbett. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Döbern. Neuer Optimismus bei den Anglern in Döbern und Region. Seit diese Woche läuft wieder Wasser in die Alte Elbe, nachdem die Grube über Monate fast völlig ausgetrocknet war.

 

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Döbern. Viele Monate haben die Angler aus Döbern und Region auf diesen Moment gewartet. Seit der Nacht zum Dienstag läuft endlich wieder Wasser in die Alte Elbe. Es sprudelt munter hervor aus dem Rohr, das die Brücke mit dem Elberadweg durchquert. 

 

Februar zeigt Wirkung 

„Bis jetzt hat es gedauert, bis die Menge ausreichte. Denn der Schwarze Graben und die Weinske waren zuletzt relativ leer. Aber der Regen im Februar zeigte seine Wirkung. Es sind doch alles in allem über 80 Liter pro Quadratmeter gefallen. Das war heftig“, freut sich Rolf Wilsdorf, Vorsitzender des Anglervereins. 

Insgesamt haben die Petrijünger immer noch am Niederschlagsdefizit der vergangenen beiden Jahre zu knabbern. Überhaupt ist es schon ziemlich ungewöhnlich, dass sich die Grube im Winter so derart trocken präsentiert. Größtenteils liegen Kies und Schlamm völlig frei. Nicht mal Pfützen sind im nördlichen Bereich des alten Elbarms zu sehen. 

Allerdings ist nicht nur die Natur allein schuld daran. Im Herbst haben die Angler absichtlich den Zulauf verhindert, um endlich eine Baumaßnahme durchführen zu können, um die sie lange gekämpft haben. „Wir bekamen vom Landratsamt die Genehmigung, ein paar Stellen auszubaggern und damit Rückzugsräume für Fische zu schaffen. Hierhin sollen sich die Tiere flüchten, wenn es im nächsten Sommer wieder eine extreme Dürre-Periode gibt“, beschreibt Rolf Wilsdorf das Ziel. 

Konkret haben die Angler zwei Rückzugsgebiete geschaffen. Eines in Höhe des Agrarbetriebes Elbeland AG. Es ist zirka 30 mal 5 Meter breit und 60 bis 80 Zentimeter tief. Das andere befindet sich in Höhe der Firma Weiß am Dorfende, etwa 10 mal 10 Meter breit und knapp 100 Zentimeter tief. „Dort konnten wir aus technischen Gründen nicht weiter baggern. Das tonnenschwere Gerät wäre im Sand versunken. Wir mussten die Aktion abbrechen“, ärgert sich der Vereinschef. 

 

Langarm-Bagger 

Den speziellen Langarm-Bagger hatte der Anglerverband Leipzig über eine Firma organisiert.  Wir sind zwar sehr zufrieden, dass wir die Erlaubnis endlich erhielten. Aber letztendlich stehen die Kosten für die Anfahrt des Gerätes und für das Baggern selbst in keinem Verhältnis“, macht Rolf Wilsdorf deutlich. Ein mittlerer vierstelliger Betrag musste entrichtet werden. Aber es sei das erste Mal überhaupt nach der Wende gewesen, dass es eine Genehmigung durch die Behörde gab, fasste der Döberner zusammen. Die beiden Rückzugsgebiete sind inzwischen schon mit Wasser gefüllt – offensichtlich ist der Grundwasserspiegel durch den höheren Pegel der Elbe ordentlich gestiegen, schätzt Wilsdorf ein. Er glaubt indes nicht, dass der Anglerverband Leipzig gleich wieder Fischbesatz zuführt. Man wird wohl aus den Erfahrungen des vergangenen Sommers heraus das Jahr abwarten, um nicht erneut ein Fiasko zu erleben. 

Glücklicherweise hielt sich der Verlust dennoch in Grenzen. Ein Teil der neu eingesetzten Fische wurde gefangen. Den Rest des Besatzes konnte man kurz vor dem Austrocknen in die Elbe und in andere Gewässer umsetzen. „Ein großes Fischsterben hat es diesmal nicht gegeben. Das war 2015 anders“, erinnert der Anglerchef an die dramatische Situation in jenem Sommer. Damals trocknete die Grube zum ersten Mal nach 1976 gänzlich aus. „Man kann sich vorstellen, was da verloren ging. Das war schon eine andere Dimension“, sagt Rolf Wilsdorf. Damals mussten die Angler mehrere Tage lang mit Watstiefel Fisch-Kadaver bergen. Auch überregionale Zeitungen und sogar das Fernsehen berichteten über den Totalverlust, den man in knapp 40 Jahren so noch nie erleben musste.

 

Kein Angelverbot 

 Inzwischen haben sich viele Spaziergänger an den Anblick einer ausgetrockneten Alten Elbe Döbern gewöhnt. 

Sollte sich das Gewässer in den nächsten Wochen füllen, dürfte sich die Grube rasch regenerieren. „Ein bestimmter Weißfisch-Besatz wird über den Schwarzen Graben mit eingebracht und wird sich über die kommenden zwei Jahre schnell entwickeln. Dann folgen die Hechte“, so der Vereinschef. Ein Angelverbot werde man nicht wieder aussprechen. „Es kann jeder sein Glück versuchen. Aber man wird ohnehin nicht viel fangen“, lächelt Wilsdorf. Ansonsten hofft er, dass es nun zur Abwechslung mal einen normalen Sommer mit normalen Niederschlägen gibt.


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