Sonntag, 5. April 2020
Donnerstag, 5. März 2020

MOCKREHNA

Den Bürgermeister-Kandidaten auf den Zahn gefühlt

Sandro Oschkinat, Peter Klepel und Michael Busse (v.l.n.r.).Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Mockrehna. Der Wahltalk der Torgauer Zeitung in Mockrehna lockte am Mittwochabend reichlich Besucher. Gut, dass es bei den 200 Gästen den Umzug von der Feuerwehr in den Veranstaltungs- und Schulungsraum der Firma Gräfendorfer gab. 

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Gern würde Helena Seifert (30) am 15. März ihr Kreuzchen hinter einen der drei Namen der Mockrehnaer Bürgermeisterkandidaten setzen. Doch ihr Gang zum Einwohnermeldeamt machte die aus Leipzig Zugezogene vorerst nur zur Einwohnerin. Das Bürgerrecht, an ihrem neuen Hauptwohnort wählen gehen zu dürfen, muss sie sich erst einmal „erwohnen“. Trotzdem zeigte die neue Leiterin der Audenhainer Kindertagesstätte, die mit weiteren Kolleginnen am Mittwoch zum TZ-Wahltalk kam, großes Interesse an der Vorstellungsrunde von Peter Klepel (parteilos), Sandro Oschkinat (Spektrum aufrechter Demokraten) und Michael Busse (Freie Wählergemeinschaft Torgau-Oschatz).

Nach Schätzung von Hausherr Christian Borchers, selbst CDU-Ortschaftsrat in Mockrehna, ließen sich gut 200 Gäste die Chance nicht entgehen, Ansichten und Meinungen des Kandidatentrios im direkten Vergleich präsentiert zu bekommen. Selbst „alte Hasen“ wie Joachim Kuhrig, der ehemalige Bürgermeister Audenhains (1990 bis 1994), und Konrad Rülke (ehemaliger Bürgermeister Mockrehnas 1990 bis 2006) hatten sich frühzeitig ihre Plätze gesichert. Dazwischen platziert der Audenhainer Fleischermeister Bernd Schaller.  Allen drei schon vor dem Frage-Antwort-Spiel gemein: „Wir wissen, wen wir wählen.“ Und schon hatte der Weidenhainer FWG-Kandidat Michael Busse die ersten drei Punkte auf seiner Seite. „Ich glaube, dass zwei Legislaturperioden als Bürgermeister ausreichen“, sagte Bernd Schaller. Der Name Klepel fiel nicht direkt. Musste er auch nicht. Trotz ihres klaren Favoriten glaubt der Seniorendreier an einen zweiten Wahlgang.

Gut vorbereitet habe sich Michael Busse unter anderem bei Vorgesprächen mit dem Gräfendorfer beziehungsweise Mockrehnaer Unternehmer-Ehepaar Bianca Prautzsch-Lemm und Maik Prautzsch gezeigt. Doch nach dem 90-minütigem Wahltalk runzelte Maik Prautzsch ein wenig die Stirn. Da hätte sich sein Favorit ein wenig besser verkaufen können. Warum? „Ich fand, Herr Busse hat sich zu oft mit seinen Blicken an TZ-Chefredakteur und Moderator Sebastian Stöber festgeklammert und weniger das Publikum mitgenommen“, resümierte Prautzsch. Dieser zeigte sich überrascht, dass der anfangs noch als Außenseiter geltende Sandro Oschkinat derart gut „ins Laufen“ kam und hier und da sogar den Applaus auf seiner Seite hatte.

 

Munitionslager Strelln

 

Dabei muss eingeschätzt werden, dass alle drei Kandidaten mindestens eine gute Vorstellung abgegeben haben. Der Vorteil Peter Klepels, bestens über die Entwicklungen in seiner Kommune Bescheid zu wissen, gereichte ihm jedoch mit Blick aufs ehemalige Munitionslager in Strelln schon wieder zum Nachteil. Denn öffentlich über etwas zu sprechen, was noch gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht ist, ist schwierig. Während Oschkinat der Forderung nach einem öffentlichen Zugang zur Anlage für die Bürger mehrfach Nachdruck verlieh, ließ Klepel nur so viel durchblicken, als dass er davon ausgeht, dass wohl schon im nächsten Jahr Leben hier einziehen werde. „Es gibt viele guten Interessenten“, ließ der amtierende Bürgermeister wissen.  Michael Busse räumte als Weidenhainer ein, das Objekt noch nicht in Augenschein genommen zu haben und ersparte sich so eine Eierei. Gleichwohl machte er deutlich, dass natürlich auch die Gemeinde bei der Schaffung einer dort notwendigen Infrastruktur planungstechnisch mit im Boot sein müsse.

 

Führungsstil

 

Von der Bundeswehr war es nicht weit zum Thema Führungsstil. Während Peter Klepel und Michael Busse („ohne die Unterstützung der Verwaltung ist der Bürgermeister nichts“) großen Wert darauf legten, als Bürgermeister Entscheidungen durch Abstimmverhalten herbeizuführen, wobei auch ruhig einmal geflachst werden dürfe (Klepel), gibt Oschkinat lieber die Richtung vor. „Ich wäre autoritär“, sagte er. „Wenn ich von etwas überzeugt bin, setze ich meinen Stil durch.“ Auf jeden Fall wäre er energischer als es Peter Klepel bislang sei. Vieles werde seiner Meinung nach nur kaputtgeredet.

 

Wirtschaft

 

Kaputt ist die Kommune bezüglich ihrer Wirtschaft keineswegs. Michael Busse sieht bei der Verzahnung der Unternehmer trotzdem noch Luft nach oben. Dadurch könnten Synergien erzielt werden. Peter Klepel gab an, ständig in Kontakt mit den Unternehmern zu stehen, denn nach außen repräsentiere nun einmal der Bürgermeister die Verwaltung. Und dieser habe in den vergangenen Jahren vieles angeschoben. Sechs bis sieben Großprojekte stünden an, unter anderem der Bau der Tagespflege mit Arztstation in Audenhain.

Oschkinat verbindet Wirtschaftspolitik mit dem Kampf um den Status Grundzentrum. „Mockrehna wäre ideal.“ Niemand könne ihm erklären, warum dies nicht so sein soll. „Da muss ein Bürgermeister auch mal unsympathisch werden“, blickte er auf den neben ihm stehenden Amtsinhaber. Er wäre in dieser Frage hartnäckiger als der ansonsten sehr sympathische Peter Klepel.

Persönlich angesprochen, ließ Klepel wissen, dass die Entscheidungsphase Ende des Jahres wohl zum Abschluss komme. Konkurrenten sind Beilrode, Belgern und Dommitzsch. Nachdem Mockrehna in der ersten Runde rausgeflogen sei, habe es zahlreiche Diskussionen und Schreiben gegeben. Doch die Kommune entwickele sich auch auf Grund der verkehrsgünstigen Lage angeblich zu gut, um politisch als Grundzentrum – was bei verschiedenen Verwaltungsakten Vorteile bietet – gestützt werden zu müssen. Gleichwohl behalte man sich vor, in Abstimmung mit dem Gemeinderat den Klageweg zu beschreiten.

Als noch amtierender Amtsleiter der Kämmerei in Dommitzsch übte sich Michael Busse in diesem Punkt in Diplomatie: Alle vier Kommunen hätten den Status verdient, zumal die gesamte Region nicht von Wirtschaftskraft beseelt sei.

 

Medizinische Versorgung

 

Während die einen nach Wegen Suchen, um die Wirtschaft zu stärken, suchen andere händeringend nach Hausärzten. Hier sei von Seiten der Gemeinde die große Chance vergeben worden, das mittlerweile an privat verkaufte ehemalige Amt für Landwirtschaft in Mockrehna zu einem Ärztehaus zu entwickeln, betonte Sandro Oschkinat. Er war von der Idee und dem Engagement Rosel Müller-Süptitz schon als Gemeinderat begeistert. Genau hier hätte der Bürgermeister mit Autorität etwas bewegen müssen, fand Oschkinat. Sobald man Ärzten in Mockrehna faire Bedingungen bieten könne, würden sich auch Ärzte hier ansiedeln.

In den Augen Michael Busses befindet sich Mockrehna in Sachen Hausarzt in einer misslichen Lage. Daher würde er sich als Bürgermeister auch „zu einem Vorreiter aufschwingen“, um verschlossene Türen bei der Kassenärztlichen Vereinigung einzurennen. Auch sein Vorschlag: Errichtung eines Ärztehauses (Was bereits im vergangenen Jahr im Gemeinderat thematisiert wurde. Damals Bernhard Wagner: „Zur Not müssen wir auch ohne Fördermittel bauen“, Anm.d. Red.). Im Ärztehaus könnten neben einem Hausarzt dann auch ein Zahnarzt und eventuell auch eine Apotheke Einzug halten.

„Wir haben in diesem Punkt nicht geschlafen“, hielt Peter Klepel dagegen. Rosel Müller-Süptitz habe eine großartige Sache angeschoben. Trotzdem biete Mockrehna in „naher Zukunft“ noch reichlich Platz für ein Ärztehaus. Zwei Hausärzte, ein Zahnarzt, eventuell noch weitere Ärzte. Zuletzt seien vier Mediziner aus Honduras vor Ort vorstellig geworden. Weitere Gespräche stünden an.

 

Vereine

 

Wer hätte gedacht, dass sich die Kandidaten in diesem Punkt derart stark in ihren Ansichten unterscheiden. Während Peter Klepel die im vergangenen Jahr das erste Mal über die jeweiligen Ortschaftsräte ausgereichte Pro-Kopf-Pauschale in Höhe von 1 Euro lobte, für den kommenden Haushalt gar eine Verdoppelung in Aussicht stellte, verwies Michael Busse auf die guten Erfahrungen in Dreiheide. Dort gebe es pro Vereinsmitglied eine Pauschale von 4,50. „Wer etwas in der Gemeinde macht, soll auch etwas bekommen“, sagte Busse. Für Mockrehna sollte so etwas kein Problem sein. Für Sandro Oschkinat aber schon: „Ich bin komplett gegen eine finanzielle Unterstützung.“ Da müsse man sich eingestehen, dass sich Vereine selbst über Wasser halten müssten. An eine finanzielle Unterstützung würden sich Vereine viel zu schnell gewöhnen. „Gebt den Vereinen entsprechende Räumlichkeiten. Um den Rest kümmern sie sich selbst.“

 

Rückkauf Blöcke?

 

Der von Sandro Oschkinat im Wahlkampf vorgeschlagene Rückkauf der Wohnblöcke in Mockrehna nahm Langenreichenbachs Ortsvorsteher Detlef Bölke auf, um damit noch einmal das Kandidatentrio zu konfrontieren. Oschkinat verteidigte seinen Vorschlag. Die Gemeinde verfüge über einen guten Haushalt. Vieles scheint in Ordnung zu sein. „Doch die Realität sieht anders aus.“ Einst habe in den Blöcken noch Recht und Ordnung geherrscht. Davon sei auf Grund des Zuzugs von Sinti und Roma nichts mehr zu spüren. „Diese Realität möchte ich nicht. Entweder benehmen sich die Mieter oder sie gehen.“ Die Gemeinde könne durch einen Rückkauf der Objekte Einfluss darauf nehmen.

Michael Busse betrachtet einen Rückkauf als finanziell schwierig. Sei dieser doch gewiss mit einer Kreditaufnahme verbunden. An der Mieterstruktur in den Objekten werde sich trotzdem nicht viel ändern. „Wir können doch nicht alle Mieter mit einem Mal rausschmeißen.“ Peter Klepel zögerte mit einer klaren Position auch nach mehrfachen Nachfragen noch deutlicher. „Ich kann dazu heute weder ja noch nein sagen“, meinte er.

 

Darüber hinaus wurden noch viele weitere Themen angesprochen, so zum Beispiel die Frage nach der Notwendigkeit, die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde durch notwendige Investitionen wieder nach oben zu treiben, ob es gelingen könne, den Bahnhof vom Schandfleck-Image zu befreien oder auch die Bestrebungen in Klitzschen, dort wieder einen S-Bahnhalt einzurichten. Dazu mehr in Kürze.


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