Sonntag, 5. April 2020
Montag, 9. März 2020

TORGAU

Bremst die Deutsche Bahn den Hafen Torgau aus?

Lediglich Privatbahnen nutzen bislang die teuer sanierte Hafenbahn in Torgau. Foto: Archiv

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Die Deutsche Bahn AG verzichtet bislang noch darauf, den für 18,6 Millionen Euro neu sanierten Hafen Torgau in sein Bedienkonzept aufzunehmen und erntet damit scharfe Kritik von Seiten der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH. 

 

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Torgau. Zwischen Deutscher Bahn und Hafengesellschaft ist ein offener Streit entbrannt, was den Standort Torgau betriff. Heiko Loroff, Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH, hat der Bahn im TZ-Interview vorgeworfen, die Entwicklung des Torgauer Hafens zu bremsen. Bis heute suche man eine „Güterverkehrsstelle Hafen Torgau“ im Angebotsnetz der DB Cargo vergeblich. 

Trotz Zusage 

„Das bedeutet, dass jeder, der bei der DB Cargo eine Anfrage zum Transport nach Torgau stellt, eine abschlägige Antwort erhält, da es für die DB den Hafen Torgau faktisch gar nicht gibt“, übt Heiko Loroff scharfe Kritik am Verhalten der Bahn. Dabei hätte man noch im Frühjahr 2019 eine feste Zusage gehabt, dass die Güterverkehrsstelle bis  30. Juni 2019 wieder überregional ausgewiesen wird. Für die SBO mit Sitz in Dresden – die in Torgau endlich wieder einen florierenden Hafen etablieren möchte – ein riesiges Problem. 

„Wir können bisher  leider nur mit  privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) agieren“, so der Geschäftsführer sauer. Die Holz-Transporte – die in den letzten Wochen über die Hafenbahn rollten und in Torgau für Aufsehen sorgten, wurden auf diese Art und Weise abgewickelt. Die Deutsche Bahn AG wiederum – von der Torgauer Zeitung mit den Vorwürfen konfrontiert – rechtfertigt ihre Position. „DB Cargo hat im vergangenen Jahr mit zahlreichen Firmen im Umkreis von Torgau über eine Verladung über die Güterverkehrsstelle im Hafen gesprochen. Damals waren nicht genügend Mengen vorhanden. Zudem stand DB Cargo auch mit Vertretern des Hafens im Austausch“, schreibt Holger Auferkamp, Pressesprecher der Deutschen Bahn AG für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.  

Erstmal beobachten 

Als Bremsklotz sieht sich der Konzern nicht. DB Cargo beobachte derzeit mit großem Interesse die weitere Mengenentwicklung des Hafens und sei weiterhin in Gesprächen mit potentiellen Kunden. Holger Auferkamp: „DB Cargo kann kurzfristig den Hafen Torgau in das Bedienkonzept aufnehmen.“ Grundsätzliche Reibungspunkte mit der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH sehe er nicht. Zu den Häfen Dresden und Riesa lasse sich sagen, dass die Zusammenarbeit mit den dort ansässigen Kunden gut funktioniert. Detaillierter geht Auferkamp nicht auf die Gründe ein, warum die Bahn die Güterverkehrsstelle Hafen Torgau nicht ausweist. Heiko Loroff wiederum kommentierte das Statement bissig. „Dass die DB schnell reagieren könnte, ist uns neu, aber wir freuen uns über die Aussage und werden die DB beim Wort nehmen“, schrieb er. 

Politik schaltet sich ein 

Indes hat sich auch Marian Wendt, CDU-Bundestagsabgeordneter, eingeschaltet. „Die Investitionen in den Torgauer Hafen halte ich weiterhin für richtig und wichtig! Unser Ziel ist es, mehr (Güter-)Verkehr von der Straße hin zu Schiene und Fluss zu verlagern. Dazu braucht es effiziente Umschlagplätze“, betonte er. „Der Hafen Torgau mit seinen Anschlüssen an Bundesstraßen, die Elbe und die ausgebaute Bahnstrecke Halle-Eilenburg-Falkenberg-Horka (deutsch-polnische Grenze) bietet nach der Sanierung beste Voraussetzungen. Die Investitionen waren auch ein Signal für Nordsachsen, dass der Staat die notwendige Infrastruktur schafft, damit die Wirtschaft sich weiter entwickeln kann. Jetzt müssen alle an einem Strang ziehen, damit möglichst viele Unternehmen unserer Region dieses Angebot nutzen“, appelliert er sowohl an die Bahn als auch an den Hafenbetreiber. 

Der TZ-Artikel zur Blockadehaltung durch die DB Cargo habe ihn sehr verwundert. Es sollte doch auch Ziel der Deutschen Bahn, allen voran des neuen Vorstandsmitglieds Dr. Sigrid Nikutta, sein, mehr Güter auf der Schiene zu befördern. Daher habe er sich noch einmal direkt an die Deutsche Bahn gewandt und um Aufklärung gebeten, so Marian  Wendt.

Steuergelder 

Der Bundestagsabgeordnete räumte ein, dass wohl finanzielle Zwänge den Ausschlag geben. DB Cargo müsse wirtschaftlich arbeiten. Im Sinne der Steuerzahler sei dies natürlich sinnvoll. „Für die Aufrechterhaltung oder Aufnahme einer Güterverkehrsstelle in das Güterverkehrsstellenverzeichnis der DB Cargo ist ein regelmäßiges Transportaufkommen notwendig. Nur dann können die für die Erbringung der Transportleistungen notwendigen Ressourcen (zum Beispiel eine Rangierlok, Lokführer) vorgehalten werden“, wies Marian Wendt auf Kostenpunkte hin. 

Nichts desto trotz werde er für die Aufnahme des Hafens Torgau in das Güterbahnnetz der DB kämpfen.


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