Samstag, 28. März 2020
Dienstag, 10. März 2020

TORGAU

Unterwegs mit Rumäniens letzten Hirten

Am kommenden Freitag, 13. März, 20 Uhr ist proiect brânza im Kino der Kulturbastion zu sehen. Im Anschluss an den Film wird Uwe Fischer Fragen der Zuschauer beantworten. Foto: Privat

Von unserem Redakteur

Torgau. In den letzten fünf Jahren begleitete Uwe Fischer regelmäßig wandernde rumänische Schäfer und lernte dort die Faszination der Transhumanz kennen.

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Was kommt heraus, wenn sich ein Hobby-Filmemacher mit Kamera, Mikrofon und einer Extra-Portion Neugierde ins rumänische Hochgebirge begibt und dort die Hirten nicht nur bei ihrer täglichen Arbeit, sondern auch bei ihrer Reise zwischen den hunderten über einhundert Kilometer entfernten Weiden begleitet? Die Antwort hört auf den Namen „proiect brânza“ und ist am kommenden Freitag, 13. März, 20 Uhr im Kino der Kulturbastion zu sehen. Der 90-minütige Dokumentarfilm wurde von Hobbyfilmemacher Uwe Fischer produziert, der von Beruf eigentlich Veranstalter von Motorrad-Reisen ist, und sich zwischen 2015 und 2020 regelmäßig in Rumänien aufhielt und dort eine Hirtenfamilie begleitete. Die TZ sprach mit Fischer über die so genannte Transhumanz, das Leben im rumänischen Hochgebirge und die Herausforderungen, denen sich die Schäfer dort tagtäglich stellen müssen.

Uwe Fischer

TZ: Das große Thema Ihres Dokumentarfilms ist die so genannte Transhumanz. Vielleicht können Sie noch einmal in zwei kurzen Sätzen dieses Wort erklären.
U. Fischer:
Die Transhumanz lässt sich mit Wanderweidewirtschaft oder Fernweidewirtschaft übersetzen und bezeichnet eine Form der Tierhaltung, bei der Schafe, Ziegen oder Rinder auf Grund klimatischer Verhältnisse zwischen Sommer- und Winterweide wandern müssen. Das gibt es nicht nur in Rumänien, sondern überall dort, wo Herdentiere den Sommer über in hohen Gebirgslagen gehalten werden.

Wie kann man sich diese Transhumanz in Ihrem konkreten Fall vorstellen?
Die von mir begleitete Hirten-Familie betreibt, neben ihrem Hof am Fuß des Parâng-Gebirges, zwei Lager. Eins oben in den Bergen für den Sommer und das andere tiefer gelegen, in dem die Schafe von Oktober bis Juni gehalten werden, je nach Wetterlage. Bei wärmeren Temperaturen, wenn die Hochlagen schneefrei sind, findet man im Sommerlager würzige Kräuter vor, was für eine optimale Entwicklung der Schafe sorgt. Allerdings wird es dort im Winter nicht nur bitterkalt, sondern vor allem auch extrem schneereich. Und so muss nach einer Saison eine Strecke von über 120 Kilometern bis in das andere Lager zurückgelegt werden. Und das wohlgemerkt mit rund 500 Schafen.

Wie sind Sie denn auf die Transhumanz und damit auch die von Ihnen begleitete Familie gestoßen?
Ich habe im Rahmen meiner Motorrad-Touren immer wieder Abstecher nach Rumänien gemacht und bin auf der, heute so genannten Transalpina immer wieder an dem Sommerlager vorbeigefahren. Jedes Mal habe ich dort angehalten und ein Schwätzchen mit den Hirten gehalten. Auch wenn ich dabei nur einen ganz kleinen Ausschnitt dieser Weidewirtschaft mitbekommen habe, hat es mich doch sehr fasziniert und interessiert und so beschloss ich, das Ganze mit meiner Kamera zu begleiten, um dieses einfache Leben hierzulande zeigen zu können, in unserem komfortablen Deutschland.

Und dann haben Sie Ihren Beruf ein Jahr ausgesetzt und haben die Hirten solange begleitet?
Nein, so war es nicht. Ich mache das ganze ja nur hobbymäßig und habe zuhause nicht nur Job, sondern auch Familie. Ich war in den letzten fünf Jahren ganze elf Mal dort zu Besuch und habe dabei in meinen ein- bis zweiwöchigen Aufenthalten verschiedene Stationen der Transhumanz miterlebt. Einmal die Wanderung, einmal die Schur, einmal die Schlachtung und so weiter.

Was können Sie uns, ohne dem Film zu viel vorweg zu nehmen, über das Leben der rumänischen Hirten erzählen?
Das ist sehr unterschiedlich, je nach Jahreszeit. Am Fuß des Gebirges haben die Schäfer ihr Haus und Hof, wo ihre Frauen und Kinder leben, dort halten sie sich aber eigentlich nur zu Ostern, Weihnachten und Silvester für jeweils ein paar Tage auf, ansonsten leben sie bei ihren Schafen auf der Weide. In der Regel passen drei bis vier Ciobanii (rumänisch für Hirten; Anm. d. Red.), gemeinsam auf 400 bis 700 Schafe auf. Ihre Lebensart ist dabei sehr entbehrungsreich und spartanisch.

Inwiefern?
Sie schlafen zum Beispiel, und das trotz der kalten Nächte, im Freien oder in sehr einfach zusammengezimmerten Gebäuden. Und auch was die Ausrüstung angeht, ist man dort von hiesigen Verhältnissen weit entfernt. Funktionsjacken oder gar Gore-Tex-Schuhe gibt es dort nicht, man trägt alte Jacken mit Plastikplanen und Gummistiefel mit Fußlappen.

Und mit welchen Herausforderungen haben die Hirten dann dort zu kämpfen?
Neben dem Ausgeliefertsein gegenüber der Witterung, machen ihnen vor allem die zahlreichen Regelungen, die ihnen von der Europäischen Union auferlegt werden, zu schaffen. So dürften sie zum Beispiel eigentlich nicht mehr selbst, direkt an der Schäferei schlachten, weil das nicht den Hygiene-Vorschriften entspricht.

Das klingt alles nach einem wirklich harten Leben. Warum lassen die rumänischen Ciobanii das denn über sich ergehen?
Zum einen hat die Transhumanz im Hirtenland Rumänien eine lange Tradition. Zum anderen kommt man, wenn man wirklich gutes Fleisch und gute Milch bekommen will, um diese Art der Weidewirtschaft nicht herum. Im Hochgebirge wächst nun mal das beste Gras für die Schafe, allerdings machen die Bedingungen im Winter das Leben dort unmöglich. Und so muss eben gewandert werden.

Wie wurden Sie denn als Fremder, erst recht als fremder Filmemacher mit Kamera im Anschlag, von den Rumänen aufgenommen?
Sehr offen. Die Menschen dort waren mir gegenüber sehr aufgeschlossen und haben mich fast alles Filmen lassen. Manchmal mehr ich wollte…

Haben Sie schon Pläne für kommende Projekte?
Ideen habe ich viele, konkrete Pläne jedoch noch nicht, Schließlich brauchen solche Projekte immer Geld und Zeit. Aber ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, einen Film über meine Motorradreisen durch Aserbaidschan und Georgien zu drehen. Beispiel vorstellen, einen Film über meine Reisen durch Aserbaidschan und Georgien zu drehen. Aber konkret ist davon bislang noch nicht.


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