Sonntag, 5. April 2020
Freitag, 13. März 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

Lothar Gläsel: "Interessanten Menschen zuhören"

Lothar Gläsel: „Ich habe mir interessante Leute eingeladen und bin mit ihnen ins Gespräch gekommen. Ich habe zugehört und unsere Besucher auch.“ Foto: Peter Noack

Von unserem Redakteur Peter Noack

Ursprung des Riesaer Kaffeeklatsches war 1993 das neu gestaltete Museum mit einem kleinen Café, das einer kulturellen Nutzung dienen sollte. Dazu war der Kaffeeklatsch bestens geeignet.

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Riesa. Ursprung des Riesaer Kaffeeklatsches war 1993 das neu gestaltete Museum mit einem kleinen Café, das einer kulturellen Nutzung dienen sollte. Dazu war der Kaffeeklatsch bestens geeignet. Jeden ersten Montag im Monat kann man seit dem 8. März 1993 ab 15 Uhr im Stadtmuseum Kaffeeklatsch erleben. Diese Veranstaltung ist nie ausgefallen. 27 Jahre lang war Lothar Gläsel dabei. Er organisierte und moderierte gemeinsam mit anderen Mitstreitern und lud zu seinen Veranstaltungen immer interessante Persönlichkeiten ein. Zu Kaffee und Kuchen wurden Gespräche mit Prominenten angeboten, die Wissenswertes vermittelten. Der Kaffeeklatsch hat sich zu einer großen Veranstaltung entwickelt, die heute im großen Saal des Museums stattfindet. Mit teilweise bis zu 100 Besuchern ist sie immer ein sehr gut besuchter Höhepunkt. Am 2. März verabschiedete sich Lothar Gläsel.

SWB: Herr Gläsel, wie begann Ihr Engagement beim Kaffeeklatsch?
Lothar Gläsel:
„Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben habe ich mir Gedanken gemacht, was ich denn dann in der Freizeit machen könnte. Ich erinnere mich, dass ich mich 1952 als Sportreporter beworben hatte. Von 50 Bewerbern kam ich unter die verbliebenen vier und ich hätte eine Sprecherziehung machen müssen, um diese Arbeit aufnehmen zu können. Meine bankkaufmännische Lehre hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen. Meine Eltern haben mir geraten: „Schuster bleib bei deinen Leisten“. Ich habe dann meinen erlernten Beruf gewählt, aber das Interesse, mit fremden Leuten ins Gespräch zu kommen und interessante Dinge zu erfahren ist mein ganzes Leben geblieben.“


Wie begann die Veranstaltung Kaffeeklatsch?
„Der Initiator des Kaffeeklatsches war Rainer Möhlis. Er hat alte Schallplatten abgespielt und die Künstler vorgestellt, von denen die Aufnahmen stammten. Das war aber nicht mein Ding. Leider ist Rainer Möhlis viel zu früh verstorben. Wir haben weitergemacht und ich wurde einer der Moderatoren. Ich habe mir interessante Leute eingeladen und bin mit ihnen ins Gespräch gekommen. Ich habe zugehört und unsere Besucher auch. So habe ich danach den ,Kaffeeklatsch' gestaltet. So was hat mich begeistert und das habe ich auch bis heute behalten. Offenbar kam diese Art beim Publikum an und so hat sich diese Reihe etabliert. Sie ist übrigens nie ausgefallen.“


Hatten Sie denn die Fähigkeiten eines Moderators?
„Ich habe bei der Sparkasse gearbeitet und habe dort im damaligen DDR-Bezirk Dresden Veranstaltungen für alle Sparkassen organisiert und moderiert. Das war also nichts Neues für mich. Ich gehe gern auf mir unbekannte Menschen zu und spreche sie an. Irgendetwas Interessantes hat jeder zu erzählen. Das mache ich auch privat gern. Ich bin ein an allem interessierter Mensch.“


Mit wem haben Sie zusammengearbeitet?
„Mit Christel Wetterich, die immer einen interessanten Einstieg zur jeweiligen Thematik gefunden hat. Dafür möchte ich mich heute ganz herzlich bedanken. Aber auch mit allen anderen Kaffeeklatschmitstreitern hat es immer Spaß gemacht. Volker Thomas, Ursula Schubert und Siegfried Martick gehören ebenfalls dazu. Jährlich erfolgte eine Absprache mit der Museumsleitung, welche Ausstellungen stattfinden, die auch Themen für den Kaffeeklatsch sein könnten. Auch diese Zusammenarbeit hat immer geklappt. Danke schön.“


Wer waren die Gesprächspartner beim Kaffeeklatsch?
„Riesaer Urgesteine wie der Maler Wolfgang Bochnia, Peter Margenberg, Foto Schröter, Uhrmachermeister Kuge, Hutmacherin Ursula Lemberg und andere Handwerksmeister, aber auch die Schriftstellerin Renate Preuß, den Augenarzt Doktor Langer und weitere bekannte Riesaer haben wir eingeladen. Überregionale Prominente wie Walfriede Schmitt, Annekathrin Bürger, Peter Sodann, Heinz-Florian Oertel, Kammersänger Rainer Süß, Jaeckie Schwarz, Jens Weißflog, Klaus Feldmann, Christine Stübner-Errath, Manfred Uhlig, Gojko Mitic und viele mehr waren hier schon Gäste.“


Da gab es doch sicher auch kuriose Begebenheiten. Was können Sie darüber berichten?
„Peter Sodann erschien durch ein Versehen einen Monat zu früh. Bei einer Kaffeeklatschveranstaltung in der Stadthalle Stern erkannte ich ihn und sprach ihn an, er wolle sich sicher einen Eindruck von der Veranstaltung verschaffen. Er reagierte aber: „Ich bin heute der Gast. Ich habe einen Vertrag mit Ihnen.’ Sein Vertrag war irrtümlich tatsächlich zu diesem Termin abgeschlossen worden. Ich erklärte ihm, dass er erst nächsten Monat im Plan stehe. Er reagierte etwas gereizt, aber erschien zum richtigen Termin. Jaeckie Schwarz hatte aus versehen einen Zug später genommen und war eine Stunde zu spät zu uns gekommen. Wir wollten schon auf die Schnelle eine Lesung über ihn organisieren, aber er erschien ja doch noch. Rainer Süß hatte ungeniert nur die Unterhosen an, als ich ihn vor der Veranstaltung in der Garderobe auf die Fragen vorbereitete und Annekathrin Bürger, „versteckte“ sich beim Schminken hinter dem Spiegel, während ich sie vor Beginn informierte. Sie saß vor dem Spiegel und ich dahinter. Ich konnte sie also während unseres Vorbereitungsgespräches nicht sehen.“


Der Kaffeeklatsch wird musikalisch umrahmt. Wie ist diese Idee entstanden?
„Die musikalische Umrahmung wurde erstmalig mit Werner Plötze ausprobiert, den kannte ich von anderen Veranstaltung. Ich hatte ihn in einem Seniorenheim erlebt und ihn gefragt, ob er sich vorstellen könnte, beim Kaffeeklatsch mitzumachen. Er hat Ja gesagt und war dann bis zu seinem Tod mit dabei. Mit Akkordeon begleitete er uns anfangs und hat sich später ein Keyboard gekauft, mit dem er auch bei uns auftrat. Später übernahm Professor Becker diese Rolle, den ich vom Riesaer Konzertchor kannte. Er hatte mich mal gebeten, in diesem Chor mitzusingen und das habe ich getan. Nach dem Tod von Werner Plötze war er schnell bereit, diesen Teil zu übernehmen. Es treten bei uns aber auch junge Künstler auf, die die Chance nutzen, vor etwas größerem Publikum zu spielen.“


Was machen Sie jetzt mit der zusätzlichen freien Zeit?
„Ich bleibe dem Stadtmuseum treu und besuche den Kaffeeklatsch.“
 


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