Samstag, 28. März 2020
Montag, 16. März 2020

TORGAU

Die letzte Party ist getanzt

Auch wenn Thomas Prätzsch seine Entscheidung, die Event Galerie zu schließen, nicht bereut, werden ihm doch die Partys jeden Samstag fehlen. Foto: Privat

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Seit diesem Monat ist die Event Galerie in der Innenstadt endgültig geschlossen. TZ sprach mit dem ehemaligen Inhaber Thomas Prätzsch über die Hintergründe und seine berufliche Zukunft.

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Gut anderthalb Jahre ist es nun her, dass sich die TZ zuletzt mit Thomas Prätzsch getroffen  hat. Im September 2018 hatte sich der Besitzer der Event Galerie der Heimatzeitung zur Verfügung gestellt. Das Thema: die bevorstehende Schließung seiner Gaststätte und Diskothek in der Torgauer Innenstadt. Es war die Rede von Unstimmigkeiten mit dem Vermieter und der Undankbarkeit des Torgauer Publikums. Die Event Galerie wurde damals überraschenderweise nicht geschlossen und hielt ihren Betrieb noch bis zum 29. Februar 2020 aufrecht. Dann gingen jedoch in der gastronomischen Einrichtung im Erdgeschoss des historischen Proviantmagazins endgültig die Lichter aus.

Thomas Prätzsch

Wertschätzung fehlte

Der Grund dafür war einer von denen, die Besitzer Thomas Prätzsch bereits im September 2018 beschäftigten. Zwar hatten sich die Wogen mit dem Besitzer des Proviantmagazins inzwischen geglättet, der Unmut über die Gäste bestand jedoch nach wie vor. „Die Leute wussten einfach nicht zu schätzen, was ich hier versucht habe, auf die Beine zu stellen“, erklärt Prätzsch. Auf die Frage, was genau es denn sei, was er mit der Event Galerie schaffen wollte, antwortet er: „Ich wollte einfach coole Partys machen, die fernab vom Kommerz funktionieren. Wo es nicht nur ums Saufen, sondern auch um die Musik und die Acts geht, die diese Musik machen.“ Doch das schien nicht das zu sein, was sich das Torgauer Publikum von einer Event Location in der Innenstadt vorstellte. Die schienen, so die Einschätzung Prätzschs, in erster Linie billig trinken zu wollen.

Dabei war es vor allem eine Party, die Thomas Prätzsch dies besonders deutlich vor Augen führte. „Das war am 4. März 2017“, erinnert sich der Clubbesitzer. „Da hatte ich eine Party mit Northern Lite (eine bekannte Erfurter Elektro-Pop-Band; Anm. d. Red.) organisiert. Das war der Auftakt der Comeback-Tour der Jungs  und dementsprechend dachte ich natürlich auch, dass mir die Bude eingerannt wird. Aber während die Leute teilweise aus Leipzig mit dem Taxi kamen, weil sie Nothern Lite für einen so billigen Eintritt sehen wollten, haben sich die Torgauer darüber aufgeregt, dass ich dafür 10 Euro verlangt habe. Und ganz genau das war der Punkt, an dem ich wusste, dass ich in Torgau nicht alt werde.“

Wirtschaftliche Gründe

Letzten Endes hätten dann aber auch wirtschaftliche Gründe seine Entscheidung, die Pforten der Event Galerie für immer zu schließen, befeuert. „Es war am Ende ein Plus-Minus-Null-Geschäft. In unserem ersten Jahr 2015 lief es richtig gut, bis wir dann 2016 aufgrund von Umbauten ein paar Monate schließen mussten. Und da hat sich dann wohl das komplette auswärtige Publikum einen neuen Club gesucht und zu uns kamen fast ausschließlich nur noch die Torgauer.“

Dies habe sich, besonders bei Auftritten großer Acts wie den 90er-Jahre-Ikonen Marc Oh und Marusha, einfach nicht mehr gerechnet. „Im letzten Jahr haben wir uns als Konsequenz daraus dann nur noch am Kommerz orientiert und fast keine Acts mehr eingeladen, sondern selbst Musik gemacht und uns eben auf den Verkauf der Getränke konzentriert.“ Das sei aber nicht der Traum gewesen, den Thomas Prätzsch bei der Eröffnung vor fünf Jahren gehabt hatte. „Ich möchte nicht als Kneiper alt werden.“

Letzter Abriss

Und so kam es dann, dass am 15. Februar dann tatsächlich die letzte Party unter dem Motto „Abriss“ gefeiert wurde. Und das war dabei fast schon wörtlich zu nehmen. Denn bei Interesse konnten die Gäste nicht nur wie üblich Getränke erwerben, sondern gegen einen kleinen Obulus auch Teile der Einrichtung mitnehmen. „Ein Großteil der Möbel ist jetzt mittlerweile weg“, berichtet Thomas Prätzsch erleichtert. „Aber trotzdem musste ich noch einiges ausräumen, vor allem meine Technik.“ Und auch was die flüssigen Vorräte anbelangt, ist er jetzt für die nächste Zeit mehr als gut ausgestattet. „Bier ist zwar alles weg, aber an Schnaps habe ich jetzt einen Jahresvorrat“, sagt er schmunzelnd.

Musik wird gemacht

Nach der Schließung der Event Galerie möchte sich Thomas Prätzsch nun dem widmen, was er auch bereits vor der Eröffnung im Jahr 2015 gemacht hat: Er befasst sich mit der Musik. Unter dem Pseudonym Melloton produziert der gebürtige Torgauer elektronische Musik, genauer gesagt sogenannten Deep-
house, mit der er nun auch regelmäßig aufgetreten ist und nach der Corona-Welle auch wieder auftreten will. „Ich möchte das jetzt in nächster Zeit soweit voranbringen, dass ich davon leben kann“, erzählt er und ergänzt, dass er bereits ein fertiges Album vorliegen habe, für das er nun auf der Suche nach einem passenden Plattenlabel sei. „Es ist schwierig, in dieser Industrie Fuß zu fassen.“

Und auch sein zweites Standbein aus der Zeit vor der Event Galerie lässt Thomas Prätzsch nun wieder aufleben und ist so nun wieder in der Technikvermietung sowie im mobilen Partyservice tätig. Und auch wenn er seine, seit der Schließung der Event Galerie deutlich gestiegene Freizeit sehr genießt, blickt er doch auch ein wenig wehmütig zurück. „Irgendwie fehlt mir auch der Samstag.“

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