Sonntag, 5. April 2020
Dienstag, 24. März 2020

NORDSACHSEN

In Zeiten von Corona…#6

Sebastian StöberFoto: Dirk Heinze

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

…wünschen sich die meisten Menschen klare Ansagen. Ich habe deshalb mit Dr. Joachim Müller gesprochen. Klare Ansagen gehören zur Jobbeschreibung des leitenden Chefarztes im Torgauer Krankenhaus.

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In Zeiten von Corona…

…wünschen sich die meisten Menschen klare Ansagen. Das schafft Orientierung und gibt ein Gefühl Sicherheit. Dr. Joachim Müller ist der leitende Chefarzt des Torgauer Kreiskrankenhauses Johann Kentmann. Klare Ansagen sind sein Job.

Ende Februar habe ich das letzte mal mit ihm gesprochen. Es ging um die Vorbereitung der Klinik auf den Ernstfall. Zeit also für ein Update. Am Montag erreichte ich ihn telefonisch zwischen zwei Terminen.

Eine seiner Kernbotschaften lautete: Panik ist nicht angebracht. Wenn wir uns an Maßnahmen halten, die aktuell empfohlen werden, dann muss niemand Angst haben.

Im Gespräch ging es außerdem natürlich um Corona-Tests im Krankenhaus, die Ausrüstung von Haus und Mitarbeitern, kooperative Kollegen und die Grippe, denn die gibt es auch noch.

Autorität auf einem anderen Feld soll das Torgauer Ordnungsamt ausüben. Mit dessen Leiterin, Anke Eckert, sprach mein Kollege Nick Leukhardt über die Arbeit derer, die aufpassen, dass sich die Bürger auch wirklich in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken lassen.

Noch ein Satz in eigener Sache. Wir werden weiterhin die aktuellen Corona-Zahlen für Nordsachsen berichten. Genaue Ortsangaben veröffentlicht das Landratsamt nicht und ich halte das für richtig. Denn diese Information ändert nichts daran, dass es sinnvolle Anweisungen gibt, sich zu schützen. Und die müssen von allen eingehalten werden.

Nun aber zum Interview mit Dr. Joachim Müller.
TZ: Als wir das letzten Mal sprachen war die Situation deutlich entspannter…
Dr. Müller:
…das hat sich geändert. Seit vergangener Woche Montag sind wir als Krankenhaus in den Aktivzustand für die Vorbereitung auf Corona-Patienten versetzt worden.

Wir haben also eine Einsatzleitung gebildet, die aus Verwaltung, Pflege, Hygiene, Technik, Personalabteilung und ärztlicher Leitung besteht. Immer montags gibt es zudem eine gesondere Beratung der Chefärzte, wo unter anderem die Auslegung und Umsetzung der Vorgaben von Bund, Land und Landkreis besprochen wird. Die geplanten Operationen haben wir weitgehend abgesetzt. Es gibt jedoch Ausnahmen: Sie können niemanden vermitteln, dass seine Tumor-Operation ausfallen muss.

Jetzt sprechen alle über Corona – wie ist es aktuell in Ihrem Haus um die Behandlung von Grippe-Patienten bestellt?
Patienten mit Atemwegsinfektionen werden grundsätzlich gesondert untergebracht. Nach dem Testergebnis fällt die Entscheidung über weitere Isolation. Für Grippe- und Corona-Erkrankte gibt es unterschiedliche Bereiche. Glücklicherweise haben wir nur wenige nachgewiesene Fälle und liegen deutlich unter den Zahlen beispielsweise des Grippejahres 2017.

Gab im Krankenhaus Torgauer bereits einen positiven Corona-Nachweis?
Alle Fälle, die wir getestet haben, waren negativ. Im Krankenhaus wird derzeit auch kein Patient wegen Corona behandelt.

Wann erwarten Sie, dass der Anstieg der Infektionszahlen auch Torgau erreicht?
In 14 Tagen. Aber Torgau ist nicht Hamburg. Ich gehe davon aus, dass wir nicht so viele Fälle haben werden, wie die Großstädte.

Werden Sie zusätzliches Personal anfordern müssen?
Unsere Kapazitäten sind relativ hoch, daher erwarte ich keine Probleme. Wenn es so weit ist, werden wir eine zweite Intensivstation einrichten – auch dafür steht Personal zur Verfügung. Insgesamt halten wir 80 Betten frei. Vier Beatmungsbetten für Schwerstkranke stehen zur Verfügung.

Wie ist es um die Ausstattung mit Schutzausrüstung für die Mitarbeiter bestellt?
Mit dem aktuellen Bestand kommen wir über eine Woche. Die Bestellungen für Nachschub werden realisiert. Doch auch unsere Lieferanten haben Engpässe.

Leser haben bei uns nachgefragt, warum die Physiotherapie-Praxis im Krankenhaus noch ambulante Patienten behandelt. Sie fürchten, dass dadurch die Gefahr für stationäre Patienten steigt.
Wir könnend die medizinische Versorgung der Region nicht einstellen. Aber natürlich sind die hygienischen Vorgaben enorm erhöht worden. Klar ist auch, dass nur noch notwendige Behandlungen durchgeführt werden, die keine Aufschiebung erlauben.

Wir registrieren aber auch eine veränderte Verschreibungspraxis der niedergelassenen Kollegen, die dem Rechnung trägt – Überweisungen in die ambulanten Praxen sind deutlich zurückgegangen. Das begrüße ich.

Wie schützen Sie sich eigentlich selbst?
Indem ich mich streng an die Hinweise halte, die überall gegeben werden. Tatsächlich wasche ich noch öfter als sonst schon meine Hände, zähle dabei langsam bis 20. Und ich vermeide Menschenansammlungen. Generell kann ich nur an die Menschen appellieren, nicht vor Angst in Panik zu verfallen. Wir alle müssen uns an die vorgegebenen Maßnahmen halten. Das ist der beste Schutz für jeden von uns.

Krankenhausverbände beklagen, dass die aktuellen Regelungen, die den OP-Betrieb der Häuser einschränken, wirtschaftlich katastrophale Folgen hätten. Haben Sie ähnliche Befürchtungen?
In dieser Situation sollten wir uns darüber nicht den Kopf zerbrechen. Jetzt geht es darum, den Menschen zu helfen. Aktuell weiß ohnehin noch niemand, wie die Finanzierung geregelt werden soll. Wir sollten hinterher abrechnen und dann gegebenenfalls auch streiten.
 

 


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