Sonntag, 5. April 2020
Dienstag, 24. März 2020

TORGAU

Torgaus Kultur liegt auf Eis

Kulturhaus, Stadt- und Kulturgeschichtliches Museum und Kulturbastion. Alle drei haben ihren Betrieb komplett eingestellt und kämpfen nun mit den Problemen, die durch die ausbleibenden Besucher entstehen. Foto: TZ/Archiv

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. So gehen die Kulturbastion, das Kulturhaus und das Stadt- und Kulturgeschichtliche Museum mit der aktuellen Corona-Krise um.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Die Corona-Krise hat Deutschland fest im Griff und stellt dabei auch Kulturschaffende auf eine harte Probe. Mit der kompletten Schließung aller kulturellen Einrichtungen wie Theater, Kinos, Museen und Konzertlocations, fällt für viele oftmals die komplette Einnahmequelle weg. Denn keine Gäste bedeuten auch kein Geld. Auch Torgaus Kulturlandschaft ist davon betroffen und blickt in den kommenden Wochen auf einen leeren Terminkalender, komplett ohne Veranstaltungen. Wie die Kulturbastion, das Kulturhaus und das Heimat- und Kulturgeschichtliche Museum Torgau mit der aktuellen Situation umgehen, ob der finanzielle Ruin schon an die Tür klopft und wie Künstler und Gäste damit umgehen, schilderten Uwe Narkunat vom KAP, Victoria Troka vom Kreisi und Cornelia König vom Museum der TZ im Gespräch.

 

Hoffnung auf die zweite Hälfte

„Ich habe eine ähnliche Situation in Halle nach dem letzten großen Hochwasser 2013 zwar schon einmal erlebt, aber das hier gerade ist noch einmal eine ganz andere Dimension“, erzählt Victoria Troka. Die frisch gebackene Chefin des Torgauer Kulturhauses befindet sich aktuell im Homeoffice, ihre Mitarbeiter ebenfalls. Nur das Vorverkaufsbüro ist vormittags noch besetzt und telefonisch erreichbar, der komplette restliche Betrieb des Kreisi wurde eingestellt. „Die Kurzarbeit für mich und mein Team ist bereits beantragt, so haben wir damals in Halle die Situation auch überstanden.“

Im Moment sei das einzige, was man tun könne, sich auf eine möglichst starke Fortführung des Programms in der zweiten Jahreshälfte sowie im kommenden Jahr vorzubereiten. „Aber auch das fällt im Moment schwer, schließlich kaufen die Leute in der jetzigen Situation keine Tickets.“ Also fährt man im Kreisi so gut es geht auf Sicht und hegt die Hoffnung, dass nach der Sommerpause im September der ganze Corona-Spuk ein vorläufiges Ende hat.

Denn dann, das prophezeit Kulturhaus-Chefin Victoria Troka, brumme der Laden. „Nachdem die Leute eine so lange Zeit zu Hause bleiben mussten und keine Veranstaltungen besuchen konnten, sind sie bestimmt mehr als froh, wenn wir unseren Betrieb wieder aufnehmen können. Aber bis dahin heißt es eben durchhalten.“

Dank der Förderung des Leipziger Kulturraums macht sich Troka aktuell zwar keine Sorgen um die Existenz des Kreisi, doch am Ende des Jahres müsse man trotzdem eine schwarze Null erreichen, um weiterhin Fördergelder zu sichern. „Wenn wir ab September wieder öffnen können, sollte das kein Problem sein“, sagt sie. Schließlich laufe dann auch schon der Vorverkauf für das Jahr 2021, in welches zahlreiche Veranstaltungen verschoben wurden. „Doch wenn wir tatsächlich bis in den Herbst oder sogar Winter geschlossen bleiben müssen, dann wird es wirklich eng.“ Im Moment hegt man im Kreisi noch die Hoffnung, zumindest den Kultursommer im August noch durchführen zu wollen.

Auch mit dem aktuellen Trend der sogenannten Streaming-Konzerte, also Auftritte, von Künstlern live im Internet übertragen, hat sich Victoria Troka bereits auseinandergesetzt. Im Moment seien solche Formate für das Kulturhaus jedoch noch nicht interessant. „Wir standen sowieso kurz vor der Sommerpause, hatten also nicht mehr viel geplant. Aber wenn die Schließung noch bis in die nächste Spielzeit im September dauert, dann kann man darüber auf jeden Fall nachdenken.“

Auch wenn sich wohl viele Gäste des Kulturhauses auf die nun ausgefallenen Veranstaltung gefreut hatten, sei deren Feedback doch durchweg verständnisvoll. „Wir haben ja den ,Zauber der Travestie‘ noch am gleichen Tag kurzfristig absagen und die Leute dann tatsächlich aus dem Kulturhaus wieder nach Hause schicken müssen. Aber trotzdem hatten alle Verständnis dafür und haben eingesehen, dass all die Maßnahmen ja nur der Sicherheit aller dienen.“

Doch auch wenn die aktuelle Situation für das Kulturhaus schlimm ist, überdies für alle Künstler, deren Auftritte abgesagt wurden, noch viel schlimmer, hat sie auch einen guten Nebeneffekt: „Da wir jetzt keine Gäste haben, fangen wir nun mit einigen kleinen Ausbesserungsarbeiten an. Das Foyer und die Vorverkaufsstelle bekommen einen neuen Anstrich und neuen Boden. So können wir die Zeit, in der bei uns nichts los ist, wenigstens etwas sinnvoll nutzen.“

 

"Das Grundprinzip heißt Hoffnung"

Seinen kompletten Betrieb hat auch die Kulturbastion Torgau eingestellt. Nicht nur sämtliche Konzerte und andere Veranstaltungen wurden abgesagt, auch Kino und Jugendzentrum sind geschlossen. Bis auf das Büro, das zeitweise von KAP-Chef Uwe Narkunat oder einem seiner Mitarbeiter besetzt ist, ein kompletter Shutdown also. „Größtenteils befinden sich unsere Mitarbeiter aktuell im Homeoffice“, gibt Narkunat Auskunft. Dort würden sie sich zum einen um die Koordination der Ersatztermine und anderer dringlicher Aniegen kümmern, hätten nun aber auch Zeit für die Dinge, die im normalen Arbeitsalltag eher liegen bleiben. Und auch wenn der eigentliche Betrieb der Kulturbastion komplett heruntergefahren wurde, ist für ihre Mitarbeiter an Kurzarbeit im Moment noch nicht zu denken. „Zumindest nicht für den Monat März.“

Eine solche Situation habe er in den letzten 15 Jahren als Chef der Kulturbastion noch nicht erlebt, erzählt Uwe Narkunat. So etwas sei einmalig und nicht nur für die Bastion als Veranstaltungsort eine wirklich schwierige Lage. „Das ist eine Kettenreaktion, die von uns Veranstaltern über die Künstler bis hin zu zahlreichen Freiberuflern, wie Technikern und so weiter, alle betrifft und  vor riesige Probleme stellt.“ Zwar habe man beim KAP dank einer umfangreichen Förderung eine gewisse Rückendeckung, doch je länger es dauere, desto größer werden bei Uwe Narkunat auch tatsächliche Existenzängste.

„Aber das Grundprinzip heißt Hoffnung.“ Und so hat Uwe Narkunat bislang für den kommenden Mai erstmal noch keine Veranstaltungen abgesagt, auch wenn der Realist in ihm sagt, dass auch in diesem Monat der Betrieb noch eingestellt bleiben muss. „Selbst wenn bis dahin das normale Leben weitergeht, wird es ja noch eine gewisse Übergangszeit mit gelockerten Vorsichtsmaßnahmen geben. Und in dieser sind wir als Veranstaltungsort wahrscheinlich mit die letzten, die wieder aufmachen dürfen.“

Für ihn und sein Team bleibt aktuell nur zu hoffen, dass sich jeder an die sehr strikten Verordnungen im Freistaat hält und somit der Krise ein schnellstmögliches Ende zu setzt. „Ich bin wirklich froh, dass in solchen Krisenzeiten alle parteilichen Unstimmigkeiten beiseite gelegt werden und die Menschen die Entscheidungen treffen, die auch etwas davon verstehen“ , sagt Narkunat hoffnungsvoll. Er habe den Eindruck, dass sich ein Großteil der Leute ihrer Verantwortung im Moment bewusst seien und ruft alle auf, weder panisch noch frustriert von der Situation zu sein.

Und das scheint auch bei den Menschen anzukommen. Denn, ähnlich wie Kulturhaus-Chefin Victoria Troka, hat auch der Geschäftsführer des KAP die Erfahrung gemacht, dass die Gäste sehr verständnisvoll mit der vorläufigen Schließung umgehen. „Sie zeigen sich verständnisvoll und solidarisch“, sagt er. „Die Leute sehen es ein und freuen sich auf die Zeit danach. Dementsprechend wurden bislang auch kaum Tickets wieder zurückgegeben, es war also eine gute Entscheidung, einen Großteil der Veranstaltungen in die zweite Jahreshälfte oder das Jahr 2021 zu verschieben.“

 

Keine Rücklagen

Bereits vor einer entsprechenden Verfügung hat man sich beim Stadt- und Kulturgeschichtlichen Museum Torgau für die Einstellung des Betriebs entschieden. Dieses tritt nun seine zweite Woche ohne Publikumsverkehr an, ist aber nach wie vor komplett besetzt. Zumindest bis auf seine Bundesfreiwilligendienstler.

„Wir nutzen jetzt die Zeit und arbeiten all das ab, was sonst liegen bleibt,“ sagt Museumsleiterin Cornelia König. „Im Büro, im Magazin, da gibt es im Moment noch mehr als genug Arbeit. Wir haben zum Beispiel im letzten Jahr eine große Sammlung zur Verfügung gestellt bekommen, die wir nun endlich dokumentieren und in unser System einpflegen können. Das beansprucht sonst sehr viel Zeit und kann jetzt endlich erledigt werden.“

Doch auch wenn für sie und ihr Team im Moment zumindest noch keine Langeweile aufkommt, ist die Situation für das Museum doch mehr als ernst. „Wenn wir keine Besucher empfangen dürfen, dann haben wir auch keine Chance, irgendwelche Einnahmen  zu generieren. Ich mache mir wirklich Sorgen darum, wie es bei uns weiter geht.“ Denn aufgrund der Tatsache, dass es vom Kulturraum Leipziger Raum gefördert wird, muss der Haushalt am Ende des Jahres immer bei plus/minus null stehen, was den Aufbau von Rücklagen unmöglich macht.

Extrem schade sei auch, dass das Museum sämtliche Besuche von Schulklassen absagen musste. „Und  das nicht nur bis zum voraussichtlichen Ende der schulfreien Zeit, sondern für das gesamte Jahr.“ Und auch die Einstellung von neuen Bundesfrewilligendienst-Leistenden (Bufdis) muss erst einmal warten. Die bisherigen Unterstützungskräfte wurden vom Museumsteam nach Hause geschickt und sind auf Abruf. Wenn man sich dann um die neuen Bufdis kümmern kann, steht bislang noch in den Sternen.

 

Artikel mit ähnlichen Schlagwörtern suchen:

Corona


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

epaper-probelesen

Frühlings-Abo

Azubimesse
TZ-Probelesen

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga