Samstag, 4. April 2020
Donnerstag, 26. März 2020

TORGAU

Wenn die Wohnung zum Klassenzimmer wird

Mario Sprenger bei den Schulaufgaben mit seinen Kindern Merle, Artur und Ansgar (v. l. n. r.). Foto: Privat

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Viele Eltern stehen im Moment vor der Herausforderung, ihre Kinder nicht in Kita und Schule schicken zu können, sondern sie zuhause selbst betreuen und unterrichten zu müssen. Wie das am besten gelingt und warum es auch seine guten Seiten hat, erfuhr die TZ von Mario Sprenger und Susann Bölter.

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Der sich immer weiter ausbreitende Corona-Virus und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen stellen Eltern dieser Tage vor  große Herausforderungen. Kitas und Schulen sind geschlossen. Auch wenn die Regelung für eine Notbetreuung mittlerweile gelockert wurde (TZ berichtete),befinden sich nach wie vor allein in Torgau über 1200 Kindergarten-Kinder und noch mehr Schüler zu Hause und werden von ihren Eltern betreut.

Während das bei Einzelkindern zwar eine Herausforderung, aber doch zu stemmen ist, kann die Betreuung zu Hause mit steigender Kinderzahl zur wahren Herkulesaufgabe werden. Erst recht, wenn diese in völlig unterschiedlichen Altersstufen sind. Dies ist sowohl bei Susann Bölter als auch Mario Sprenger der Fall. Die gelernte Köchin betreut aktuell ein Vorschulkind, einen Erstklässler und eine Drittklässlerin zu Hause, bei dem 46-jährigen Mediengestalter ist es ein Kindergartenkind, eine Drittklässlerin und ein Sechstklässler. Wie Eltern trotzdem mit ihrem Alltag klarkommen und auch in der Krisenzeit dafür sorgen, dass bei ihren Sprösslingen die Bildung nicht zu kurz kommt, erzählten sie der TZ.

Am Alltag festhalten

„Ich versuche, den Rhythmus der Kinder weitestgehend beizubehalten“, fasst Susann Bölter ihre Strategie bei der Kinderbetreuung zu Hause zusammen. Seit zwei Wochen können die vierjährige Theresa, der siebenjährige Maximilian und die neunjährige Miriam nicht mehr in Kindergarten und Schule gehen und verbringen daher den ganzen Tag mit ihrer Mama. Und die versucht, trotz der ungewohnten Situation, den Alltag weitestgehend aufrechtzuerhalten. Sechs Uhr aufstehen, fertig machen, frühstücken und dann wird in den heimischen Schul- und Kitatag gestartet. „Jedes Kind bekommt seine Aufgabe für den Vormittag, diese habe ich von der Schule erhalten und der Kindergarten hat seinen ,Lehrplan’ auch für uns zugänglich gemacht.“ So wird bis zur Mittagspause gelernt, in dieser gemeinsam gekocht und gegessen, ehe es dann mit den Aufgaben für den Nachmittag weitergeht. Normalität ist für die gebürtige Torgauerin dabei das A und O.

Auch Miriam, Theresa und Maximilian Bölter machen jeden Tag fleißig zuhause ihre Schulaufgaben.

Ähnlich sieht das auch Mario Sprenger. Der 46-jährige Mediengestalter betreut seine drei Kinder, den sechsjährigen Ansgar, die neunjährige Merle und den elfjährigen Artur, ebenfalls seit zwei Wochen zu Hause, während seine Frau zur Arbeit geht. „Sie arbeitet im Krankenhaus und hat daher im Moment den deutlich wichtigeren Job. Also bin ich jetzt komplett für die Kindererziehung zuständig.“ Auch wenn für ihn die ersten Tage zu Hause mit seinen drei Kindern durchaus ungewöhnlich waren, hat sich mittlerweile doch ein gewisser Alltag eingespielt. „Ich stehe so gegen sechs/ halb sieben auf und kümmere mich um den Haushalt. Spätestens halb neun kommen dann die Kids dazu, es gibt Frühstück und danach wird gelernt.“ Dies sei auch gut machbar, aber natürlich kein Vergleich zum normalen Schulalltag.

„Für mich ist es nur eine Illusion, dass Eltern tatsächlich mit ihren Kids richtig Schule machen können. Auch wenn wir die Aufgaben bekommen haben, ist es zu Hause dann doch noch etwas vollkommen anderes.“ So ist beispielsweise die Konzentration zu Hause eine ganz andere und damit spätestens zur Mittagspause im Hause Sprenger Schluss mit dem Schul- und Kita-Tag. Nachmittags wird dann die Freizeit gemeinsam verbracht, entweder im Garten oder eben zu Hause.

Auch gute Seiten

Trotz der ungewohnten Situation ist die Stimmung sowohl bei Familie Sprenger als auch bei den Bölters aktuell noch sehr entspannt und von einem Lagerkoller noch keine Spur zu entdecken. Ganz im Gegenteil. Die Familien genießen die gemeinsame Zeit und konzentrieren sich vor allem auf die guten Seiten, die die Situation mit sich bringt. „Ich finde es wirklich schade, dass man im heutigen Arbeitsalltag so wenig Zeit mit seinen Kindern verbringen kann. Da ist es wirklich schön, sich jetzt mal etwas intensiver miteinander zu beschäftigen“, sagt Mario Sprenger glücklich.

Und auch für die gelernte Köchin Susann ist die Situation alles andere als eine Katastrophe. „Es ist auch ein Geschenk, die Kinder mal daheim zu haben. Wir sparen so viel Zeit, weil keiner gebracht bzw. geholt werden muss und außerdem haben wir Zeit, miteinander zu kochen und zu basteln. Dinge, die sonst im Alltag untergehen.“

Sie sieht die jetzige Situation auch als lehrreiche Zeit, die zeigt, wie viel Wertschätzung pädagogische Berufe doch eigentlich verdient haben. „Wir sehen zum Beispiel, dass nicht immer nur der Lehrer schuld an schlechten Noten ist und wissen vielleicht danach, auch manches mehr zu schätzen. So wird das Kindergartenkind, welches mit dem liebevoll beklebten Bild stolz nach Hause kommt, nicht mehr mit ,Warte kurz’ vertröstet, denn wir wissen dann alle, was die Erzieherin geleistet hat.“

Schnell zurück zum Alltag

Sie versucht, die guten Seiten der aktuellen Krise zu sehen und könnte es auch hinnehmen, wenn die aktuelle Situation zur Normalität werden würde. „Zumindest, wenn es exakt so bleiben würde. Aber die  Aufgaben werden ja mit jedem Schuljahr anspruchsvoller und irgendwann wäre ich an meiner Grenze, was mein Können betrifft.“ Die 34-Jährige geht auch nicht davon aus, dass ihre Kinder vor Beginn des neuen Schuljahres noch einmal in die Schule und den Kindergarten gehen können. „So weit habe ich nun auch geplant. Wenn wir in andere Länder schauen, sehen wir genau, wohin es jetzt geht, ich hoffe wirklich auf den Zusammenhalt und die Vernunft aller, damit wir bald unseren Alltag zurückbekommen.“

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