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LokalgeschehenMontag, 8. März 2010

Lehrer fordern Rückkehr zur Vollbeschäftigung
von unserem Redakteur Uwe Gutzeit



Torgau (TZ). Anhaltender Streit um den Lehrer-Teilzeitvertrag, andererseits Tarifeinigung im öffentlichen Dienst, in dem die Pädagogen die größte Gruppe darstellen – da kommt leicht Verwirrung auf. TZ sprach darüber mit Volker Sommer, seit 1995 Kreisvorsitzender Nordsachsen des Sächsischen Lehrerverbandes (SLV) und Landesvorstandsmitglied.

TZ: Herr Sommer, könnten Sie bitte Ordnung in die Nachrichten bringen?
V. Sommer: Die aktuelle Einigung im öffentlichen Dienst betrifft ausschließlich die Angestellten von Bund und Kommunen, also zum Beispiel die Mitarbeiter in den Rathäusern oder auch die Hausmeister und Sekretärinnen an den Schulen. Die Lehrer aber sind alle direkt beim Freistaat Sachsen angestellt.

Problempunkt ist für diese, so liest man, die Teilzeitbeschäftigung?
Richtig. Die Mittelschullehrer sind schon seit 1992 teilzeitbeschäftigt. Hinzu kam 2005 ein Bezirkstarifvertrag, welcher am 31. Juli 2010 ausläuft. 14 000 Pädagogen an Mittelschulen und Gymnasien hatten 2005 zähneknirschend dieser Teilzeitbeschäftigung zugestimmt, um Entlassungen vorzubeugen.

Der Freistaat hat Geldnot und will den Bezirkstarifvertrag nun verlängern?
So ist es, aber das ist mit den Lehrern nicht zu machen. Die Gewerkschaften sind zu einer Verlängerung der jetzigen Regelung nicht bereit. Nach einer Umfrage wollen 51 Prozent der Lehrer der genannten Schularten nach fünf Jahren Einbußen wieder zu 100 Prozent tätig sein und volles Gehalt beziehen. Außerdem ist dazu anzumerken, dass sich in der Teilzeitarbeitsphase die Aufgaben und Anforderungen an die Lehrer so erhöht haben, dass man schon jetzt von einer Vollzeitbeschäftigung reden muss, die aber arbeitsvertraglich nicht vereinbart ist. Ich denke in diesem Zusammenhang an die Realisierung von Ganztagsangeboten, Kompetenztests und die Integrationsarbeit mit Schülern mit Defiziten. Und das ist nur ein Teil der gewachsenen Anforderungen. Klassenlehrertätigkeit wird bis heute nicht honoriert.

Wie geht es jetzt weiter? Sondierungsgespräche haben doch stattgefunden?
Sondierungen sind noch keine Verhandlungen. Die Fronten sind total verhärtet. Die Arbeitgeberseite droht mit Kündigungen, wenn kein neuer Vertrag ausgehandelt wird. Die Gewerkschaften möchten über eine Weiterführung der Teilzeitregelung nicht verhandeln. Die Mitglieder sollen aber nicht außen vor gelassen werden. Noch im März sollten sich alle Lehrer auf Mitgliederversammlungen der Gewerkschaften einstellen. Auch auf speziellen Personalversammlungen rückt dieses Thema in den Mittelpunkt.

Gespräch: Uwe Gutzeit





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