Dienstag, 19. November 2019
Mittwoch, 12. Mai 2010

LOKALGESCHEHEN

Die Stadt ist glimpflich davongekommen

Eines der Bilder in der Sonderausstellung: Ein Militärkonvoi in der Schule.Foto: privat

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch (TZ). „Wenn man so will, ist die Stadt Dommitzsch noch glimpflich davongekommen.“ Ortschronist Hermann Förster hat das Kriegsende im April 1945 als Junge selbst miterlebt und kann ausführlich darüber berichten.

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Dommitzsch (TZ). „Wenn man so will, ist die Stadt Dommitzsch noch glimpflich davongekommen.“ Ortschronist Hermann Förster hat das Kriegsende im April 1945 als Junge selbst miterlebt und kann ausführlich darüber berichten. Jetzt stehen die schlimmen Tage erneut im Fokus – anlässlich des 65. Jahrestages. Der Dommitzscher Geschichtsverein widmet dem Kriegsende erstmals eine Sonderausstellung und präsentiert diese zum Internationalen Museumstag am 16. Mai im Stadtmuseum.
„Wir stecken momentan gerade noch in den Vorbereitungen, wollen den Besuchern einiges bieten“, sagt Iris Wägner, die gemeinsam mit Petra Zietsch am Aufbau arbeitet. Im Mittelpunkt steht beispielsweise eine Luftaufnahme von 1945, die aus den Archiven der US Air Force stammt und erst in den 90er-Jahren freigegeben wurde. Der Geschichtsverein hat die Aufnahme vergrößern lassen und wichtige Details farblich markiert. Man kann erkennen, wo sich in Dommitzsch Verteidigungsstellungen, Panzersperren, Luftschutzbunker und Arbeitslager befanden.

„Es hat in Dommitzsch glücklicherweise keine größeren Kampfhandlungen gegeben. Als der Russe in Prettin war, ist die Stadt beschossen worden. Man hat dann aber damit aufgehört, als keine Gegenwehr kam“, schildert Hermann Förster die Ereignisse. Drei Zivilisten seien durch Beschuss getötet worden – ein Kind, eine Frau und ein Angehöriger des Volkssturms. „Der Mann war gerade aus der Tür getreten, als eine Granate an der Bordsteinkante explodierte. Ein Splitter traf ihn am Kopf“, so der Chronist. Einige Zeit später wurde dann noch der Gastwirt vom Weinberg erschossen und ein Leutnant starb im Fährhaus. Der Saal des Fährhauses, die Ziegelei sowie eine Scheune brannten ab, ein Bauerngehöft wurde teilweise zerstört. „An welchem Tag genau Dommitzsch in Feindeshand kam, lässt sich nur schwer nachverfolgen. Die Stadt war ja geräumt“, meint Herrmann Förster. Er selbst kann sich noch an eine Verbrüderungsfeier im „Hirsch“ erinnern, ein Treffen mit Russen und Amerikanern. Eine Pontonbrücke über die Elbe war gesprengt worden, als die Rote Armee in Prettin einrückte. Panzersperren zur Verteidigung der Stadt hatte man in der Leipziger Straße, Nähe Fuchsbau, in der Torgauer Straße an der engsten Stelle sowie am Seeberg errichtet. Ein über die Elbstraße gespanntes Seil, behängt mit kleinen Bäumen, sollte den Blick aus Richtung Prettin in die Stadt hinein unmöglich machen.

„Wir haben alte Lebensmittelkarten, Feldpostkarten, Listen mit Kriegsopfern aus Dommitzsch, eine Menge Fotos und sogar einen originalen Stahlhelm“, wirbt Iris Wägner für die Sonderausstellung, die voraussichtlich für zwei bis drei Wochen geöffnet bleibt. Einige der Bilder zeigen beispielsweise die Verabschiedung eines Militärtransportes am Bahnhof oder einen Wehrmachtskonvoi an der Schule. Ausweise von Kriegsgefangenen sind zu sehen und ein Stück Holz von einer Baracke, auf dem ein Russe seine Anschrift verewigt hat. Des Weiteren werden Alltagsgegenstände präsentiert wie eine zum Kohletragen umgerüstete Munitionskiste und Werkzeug zum Töpfe-Reparieren. In dieser schweren Zeit mussten sich die Menschen zu helfen wissen. „Natürlich nehmen wir gern noch Leihgaben mit auf, wenn uns Leute interessante Dinge, Fotos etc. für diesen Zeitraum zur Verfügung stellen würden“, so Iris Wägner, die selbst Mitglied im Geschichtsverein ist.

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