Sonntag, 24. März 2019
Freitag, 14. Mai 2010

FREIZEIT

Man könnte Bücher füllen

Von unserem Redakteur

Torgau/Tokio/Stuttgart (TZ). Nach meinem Japanologie-Studium an der Universität Leipzig trat ich im August 2003 meine erste Arbeitsstelle in Ishibashi in der Tochigi – Präfektur an. (Japan ist in 47 Präfekturen aufgeteilt und Tochigi ist eine der 9 Präfekturen, die keine Verbindung zum Meer hat) 20 000 Einwohner zählt die Stadt, die sich circa 90 Kilometer nördlich von Tokio befindet.

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Torgau/Tokio/Stuttgart (TZ/US). Nach meinem Japanologie-Studium an der Universität Leipzig trat ich im August 2003 meine erste Arbeitsstelle in Ishibashi in der Tochigi – Präfektur an. (Japan ist in 47 Präfekturen aufgeteilt und Tochigi ist eine der 9 Präfekturen, die keine Verbindung zum Meer hat) 20 000 Einwohner zählt die Stadt, die sich circa 90 Kilometer nördlich von Tokio befindet. Ich war als Coordinator for International Relations (kurz CIR, zu deutsch: Koordinator für Internationale Beziehungen) in das Rathaus der Stadt Ishibashi gesendet worden.

Nach 3 Jahren war mein Vertrag in Ishibashi beendet, ich kehrte nach Deutschland zurück und arbeitete 6 Monate für einen japanischen Konzern als Dolmetscherin für das japanische Produktionsmanagement. Das Heimweh war wohl stärker und ich reiste gemeinsam mit meinem Partner wieder in das Land des Lächelns und setzte meine Arbeit ab August 2007 fort.

Unser Japan-Abenteuer endete zunächst am 23. Juni 2009 mit unserem Rückflug nach Deutschland, doch zu Ende ist es noch lange nicht Meine Erfahrungen während meiner insgesamt 5 Jahre als CIR möchte ich mit jenen verknüpfen, die sich nicht unbedingt im Arbeitsumfeld abspielten, aber doch irgendwo zu einem Stück Arbeit wurden und genau diese Überschneidung machte mein Leben in Japan interessant, spannend, manchmal auch ein wenig anstrengend, aber zweifelsohne lebendig und somit lebenswert.

In dem Moment, als ich für den Artikel meiner Heimatzeitung zusagte, hatte ich so viele Gedanken im Kopf, womit ich diesen Bericht füllen könnte, sodass es mir letztendlich schwerfällt, einen runden Titel mit ebenso rundem Inhalt zu verfassen. Es gibt einfach zu vieles zu berichten, was meinen Aufenthalt in Japan ausmachte und immer noch ausmacht und ein Kommentar meiner Uni-Professorin fasst das Ganze recht gut zusammen, meine ich: Erlebt man Japan eine Woche lang, schreibt man ein Buch, verlebt man einen Monat in Japan schreibt man einen Zeitungsartikel.

LEBT man in Japan, schreibt man gar nichts mehr. Doch bleibt mir nichts anderes übrig, als nun doch einen Artikel zu schreiben. Der Grund für eine CIR-Stelle in Ishibashi bzw. Shimotsuke ist die Städtepartnerschaft mit Dietzhölztal, einer Kleinstadt im hessischen Bergland. Auch gibt es seit 13 Jahren einen Sommersprachkurs mit circa 6 bis 8 Studenten aus München, die 2 Wochen in Gastfamilien verbringen und japanische Kultur zum Anfassen erleben.

Meine Aufgabe bestand darin, diese Austausche zu betreuen: die gesamte Kommunikation wie Teilnehmerlisten, Besuchsablauf, Vermittlung der Gastfamilien, Dolmetschen während des Besuches, nicht nur bei offiziellen Anlässen sondern während des ganzen Programms, Rund-um-die-Uhr-Betreuung, Mittler zwischen den Gästen und dem Rathaus und den Gästen und den Gastfamilien. Dies alles wird über den CIR kommuniziert und ist sicherlich eine der anstrengendsten, aber zweifelsohne auch einer der spannendsten Aufgaben. (Teil 3 folgt)


Zur Person


Die gebürtige Torgauerin Ulrike Schlack, geborene Ermel, verbrachte ihre Jugend in Klitzschen. Nachdem sie ihr Abitur in Torgau abgelegt hatte, studierte sie Japanologie (Nebenfächer BWL und Anglistik) an der Universität Leipzig. Nach ihrem Studium arbeitete und lebte sie insgesamt sechs Jahre im Land des Lächelns – in Japan. Seit Sommer vergangenen Jahres ist die 31-Jährige wieder in Deutschland und arbeitet neben ihrer Freiberuflichkeit (Dolmetscherin Japanisch) als Angestellte am Japanischen Honorarkonsulat.

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