Dienstag, 11. Dezember 2018

 
Freitag, 28. Mai 2010

FREIZEIT

Hochzeit einmal anders

Vor der Hochzeitszeremonie und dem anschließenden Gruppenfoto (oben) stand das traditionelle Ankleiden auf dem Plan.Foto: privat

Von unserem Redakteur

Torgau/Tokio/Stuttgart (TZ). Der allergrößte Höhepunkt  meines/ unseres Japanaufenthaltes war unsere Hochzeit in Japan am 8. 4. 2008. Über dieses für uns wie auch unser Umfeld recht außergewöhnliche Ereignis möchte ich Ihnen heute berichten.
Zur Vorgeschichte: Meinen Mann lernte ich in meinem 3. Jahr (2005) in Japan kennen ...

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Torgau/Tokio/Stuttgart (TZ/US). Der allergrößte Höhepunkt  meines/ unseres Japanaufenthaltes war unsere Hochzeit in Japan am 8. 4. 2008. Über dieses für uns wie auch unser Umfeld recht außergewöhnliche Ereignis möchte ich Ihnen heute berichten.
Zur Vorgeschichte: Meinen Mann lernte ich in meinem 3. Jahr (2005) in Japan kennen… wie sollte es anders sein, in einer Kneipe, die Treffpunkt vieler Ausländer aus der Umgebung war.

Diese befand sich in der nächst größeren Stadt, und es war schon ein großer Zufall oder Schicksal(?), dass wir uns an diesem Abend dort trafen, denn mehr als 4-5-mal im Jahr machte ich mich nicht auf den Weg dorthin. Hin und wieder unter Gleichgesinnten zu sein, auch mal wieder Englisch zu sprechen…denn mein (Arbeits-)-Alltag spielte sich auf Japanisch ab … an einer Bar stehend ein Bier im eigenen Tempo zu trinken, machte diesen Ort zu einer beliebten Alternative. In japanischen Kneipen sitzt man meist auf dem Boden und Alkohol wird ständig und immer wieder nachgeschenkt, ob man möchte oder nicht.

Tja, und ab und zu tauchten auch mal Landsleute auf. Wie an jenem Abend! Rudis Aufenthalt in Japan dauerte nur bis zum März 2006, da er als Ingenieur in der Automobilindustrie ein 6-monatiges Projekt zu betreuen hatte. Er kehrte nach Deutschland zurück, nach meiner Rückkehr ab August 2006 wohnten wir gemeinsam in Bonn, bis Rudi dann zu Beginn 2007 nach Japan versetzt wurde, ich reiste im April nach und startete ab August 2007 die 2. Runde CIR im Rathaus.

Da wir nun das große Glück hatten, gemeinsam in Japan leben und arbeiten zu können, beschlossen wir, auch den Bund des Lebens in dem Land zu schließen, welches uns zusammengeführt hat. Wir entschieden uns für die traditionelle Hochzeit am Shinto-Schrein.* Hier muss ich unbedingt hinzufügen, dass wir ohne die großartige Hilfe unserer japanischen Freunde unsere Hochzeit nie hätten realisieren können. Denn als Ausländer kann man nicht einfach so zu einem Schrein gehen und den Schreinpriester um die Trauung bitten, japanisch sprechen allein reicht da nicht.

Japanisch heiraten heißt auch japanische Kleidung tragen: Kimono für die Frau und Hakama (Hosenrock) für den Mann. Das war unser Wunsch. Diese Kleidung kann man nicht einfach so kaufen (dafür könnte man sich einen Kleinwagen leisten) und auch nicht einfach so anziehen, denn das Anziehen bedarf eines Lehrgangs und gewisser Übung und Erfahrung. So haben wir die Sachen mit Hilfe meiner damaligen Nachbarin ausgeliehen und uns auch von ihr ankleiden lassen.

Das Datum hatten wir in den Frühling und in Zeit der Kirschblüte gelegt. Zu dieser beliebten Saison regnet es leider auch sehr viel und zu unserer Hochzeit tat es dies noch dazu wie aus Kannen! Doch laut einem japanischen Sprichwort soll der Regen am Hochzeitstag Glück bringen und bei schönem Wetter heiraten kann jeder, dachten wir! Dazu waren wir durch die von Freunden aufgebauten Zelte weitgehend vor Wind und Regen geschützt und die Stimmung war, auch unabhängig vom Wetter, verdammt gut.

Unsere Idee war es, auch westliche Elemente in diesen Tag mit einzubringen, so erlebten unsere 100 Gäste einen Sektempfang am Schrein mit zusammengesteckten Plastik-Sektgläsern aus dem Großmarkt. Diese hatten wir beim Weihnachtsbesuch in Deutschland gekauft und zusammen mit der Garderobe für den Abend mit dem Schiff nach Japan versendet. Zum Sekt gab’s Erdbeertorte, und sogar das Lokalfernsehen und die Lokalzeitung sind erschienen und wollten sich die Ausländer in Kimono und Hakama nicht entgehen lassen.


Die Zeremonie selbst, die nur engsten Angehörigen vorbehalten ist, fand im Innern des Schreins statt. Dort fanden 25 Leute Platz: unsere Eltern, Geschwistern, Freunde aus dem Ausland (insgesamt 13 Leute waren aus der Ferne angereist) und unsere engsten Freunde in Japan. Auch im Shinto-Glauben wird man „gesegnet“ und man gibt einen gemeinsamen Schwur ab, diesen mussten wir auf Japanisch vortragen.

In Form von Blättern werden Opfer an den Schrein übergeben, was sozusagen die erste gemeinsame Aufgabe als Eheleute darstellt. Die Blätter werden vom Shinto-Priester an das Brautpaar übergeben und in festgelegter Art und Weise auf den Altar gelegt, das Gleiche machen dann die „Trauzeugen“: in unserem Fall meine Mutter und Rudis Vater.

Die zweite Aufgabe als Ehepaar ist das gemeinsame Trinken von Sake aus goldenen Schälchen, die man zum Andenken auch übergeben bekommt. Daran anschließend bekommen auch alle Gäste im Schrein ein kleines Schälchen mit Sake, dies wird dann gemeinsam getrunken und somit die Ehe auch durch die Angehörigen und Freunde besiegelt. (Natürlich hatten  wir den Ablauf im Vorhinein mit dem Priester besprochen, geprobt und auch den Schwur zum Üben mit nach Haus bekommen. Mit unseren Gästen aus dem Ausland, die der japanischen Sprache nicht mächtig waren, haben wir das Ganze ebenfalls abgesprochen und den Ablauf mit häufigem Aufstehen und Hinsetzen mehrere Male geprobt!)

Nach dem 20-minütigen Zeremoniell im Schrein verlässt der Priester, gefolgt vom Brautpaar und den Gästen, wieder den Schrein. Nun waren alle Kameras auf uns und unsere Gäste gerichtet, doch es dauerte, bis sich alle zum Fototermin aufgestellt hatten, denn Schuhe mussten beim Betreten des Schreins natürlich ausgezogen, nun wiedergefunden und wieder angezogen werden.

Mein Brautstrauß wechselte im Anschluss noch standesgemäß die Besitzerin – auch dies ein Element aus der westlichen Welt – wie auch die Tradition, die Braut durchs Herz zu tragen, welches man gemeinsam ausschneidet. Freunde hatten diese schöne Idee mitgebracht, und unsere japanischen Gäste staunten, bewegten den Finger nicht mehr weg vom Auslöseknopf der Kamera, denn so etwas kannte man nicht im Land des Lächelns.

Am Abend wurde in etwas kleinerer Runde (70 Leute) in einem Restaurant mit tollem Blick auf Utsunomiya City (die Hauptstadt der Präfektur, in der wir 2 Jahre gemeinsam wohnten) weiter gefeiert und alle haben sich köstlich über unsere Baby- und Teenagerfotos amüsiert, die unsere Eltern per Beamer präsentierten. Es war einfach wunderschön, mit unseren Familien und Freunden diesen Tag zu erleben – leider ging alles viel zu schnell vorbei...

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an Familie und Freunde, die dieses Abenteuer mitgemacht haben und an alle, die dabei waren – sei es persönlich oder auch nur in Gedanken. Wir werden diesen für uns so besonderen Tag ganz bestimmt nie vergessen, genießen bereits unser drittes Jahr als Eheleute und freuen uns auf das, was kommt, in Deutschland.

* In Japan wird man üblicherweise im Shinto-Glauben geboren und auch verheiratet. Diese Zeremonien finden an Shinto-Schreinen statt, die oft an großen, meist roten Holz- oder Steintoren zu erkennen sind. Der Tod gehört allerdings zum Buddhismus und man wird an einem Tempel im buddhistischen Glauben beerdigt.
Fast alle Japaner sind im Grunde Shintoisten, verfolgen aber gleichzeitig noch andere Religionen wie zum Beispiel das Christentum oder den Buddhismus. Nur 4% der Bevölkerung sind reine Christen.



Zur Person

Die gebürtige Torgauerin Ulrike Schlack, geborene Ermel, verbrachte ihre Jugend in Klitzschen. Nachdem sie ihr Abitur in Torgau abgelegt hatte, studierte sie Japanologie (Nebenfächer BWL und Anglistik) an der Universität Leipzig. Nach ihrem Studium arbeitete und lebte sie insgesamt sechs Jahre im Land des Lächelns – in Japan. Seit Sommer vergangenen Jahres ist die 31-Jährige wieder in Deutschland und arbeitet neben ihrer Freiberuflichkeit (Dolmetscherin Japanisch) als Angestellte am Japanischen Honorarkonsulat.


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