Samstag, 15. Dezember 2018

 
Dienstag, 30. August 2011

LOKALGESCHEHEN

Hartmut Fischer (Avancis): "Globales Geschäft von Torgau aus ist die Hölle"

Groß war das Interesse an den Ausführungen der Bundesvertreter zum viel diskutierten Straßenbauprojekt. Foto: TZ/C. Wendt

von unserer Redakteurin Eileen Jack

Torgau (TZ). Entspannte Gesichter sehen anders aus. Die Enttäuschung stand den Verfechtern der vierspurigen B 87n gestern ins Gesicht geschrieben. Zu deutlich fielen die Worte des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesverkehrsministerium, Jan Mücke, aus. Bereits vor der offiziellen Gesprächsrunde im Haus der Presse hatte es ein gemeinsames Mittagessen gegeben, bei dem es offensichtlich auch emotional heiß herging.

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Torgau (TZ). Entspannte Gesichter sehen anders aus. Die Enttäuschung stand den Verfechtern der vierspurigen B 87n gestern ins Gesicht geschrieben. Zu deutlich fielen die Worte des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesverkehrsministerium, Jan Mücke, aus. Bereits vor der offiziellen Gesprächsrunde im Haus der Presse hatte es ein gemeinsames Mittagessen gegeben, bei dem es offensichtlich auch emotional heiß herging. Das zumindest war aus den Worten von IHK-Präsident Wolfgang Topf zu schließen. „Wir treffen heute eine Vorentscheidung, ob wir weiter kämpfen, ob die Bevölkerung und die Wirtschaft künftig noch in die Politik vertrauen können. Letzteres haben wir schon einmal. Denn im Vertrauen auf die Politik haben wir das Projekt A 16 dazumal auf die B 87n zurückstufen lassen. Und jetzt müssen wir erfahren, das war alles nur Spaß? Dabei ist es doch eine kleine Sensation in Deutschland, dass länderübergreifend Politik und Wirtschaft für eine Straße kämpfen. Wenn wir den Straßenbau jetzt nicht durchsetzen, dann geben wir die Region strategisch auf“, so seine Worte.

Ähnlich formulierte es auch Torgaus Oberbürgermeisterin Andrea Staude.  „Wir sind hier ein Mittelzentrum im ländlich strukturierten Bereich mit einer schwachen Verkehrsinfrastruktur. Wir haben Bundes-, Staats- und auch Kreisstraßen, die zum Teil so schmal sind, dass sie nicht einmal einen Mittelstreifen haben und auf denen sich Lkw nicht gefahrlos begegnen können. Deshalb haben wir damals massiv die Aufwertung der Verkehrsinfrastruktur gefordert und hatten mit der Aufnahme der B 87n in den Bundesverkehrswegeplan Erfolg. Es geht hier um das Überleben einer gesamten Region. Es gibt Unternehmen, die sich mit Bauchschmerzen erweitert haben, aber auch erst nach der Verankerung des Projektes im Bundesverkehrswegeplan. Andere wollen der Region den Rücken kehren, ändert sich nichts an der Infrastruktur“, so die Oberbürgermeisterin.

Auch führte Andrea Staude noch einmal die übermäßige Belastung durch den Schwerlastverkehr ins Feld, betonte die Dringlichkeit einer Ortsumgehung für Torgau und bezeichnete die Fahrzeit nach Leipzig von eineinhalb bis zwei Stunden für einen Lkw als unzumutbar. „Ich bringe gern noch einmal den Vergleich, den Herr Naumann von der Flachglas GmbH schon in Berlin verdeutlichte. Das Projekt soll voraussichtlich 360 Millionen Euro kosten. Saint Gobain hat allein in den letzten Jahren über 300 Millionen Euro in den Standort Torgau investiert und will das noch weiter tun.“ Das hat eigentlich auch die Saint-Gobain-Tochter Avancis vor. Geschäftsführer Hartmut Fischer verdeutlichte deshalb gestern noch einmal die Wichtigkeit der B 87n für sein Unternehmen. „Wir haben in den letzten drei Jahren deutlich über eine dreistellige Millionensumme investiert. Torgau ist unser Hauptquartier. Aber wir haben auch noch ein neues Projekt in Korea und einen weiteren Standort in München, sind also viel unterwegs. Wir stehen ständig vor der Frage, wo in Zukunft unser Hauptquartier sein wird. Und globales Geschäft von Torgau aus ist momentan einfach die Hölle. Deshalb ist der schnelle Ausbau der B 87 für uns extrem wichtig“, erklärte Hartmut Fischer.

Transportunternehmer Konrad Theobald brachte noch einmal ganz andere Kriterien ins Spiel. So habe die Region um Torgau doch einige Besonderheiten. Zum einen befinde sie sich mitten im Dreiländereck, würde zum anderen durch einen Strom – die Elbe – geteilt und schließlich spiele auch die Bahn der Region immer wieder neue Streiche. Einer sei der seit Jahren immer wieder hinausgezögerte aber bitter nötige Bau der Straßenbrücke über die Eisenbahngleise. Torgaus Stadtrat Peter Deutrich nannte die ganze Debatte um den Bau oder Nichtbau einer vierspurigen B 87n ein politisches Prob-lem. „Die Region darf von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Wer gibt uns denn eine Garantie, wie es in fünf Jahren hier weitergeht? Die Bevölkerung nimmt ihnen einfach nicht ab, dass kein Geld da ist“, so Deutrich.

Pro Vierspurigkeit sprach gestern erneut auch Nordsachsens Landrat Michael Czupalla. „Ich möchte die Fertigstellung der Straße aber auch noch erleben.“ Die Kreise Nordsachsen und Elbe-Elster haben viel gemeinsam, stellte Landrat  Christian Jaschinski aus Herzberg gestern noch einmal fest. Auch die Bürger und Unternehmer aus der Region Elbe-Elster hoffen auf den Ausbau der B 87. „Sie hat eine Erschließungsfunktion für insgesamt 2000 Klein- und Kleinstunternehmen aus unserem Kreis. Deshalb dringen wir auf einen schnellstmöglichen Baubeginn“, so der Herzberger. 

Sämtliche Statements am gestrigen Tag zeigten, dass die B-87n-Verfechter vor Ort nicht aufgeben wollen. Das versicherte auch Ralf Scheler, neuer Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig. „Es ist schon so viel Geld in den Wirtschaftsraum geflossen. Das wäre doch alles für die Katz, wenn wir den letzten Schritt nicht auch noch gehen und diese verdammte Straße bauen. Eine ländliche Region entwickelt sich durch Straßen und nicht andersherum. Gehen Sie davon aus, dass wir weiter kämpfen“, legte er dem Staatssekretär nahe. In Vertretung des Tauchaer Bürgermeisters bat Barbara Stein, Fachbereichsleiterin Bauwesen der Stadt Taucha, Jan Mücke, beim Bau der Straße die Belange der Tauchaer nicht zu vergessen. Sie stellte noch einmal klar, dass die Stadt hinter dem Projekt B 87n steht, jedoch auf die nördliche Trassenführung und eine Ortsumgehung dringt.

Regelrechte Zweifel an den Ausführungen des Staatssekretärs sowie den von ihm ins Feld geführten Verkehrsprognosen hatte Iris Schülzke, Amtsdirektorin aus Schlieben. „Wenn wir die Wirtschaft nicht voranbringen, dann werden sich Unternehmen zurückziehen. Sollen wir dann alle Hartz IV abholen?“, so ihre Frage an den Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, der gleich zu Beginn seiner Ausführungen klarstellte, dass er mit Kritik leben könne. „Deshalb schockt mich nichts von dem, was ich von meinen Vorrednern gehört habe“, erklärt Jan Mücke und hielt sich in der gesamten Debatte an Schlagwörtern wie den objektiven Planungsrichtlinien und dem Kosten-Nutzen-Effekt fest. Abschließend bedankte sich Gesprächs-Organisator Manfred Kolbe (MdB) noch einmal bei allen Beteiligten, nicht ohne jedoch den Staatssekretär noch einmal ins Gebet zu nehmen und ihn zu bitten, die Entscheidungen gegen den vierspurigen Ausbau der B 87n noch einmal zu überdenken.

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