Mittwoch, 19. September 2018

 
Mittwoch, 7. März 2012

LOKALGESCHEHEN

B 87n kommt definitiv nur dreispurig

Holger Wohsmann ist seit Januar neuer Chefplaner für die B 87n im Sächsischen Ministerium und erläuterte in der Sitzung des Regionalen IHK-Arbeitskreises den aktuellen Planungsstand rund um die B 87n. Foto: TZ/Kraut

von unserer Redakteurin Eileen Jack

Torgau (TZ). Nichts Neues in Nordsachsen, wenn es um den viel diskutierten und lang ersehnten Bau der B 87n geht. Dieser Eindruck zumindest entsteht nach der Sitzung des Regionalen Arbeitskreises der IHK am Montag im Haus der Presse.

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Torgau (TZ). Nichts Neues in Nordsachsen, wenn es um den viel diskutierten und lang ersehnten Bau der B 87n geht. Dieser Eindruck zumindest entsteht nach der Sitzung des Regionalen Arbeitskreises der IHK am Montag im Haus der Presse. Vier Vertreter des Sächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr waren geladen, um über den aktuellen Sachstand, das Projekt B 87n betreffend, zu berichten. Dr. Peter Galiläer, Referatsleiter Strategie und Planung, berief sich gleich zu Beginn seiner Ausführungen auf die Aussagen des Parlamentarischen Staatssekretärs Jan Mücke vom vergangenen Jahr, betonte, dass ein komplett vierstreifiger Ausbau der Bundesstraße von Leipzig bis Torgau nicht gerechtfertig sei. In diesem Moment war sicher allen Anwesenden klar – das Projekt B 87n, wie es sich die Region Nordsachsen wünscht, wird es nicht geben. „Mit einer überdimensionierten Planung setzt man das Projekt gänzlich aufs Spiel“, stärkte Ministeriumsmitarbeiter Holger Wohsmann dem Referatsleiter den Rücken.

Im August vergangenen Jahres hat Galiläers Amt offiziell den Planungauftrag angenommen und erst einmal die in den vergangenen Monaten immer wieder viel zitierte Verkehrsprognose für 2025 herangezogen. Ergebnis dieser sei eben die Festlegung, dass zwischen Leipzig und Eilenburg ein vierstreifiger Ausbau realisiert werden soll, auf dem Rest der Strecke in Richtung Torgau aber nicht mehr. „Der prognostizierte Verkehr rechtfertigt nichts anders als die Dreistreifigkeit. Deshalb haben wir unsere Einschätzung auch dem Bundesministerium so vorgelegt. Und so werden auch die weiteren Planungen betrieben“, verdeutlichte der Dr. am Montagabend. Mitarbeiter Holger Wohsmann, der einen ausführlichen Vortrag vorbereitet hatte, tutete natürlich ins gleiche Horn.

Dabei ist Wohsmann gemeinsam mit seinem Team erst seit Januar für das Projekt B 87n zuständig, musste sich in den vergangenen Tagen also erst einmal mit den aktuellen Gegebenheiten vertraut machen. Er selbst hielt diesen Sachverhalt für nicht weiter tragisch, denn „alle drei Neue sind Planungsfachleute. Wir wollen das Vorhaben so schnell wie möglich mit Leben erfüllen“, sagte Wohsmann den Anwesenden im Haus der Presse zu. Im Anschluss stellte er die nächsten Schritte bis zu einem möglichen Baubeginn vor. Derzeit befindet sich das Projekt im Raumordnungsverfahren, das jedoch pausiert. „Das Raumordnungsverfahren ruht deshalb, weil die Bundesregierung gesagt hat, Eure 360 Millionen Euro teure Trasse kommt uns nicht mehr in den Verkehrsplan. Überprüft das Projekt“, erklärte Dr. Peter Galiläer. Dem Raumordnungsverfahren schließt sich die Linienbestimmung an. Der folgt der Vorentwurf und diesem das Planfeststellungsverfahren. Letzter Punkt vor einem Baubeginn ist die Ausführungsplanung.

Bis also überhaupt ein Startschuss für den Bau welchen Teilabschnitts auch immer gegeben wird, gehen noch rund sieben bis acht Jahre ins Land. Auch das verdeutlichten die Ministeriumsvertreter am Montag. Darüber hinaus erklärte Holger Wohsmann, dass auch das neue Planerteam bei der Vorzugsvariante durch die Parthenaue bei Taucha bleibt. Die von den Gegnern angesprochenen Differenzen seien mit relativ wenig Aufwand auszumerzen, so die Einschätzung des Experten. Für Überraschung sorgte die Ankündigung, zwischen Mockrehna und Torgau die bereits durch das AOSI-Projekt geschaffene Dreispurigkeit in die neue Trasse einzubetten. Die in diesem Fall noch ausstehenden Abschnitte vier und fünf, sprich zwischen den Abzweigen Gräfendorf und Klitzschen und am Abzweig Melpitz, könnten relativ schnell realisiert werden, kündigte Holger Wohsmann an und sagte gleichzeitig zu, dass auch eine Nachbesserung der vorhandenen Abschnitte erfolgen wird, vor allem was die Verknüpfungspunkte mit Nebenstraßen angeht.

Bezüglich des fünften Bauabschnitts sei auch bereits mit dem Unternehmen HIT-Holz wegen dessen Planungen für die nächsten Jahre gesprochen worden. „Beide Vorhaben sollen doch miteinander korrespondieren“, betonte Wohsmann in seinen Ausführungen. Wenn der Ministeriumsmitarbeiter übrigens von einer relativ schnellen Umsetzung spricht, dann ist Folgendes gemeint: In ein bis zwei Monaten vom jetzigen Zeitpunkt an könnte eventuell der Antrag auf Planfeststellung für beide Abschnitte gestellt werden. Das nähme ohne Einwände einen Zeitraum von rund einem Jahr in Anspruch. Vorher wäre kein Baubeginn möglich.

Torgaus Oberbürgermeisterin Andrea Staude hielt es nach dem Vortrag des Ministeriums zur B 87n am Montag kaum noch auf dem Stuhl, so viele Fragen hatten sich währenddessen offensichtlich in ihr angestaut. Vor allem die Verkehrsprognose schien sie zu beschäftigen.
„Die A 38 wurde doch auch gebaut, ohne dass Millionen Fahrzeuge anstanden, und zwar weil die Notwendigkeit bestand, den Südraum Leipzig weiterzuentwickeln. Heute ist das Verkehrsaufkommen enorm gewachsen. Wenn man aber keine Straße anbietet, dann kommt auch kein Verkehr. Die Abstufung des Projektes ist doch nur daraus entstanden, dass wir seit 20 Jahren darauf warten, dass hier etwas passiert“, machte die Oberbürgermeisterin ihrem Ärger Luft. Hätte man ihr am Montag ein entsprechendes Papier vorgelegt, hätte sie nach eigener Aussage unterschrieben, „dass bei einem vierstreifigen Ausbau der B 87 der Verkehr in zwei Jahren dicke ausreichen würde, um die Straße zu rechtfertigen.“ Aus Sicht Wohsmanns hinkt der Vergleich, da bei der B 87n anders als bei der A 38 keine weiteren Anschlussprojekte geplant seien.

Neben verschiedenen Details beschäftigte die Vertreter der Wirtschaft und der Stadt Torgau aber vor allem der zeitliche Rahmen, der für die nächsten Schritte festgesetzt ist. Nach wie vor ruht das besagte Raumordnungsverfahren. Das aber soll in Kürze wieder aufgenommen werden. Im Vorfeld wurde eine erneute Kostenprüfung erstellt. Die Unterlagen dazu befinden sich bereits seit Ende Januar in Bonn beim zuständigen Ministerium. Dr. Peter Galiläer rechnet fest mit einem Konsens, der die letzte Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Raumordnungsverfahrens sein dürfte. Eine Zusage des besagten Ministeriums in Bonn erwartet Galiläer im Frühjahr 2012. Das können die Nordsachsen inzwischen nur noch hoffen. Denn mit ihrer Geduld scheinen sie inzwischen so gut wie am Ende. „Vor drei Jahren war ich bei einer ähnlichen Beratung in Pressel. Damals hatte ich den Eindruck, wir sind schon viel weiter. Heute klingt das Ganze aber eher danach, dass wir über ein Kind reden, das wir noch nicht einmal angesetzt haben, und das, obwohl wir das Thema seit über 20 Jahren auf dem Teller haben“, beklagte sich zum Beispiel Wilfried Naumann, Geschäftsführer der Schildauer Fleisch- und Wurstwaren GmbH. Das 20-Jahre-Argument ließ Dr. Peter Galiläer, Referatsleiter im SMWA, nicht gelten. „Das kommt immer bei noch nicht realisierten Projekten, nur weil nach der Wende alles auf einmal gewollt wurde“, so seine Meinung.

Auch Ullrich Fiedler, erster Beigeordneter des nordsächsischen Landrates übte am Montag Kritik. „Mir fehlt bei der ganzen Planung ein Blick in die Zukunft. Im Landesentwicklungsplan ist die Rede davon, eine Vernetzung mit Polen zu schaffen. Mit dieser Straßenlösung aber wird der europäische Raum bestimmt nicht erschlossen“, so Fiedler. Er empfahl dem Team von Planer Wohsmann, sich die Unterlagen, die dazumal für das Raumordnungsverfahren eingereicht wurden, noch einmal anzusehen, um nicht noch einmal einen Schiffbruch zu erleiden. Vor allem die Haltung der Planer bezüglich der Vorzugsvariante durch die Partehaue bereitet Fiedler Sorgen. Nach der Debatte, an der sich jedoch nur wenige beteiligten, beschloss Wolfgang Topf, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig, die Sitzung des Arbeitskreises, verbunden mit der Ankündigung, sich in diesem Jahr noch einmal zum Thema B 87n zu treffen.


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