Montag, 23. Juli 2018

 
Dienstag, 22. Mai 2012

LOKALGESCHEHEN

Friedhöfe könnten Energie erzeugen

Der Eingangsbereich des Torgauer Friedhofs.Foto: TZ/Archiv

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Nordsachsen (TZ). In weniger als zehn Jahren könnten Friedhöfe in Deutschland nicht nur ihren eigenen Strom selbst erzeugen. Sie sollen sogar als Energielieferanten auftreten.

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Nordsachsen (TZ). In weniger als zehn Jahren könnten Friedhöfe in Deutschland nicht nur ihren eigenen Strom selbst erzeugen. Sie sollen sogar als Energielieferanten auftreten. Diese Vision verfolgt die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas.
Den Anstoß gab der Strellner Friedhof. Die TZ berichtete unlängst darüber, dass dort große Flächen ungenutzt sind und wohl auch bleiben. Der Gemeinderat beschloss daher, diese Flächen zu verkaufen. Auch um Kosten zu sparen, denn die Bewirtschaftung musste die Kommune ja dennoch erledigen. Das Strellner Problem ist keines, das kleine Landgemeinden wie Mockrehna exklusiv haben.

Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas hat ermittelt, dass die über 30 000 deutschen Friedhöfe über nicht mehr benötigte Freiflächen von geschätzten 15 000 Hektar verfügen. Grund dafür sei der seit Jahren zu beobachtende Trend hin zu günstigen, platzsparenden Urnengräbern. Im Auftrag von Aeternitas hat der Landschaftsarchitekt Andreas Morgenroth unter dem Titel „Die Energiewende auf dem Friedhof – Erzeugung und Nutzung regenerativer Energien auf Friedhofsfreiflächen“ verschiedene Vorschläge erarbeitet, um auf den Freiflächen erneuerbare Energien zu erzeugen. „Die Friedhofsträger könnten die Haushalte entlasten und Gebühren senken, weil sie bei ihren Energiekosten und den Pflegekosten für die Freiflächen sparten“, sagt Morgenroth. Aus den bisher sogenannten „Überhangflächen“ würden „Potenzialflächen“.
Aeternitas legt keine für jeden Einzelfall gültigen Konzepte vor, sondern „möchte mit einer Reihe interessanter Ideen zum Nachdenken anregen“, wie der Aeternitas-Geschäftsführer Christoph Keldenich sagt. Morgenroth empfiehlt dazu unter anderem, nachwachsende Rohstoffe wie Holzbriketts, Hackschnitzel oder Biokohle zu nutzen, schnell wachsendes Chinaschilf anzubauen oder Grünabfälle zu vergären. Durch Erdwärme, Kleinwindanlagen, Photovoltaik oder Speicherenergie könnten Friedhofsträger ihre Friedhöfe in das System der Energiewende integrieren. Es wäre darüber hinaus möglich, verstärkt Elektromobile mit selbst erzeugtem Strom zu nutzen. Aeternitas ermuntert die öffentliche Hand und die konfessionellen Friedhofsträger, beim Energieumbau eine Vorreiterfunktion auszuüben. Einzelne Friedhöfe könnten unter Umständen sogar Einnahmen generieren, indem erzeugte Energie, zum Beispiel in Form von Wärme, weiterverkauft würde, kann sich die Verbraucherinitiative vorstellen. Gerade der erwartete Trend, Energie in dezentralen, kleinen Einheiten zu erzeugen, spreche für die Freiflächen auf Friedhöfen.
Leuchttürme
„Wir brauchen gerade im ländlichen Raum Leuchtturmprojekte, denn auch hier passiert die Energiewende“, wirbt Andreas Morgenroth für Mut auch in kleinen Städten und Gemeinden. Natürlich eröffneten sich im ersten Angang zunächst Probleme, die seien aber lösbar, versichert Morgenroth. So gebe es beispielsweise Dienstleister, die die Flächen ohne das Zutun des Trägers bewirtschaften.
Bevor es vor Ort jedoch konkret wird, empfiehlt sich eine sogenannte Potenzialstudie, deren Kosten Morgenroth mit circa 4000 bis 5000 Euro angibt. Dann stehen viele Wege offen. Wie diese aussehen könnten, stellt Morgenroth in seiner Studie dar. Die kann aus dem Internet heruntergeladen werden.
www.bit.ly/JgjfeU

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