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Montag, 5. November 2012

LOKALGESCHEHEN

Nazikonzerte vor der Haustür

Staupitz/Torgau (TZ). Seit einigen Jahren werden in Staupitz nun schon Konzerte mit rechtsextremen Hintergrund registriert. Der Ortsteil von Torgau wandelt sich immer mehr zur sächsischen Hochburg für rechte Musikkultur. Auch deutschlandweit wird diese Entwicklung bereits wahrgenommen. „Immer in die Fresse bis keiner mehr lacht. Wird der Gegner niedergemacht.“, so heißt es in einem Songtext der rechten und gewaltverherrlichenden Band „Kategorie C - Hungrige Wölfe“. Aufgetreten in Staupitz am 21. Juli 2012.

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Staupitz/Torgau (TZ). Seit einigen Jahren werden in Staupitz nun schon Konzerte mit rechtsextremen Hintergrund registriert. Der Ortsteil von Torgau wandelt sich immer mehr zur sächsischen Hochburg für rechte Musikkultur. Auch deutschlandweit wird diese Entwicklung bereits wahrgenommen. „Immer in die Fresse bis keiner mehr lacht. Wird der Gegner niedergemacht. In der Zelle aufgewacht. Trotzdem hat es Spaß gemacht. Terror und Gewalt, Bullerei, Bullerei, der Gegner, der wird abgeknallt“, so heißt es in einem Songtext der rechten und gewaltverherrlichenden Band „Kategorie C - Hungrige Wölfe“. Aufgetreten in Staupitz am 21. Juli 2012. Zuvor waren Konzerte dieser Band Ende 2011 in Bremen und gleich zweimal in Leipzig Anfang 2012 von den jeweiligen Städten verboten worden. „Geniale Lokalität, ausnahmsweise ohne Behördenstress“, hieß es nach dem Staupitzer Konzert auf der Band-Homepage. Seit 2008 werden in dem Torgauer Ortsteil Konzerte mit Musikgruppen aus der rechtsextremen Szene festgestellt: Innerhalb der letzten beiden Jahre fanden insgesamt 16 Veranstaltungen statt.

„So etwas darf es bei uns nie wieder geben“, berichtete eine sichtlich aufgekratzte ältere Dame gegenüber der Torgauer Zeitung. Anlass war ein Artikel der TZ Ende September, der sich mit der Projektgruppe „Chronik LE“ beschäftigte. Die erfassen seit 2008 fremdenfeindliche Ereignisse im Raum Leipzig. Im Rahmen dieser Arbeit wurde nachgewiesen, dass in Staupitz vermehrt Konzerte mit Bands aus der rechtsextremen Szene veranstaltet werden. „Ich habe diese Menschen schon mehrmals in Staupitz gesehen und sie auch dabei erwischt, wie sie Werbung für diese Konzerte im Ort verteilt haben“, berichtet die Frau, die namentlich nicht erwähnt werden möchte. Auch die Staupitzer Ortsvorsteherin Gisela Schenk ist mit der Situation in ihrem Ort schier überfordert: „Ich könnte mich schwarz ärgern über diese Entwicklung. Es ist erschreckend zu sehen, dass Jugendliche auf die rechte Bahn geraten.“ Wundern tut es die Ortsvorsteherin aber kaum: „Die Jugend hier hat doch gar keine Möglichkeiten mehr, ihre Freizeit kreativ und vielfältig zu gestalten. Viele rennen einfach blind und ohne nachzudenken zu solchen Konzerten. Allerdings stammt doch ein Großteil der Besucher von außerhalb. Wahnsinn, was hier manchmal für Autos stehen, mit Kennzeichen aus ganz Deutschland“, berichtet Gisela Schenk, um anschließend ihre Machtlosigkeit darzustellen: „Was sollen wir Bürger denn machen. Wenn wir uns mit einer brennenden Kerze davor stellen, ändert sich auch nichts. Es muss etwas von oben geschehen.“ Gemeint ist in diesem Fall kein Zeichen von Gott, sondern die Tätigkeit der oberen Behörden. In dem Fall das Torgauer Ordnungsamt und die Polizei.

Der Pressesprecher der Polizeidirektion Westsachsen, Michael Hille, bestätigt gegenüber der TZ die zahlreichen Veranstaltungen der rechten Szene und erklärt die geringe Handhabe: „Die Zeiten, in der die Polizei die politische Gesinnung der Bürger prüft, ist vorbei. Wenn keine Straftaten begangen werden, dürfen wir auch nicht eingreifen.“ Heißt also in diesem Fall: Treten auf den Veranstaltungen keine verbotenen Bands auf, darf die Polizei nicht eingreifen. Problem hierbei: Da die Musikgruppen oft unter wechselnden Namen spielen und ihre Musik selten bis kaum auf CD veröffentlichen, kann der Verfassungsschutz die Inhalte der Musikgruppen kaum prüfen. Da die Konzerte in der ehemaligen Staupitzer Gastwirtschaft privat veranstaltet werden, darf die Polizei nicht dauerhaft der Veranstaltung beiwohnen und prüfen, ob verfassungsrechtliche Straftaten begangen werden. „Wir können nur außerhalb die Kontrollen durchführen. Geprüft wird dann, ob die Besucher Drogen, Waffen oder verbotene Symbole an der Kleidung tragen.“ Doch da vor den Konzerten im Internet auf den einschlägigen Blogs dazu aufgerufen wird, eben auf dieses zu verzichten, ist die Erfolgsquote der Polizei gering.
Auch das Ordnungsamt, steht nach eigenen Aussagen eher machtlos den Geschehnissen gegenüber. „Wenn wir Hinweise auf Konzerte mit rechtem Hintergrund bekommen, dann können wir das nur der Polizei melden“, meint Anke Eckert, Amtsleiterin vom Torgauer Ordnungsamt. Problematisch seien vor allem die geringen Informationen, die man zu den Musikgruppen und den Veranstaltungen habe. Den Hinweis, dass es im Internet zahlreiche Blogs gäbe, die eben über diese auch im Vorfeld berichten, tat Frau Eckert im TZ-Gespräch ab, da diese Quellen eher unseriös seien. Generell kann sie die vermehrte Berichterstattung über die rechte Musikszene in Staupitz nicht verstehen: „Das ist jetzt so eine Welle, auf die viele aufspringen. Die Konzerte gibt es doch schon so lange.“

Unter diese mediale „Welle“ fällt dann wohl auch ein Artikel der überregionalen Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 29. Oktober. In der Online-Ausgabe wurde der Artikel mit der Überschrift „RechtsRock boomt in Sachsen“ veröffentlicht. Inhaltlich geht es um das letzte Konzert in Staupitz, welches am vorigen Wochenende veranstaltet wurde. Darin heißt es unter anderem: „In Sachsen finden im Bundesvergleich mit Abstand die meisten extrem rechten Konzerte statt, allein im vergangenen Jahr spielte sich fast ein Viertel davon in einem Gasthof im nordsächsischen Staupitz ab. Die Ortschaft unweit der Stadt Torgau ist in den letzten Jahren zu einem der landesweit wichtigsten Orte für extrem rechte Konzerte geworden. (...) Neben dem einschlägigen Musik- und Szene-Versand Rebel-Records aus dem brandenburgischen Cottbus, der das Konzert unterstützte, bewarben auch Thüringer Neonazis wie die „Aktionsgruppe Nordhausen“ die Veranstaltung.“
Befragt man die Staupitzer Bewohner zu dieser Entwicklung wird vor allem deutlich, dass sie wütend über den schlechten Ruf ihres Dorfes sind: „Wir können doch nichts dafür, dass die sich hier treffen“, oder „Es ist sehr schade, dass wir fälschlicherweise mit den Rechten gleichgesetzt werden“, so der Tenor der meisten befragten Staupitzer.

Registrierte Nazi-Konzerte 2012 in Staupitz:
27.10.2012: NS-Hardcore-Bands Painfull Awaking und Moshpit spielten in Staupitz.
18.08.2012: Nach Angaben des Sächsischen Innenministeriums spielten „White Rebel Boys“, besucht wurde das Konzert von circa 160 Personen.
21.07.2012: Am Sonnabend ist die bekannte Nazi-Hool-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ in der bekannten Nazi-Konzert-Location in Staupitz (Torgau) aufgetreten.
07.07.2012: Nach Angaben des Sächsischen Innenministeriums fand im Torgauer Ortsteil Staupitz ein Neonazi-Konzert mit den Bands „Legion of Thor“, „D.S.T.“ alias „X.X.X.“ (Berlin) und „Tätervolk“ statt. Besucht wurde das Konzert von 150 bis 160 Personen.
21.04.2012: Das zynisches Motto des Konzerts lautete „Kraft durch Musik“ in Anlehnung an „Kraft durch Freude“ (KdF), laut Flyer sollen die Nazibands „Burn Down“,  „Stimme der Vergeltung“ und „Frontfeuer“ aufgetreten sein.
31.03.2012: Auf dem NSHC*-Konzert unter dem Motto „Ein Sturm zieht auf…“ soll auch die ungarische „Blood & Honour“-Band „Fehér Törvény“ aufgetreten sein. NSHC = „National Sozialist HateCore“
04.02.2012: Zum wiederholten Mal hat im nordsächsischen Staupitz (Ortsteil von Torgau) ein Neonazi-Konzert stattgefunden. Laut dem Internetblog „Oire Szene“ wurde das Konzert auch von „Blood & Honour UK“ beworben. In einem Konzertbericht, veröffentlicht im neonazistischen Thiazi-Forum, ist von circa 200 Besuchern die Rede.

Alle Staupitzer Konzerte in der Übersicht.

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