Freitag, 24. November 2017

 
Samstag, 16. Februar 2013

LOKALGESCHEHEN

Kleine Elektroschocks und große Hunde

Gabriele Dorn (li.) und Sylke Köhler (re.) sortieren und zählen die Post, bevor sie ausgeliefert wird. Foto: K. Engel

Von Kristin Engel

Torgau (TZ). Mit Katzen kennt sich Kristin Engel nach ihrem Test im Arzberger Tierheim ja bestens aus. Als „Logistiker“ weiß sie nun auch, wie man als Briefträger mit lautem Hundegebell umgeht. Mein nächster Job führte mich zur Kraftverkehr Torgau Citypost GmbH.

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Torgau (TZ). Mit Katzen kennt sich Kristin Engel nach ihrem Test im Arzberger Tierheim ja bestens aus. Als „Logistiker“ weiß sie nun auch, wie man als Briefträger mit lautem Hundegebell umgeht. Mein nächster Job führte mich zur Kraftverkehr Torgau Citypost GmbH. Meine Schicht begann um sieben, doch als ich in den erst unlängst sanierten Arbeitsräumen am Repitzer Weg 7 in Torgau ankam, waren meine neuen Kollegen bereits seit drei Uhr beziehungsweise vier Uhr auf den Beinen. Sylke Köhler, Leiterin des Sortierzentrums der Kraftverkehr Torgau Citypost GmbH, begann als Erstes, mich über das wichtige Thema Datenschutz und Postgeheimnis zu informieren und über deren Einhaltung zu belehren,denn mit diesen Verordnungen werden der Schutz aller personenbezogenen Daten der am Postverkehr Beteiligten geregelt. „Es kommen pro Tag mehrere Tausend Postsendungen von gewerblichen, öffentlichen und privaten Absendern zur Zustellung durch unsere Mitarbeiter. Diese müssen gezählt und nach Zustellbezirken sortiert werden.

Das erfordert bereits am frühen Morgen sehr viel Konzentration“, sagte Sylke Köhler. Des Weiteren werden durch die Kurierfahrer auch Nachlieferungen der „Torgauer Zeitung“ ausgeführt. Die Kurierfahrer der Kraftverkehr Torgau Citypost GmbH sortieren die Post so vor, dass sie die optimale Route fahren können, denn sie beliefern nicht nur die Zusteller mit Post, sondern stellen in bestimmten Orten unseres Landkreises auch selbst zu. Also alles ab ins Auto und es konnte losgehen. Für diesen Tag war ich die Assistentin von Kathrin Patommel. Sie arbeitet bereits seit einigen Jahren in diesem Beruf und konnte mir alles Wichtige erklären. Unsere Strecke führte uns unter anderem von Torgau über Dommitzsch bis zur Landesgrenze hinter Greudnitz, bevor es dann zurück nach Torgau gehen konnte. Oberste Priorität hatten zuerst die großen Taschen mit den Briefen für die Zusteller. Diese Mitarbeiter befördern die Post dann in den jeweiligen Ortschaften mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu den Empfängern. Da jeder seine Post oder Zeitungen und Zeitschriften pünktlich und zuverlässig im Briefkasten haben möchte, düsten wir auf schnellstem Wege zu den Zustellern.

Danach begannen wir selbst mit der Postzustellung. Einer rechts, der andere links. So flitzten wir zu den Briefkästen. Alles kein Problem, dachte ich. Bis ein großer Hund vom Nachbargrundstück mit tosendem Gebell auf mich zugerast kam. Ich machte vor Schreck einen riesigen Sprung zur Seite und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich dachte immer, dass die Geschichten mit den Briefträgern und den Hunden eine große Übertreibung seien. Doch da hatte ich mich wohl geirrt. „Einige Hundeattacken gab es bei uns auch schon mal“, erzählte mir Kathrin Patommel. „Bei einem Kollegen saß auch mal ein Hund plötzlich auf dem Beifahrersitz. Er musste seine letzte Verpflegung opfern, um den Hund wieder aus dem Auto zu bekommen.“ Kathrin Patommel konnte mir während unserer Fahrt viele solcher Geschichten erzählen. So wurde unsere kleine Nordsachsenreise auch nicht langweilig. Auch die Sonne lachte uns an diesem Vormittag entgegen. Doch bald lag der nächste Ort vor uns und es hieß wieder abschnallen, anschnallen, abschnallen, anschnallen.

Es gibt – neben den Hundeattacken – auch Tücken beim Zustellen der Post. Denn neben „normaler“ Tagespost liefern die Mitarbeiter der Kraftverkehr Torgau Citypost GmbH auch Einschreibsendungen und amtliche Schriftstücke mit rechtswirksamer Zustellung (PZA) aus. Dafür werden die Mitarbeiter gesondert geschult. Es gab auch einige Empfänger, die uns unsere Arbeit schwer machten. Und zwar die, welche weder einen Namen am Briefkasten hatten noch eine Türklingel besaßen oder keine Hausnummer am Gebäude zu sehen war. „Auch wenn die Straße und die Hausnummer stimmt, dürfen wir die Post nicht in den Briefkasten werfen, wenn er nicht namentlich gekennzeichnet ist“, berichtet mir meine Kollegin. So kam der Brief wieder mit zurück, um später den Empfänger zu ermitteln.

Unsere letzte Station sollten die Gewerbegebiete in Torgau sein. Gerade angekommen, bekamen wir einen Anruf. Ein Empfänger aus Dommitzsch vermisst seine Torgauer Zeitung. Für solche Fälle befinden sich immer ein paar Exemplare der „TZ“ in jedem Kurierfahrzeug. Also wendeten wir und fuhren noch einmal komplett zurück. Einschätzen, wann genau Feierabend ist, ist hier nicht möglich, bemerkte ich schnell. Zurück im Gewerbegebiet in Torgau angekommen, stellten wir die letzten Sendungen zu. Doch ich betrachtete die vielen Briefkästen nun mit anderen Augen. Denn ich konnte nie wissen, wann dieser sich wieder wehrte. Beim Öffnen der Klappen zuckte oft ein kleiner Blitz durch meine Finger. Wieder und wieder machte es zzzt und ich bekam einen kleinen Schlag. „Gut, dass es nicht nur uns so geht“, lachte Kathrin Patommel, als ich ein weiteres Mal versuchte, den Briefkasten mit meinem Jackenärmel zu öffnen. Nach dem letzten kleinen Blitz, hatten wir es geschafft. Im Laderaum unseres Autos befanden sich nur noch die Taschen mit den nicht zustellbaren Sendungen und wir traten den Rückweg an. Nachdem die Taschen der Zusteller wieder einsortiert waren, war auch meine Schicht vorüber.

Ich hatte einen angenehmen Arbeitstag bei der Kraftverkehr Torgau Citypost GmbH. Abgesehen von den kleinen Elektroschocks und den großen Hunden, war es für mich eine interessante Arbeit mit netten Kollegen. Doch ich hatte auch Glück mit dem Wetter. Denn auch bei Schneesturm und Nässe wollen die Empfänger ihre Post, und einen so großen Wagen zu steuern, wäre für mich auch nicht einfach. Ich habe sehr bewundert, wie meine Kollegin ihren Weg genau wusste, obwohl sie selbst diese Strecke seit zwei Jahren nicht mehr gefahren ist. Ich fühlte mich zum Teil etwas orientierungslos, doch auch in diesem Beruf heißt es: Mit der Zeit kommt die Erfahrung.

Beurteilung:

Frau Engel zeigte sehr viel Einsatzbereitschaft und Interesse an unserem Beruf „Postdienstleister“. Den körperlichen Anforderungen ist sie gut gewachsen. Orientierungssinn und praktisches Kurierfahren sollten noch etwas trainiert werden. Gute Auffassungsgabe und Tatendrang waren durchweg vorhanden. Fazit: Sie ist für diesen Beruf gut geeignet.


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