Donnerstag, 17. Januar 2019

 
Samstag, 9. März 2013

LOKALGESCHEHEN

HIT Holz prüft Standortverlagerung

Die HIT-Geschäftsführer erwägen tatsächlich einen Abbau des Unternehmens und eine Umsiedlung an einen anderen Standort.Foto: TZ/Jack

von unserer Redakteurin Eileen Jack

Torgau. Angesichts der immer noch nicht erteilten Genehmigung für das Biomasseheizkraftwerk der Holzindustrie Torgau durch das Landratsamt Nordsachsen drohen jetzt offensichtlich ernsthafte Konsequenzen

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Torgau. Angesichts der immer noch nicht erteilten Genehmigung für das Biomasseheizkraftwerk der Holzindustrie Torgau durch das Landratsamt Nordsachsen drohen jetzt offensichtlich ernsthafte Konsequenzen. Die Geschäftsführung bereitet die Schließung des Werks und den Neuaufbau an einem anderen Standort in Brandenburg, Thüringen oder Rumänien vor. „Auch für mich persönlich ist das bitter. Seit dem Baustopp für das Kraftwerk 2012 kümmere ich mich persönlich mit unseren Planern und Anwälten um eine Lösung der Genehmigungsprobleme im Rahmen unseres derzeitigen Werksausbaus. Das gilt auch für alle Schwierigkeiten, die im Verfahren für den Bebauungsplan der Stadt für das Gesamtgelände aufgetaucht sind. Aber der Geduldsfaden meiner Partner scheint nun endgültig zu reißen“, erklärte Karlheinz Lippmann, neben Günther Hilmer einer der beiden Mitgesellschafter der HIT, an der sich zwischenzeitlich auch die Prokon-Gruppe um Carsten Rodbertus finanziell beteiligt hat.

In einer unternehmensinternen Krisensitzung wurde am 5. März der Beschluss gefasst, innerhalb der nächsten vier bis acht Wochen ein Abbaukonzept für den Betrieb zu erarbeiten und diesen dann notfalls zu verlagern so, die Auskunft gegenüber der Torgauer Zeitung am gestrigen Tag. Als Alternativstandorte stehen dabei Flächen in angrenzenden Bundesländern zur Verfügung. Weiterhin hat das Unternehmen über ihre hundertprozentige Tochterfirma Prokon HIT Timber in der vergangenen Woche ihren Waldbesitz in Rumänien mit notariellem Kaufvertrag auf inzwischen circa 20 000 Hektar aufgestockt und Vorverträge über weitere
40 000 Hektar unterzeichnet. Damit wird HIT Holz zum größten privaten Waldbesitzer Rumäniens. Parallel würde zudem ein Vorvertrag über ein voll erschlossenes Industriegebiet von 104 Hektar Größe in Timisesti (Kreis Neamt, Karpaten) abgeschlossen. Somit wäre die Holzversorgung für eine Verarbeitung sogar zum größten Teil aus eigenem Waldbesitz verfügbar.

Eine Komplettverlagerung des Standorts nach Rumänien werde angesichts der frustrierenden Lage in Torgau nun ernsthaft ins Auge gefasst. Lippmann verteidigte die Entscheidung. Zwar versicherten selbst die eigenen Anwälte, man sehe durchaus Licht am Ende des Tunnels, rechne in Bälde damit, dass die Stadt Torgau den Bebauungsplan für das Gelände beschließe und dann alle schon lange beantragten Genehmigungen für den Werksausbau erteilt würden, einschließlich des Biomassekraftwerks. Jüngste Signale seitens der Stadt sprächen aber eher dafür, dass weitere Verzögerungen nicht auszuschließen seien, so die Ausführungen des Unternehmens gegenüber TZ. Auch sei mit Blick auf die letzten Stellungnahmen im Bebauungsplanverfahren noch offen, ob der Landkreis den Bebauungsplan überhaupt anerkenne. Und so könnte es sein, dass die HIT-Chefs ganz nach dem Motto „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ notfalls die Reißleine ziehen müssen.

„Seit vergangenem Frühjahr haben wir alle offenen Fragen gelöst und passende Planungen sowie Anträge vorgelegt, sei es zur Entwässerung, sei es zum Naturschutz oder zu Brandschutzfragen. Der Ausbau unseres Werkes ist abgesehen vom Kraftwerk fertig, die Stadt hat Wort gehalten und den Ausbau während der laufenden Genehmigungsverfahren geduldet. Wenn wir auch das Kraftwerk in Betrieb nehmen könnten, würde es eigentlich ganz rosig aussehen. Gestern (Donnerstagabend, Anmerk. d. Red.) im Ältestenrat der Stadt Torgau wurde uns versichert, der B-Plan solle nun in Kürze beschlossen werden. Ich verstehe nicht, warum es angesichts dieser Lage nicht möglich sein soll, uns endlich zumindest die Erlaubnis zum vorläufigen Betrieb des Kraftwerks und seiner Vollendung zu erteilen. Meinen Partnern kann ich immer weniger erklären, dass es hier nicht auch ein grundsätzliches Problem mit einer tendenziell gegen uns feindlichen Einstellung der Landkreisverwaltung unter Führung von Herrn Czupalla gibt, die uns zukünftig bei der innovativen Fortentwicklung des Standorts immer wieder Schwierigkeiten bereiten wird“, sagt Karlheinz Lippmann. Hierüber habe man bei einem Gespräch am 7. März, sprich im Ältestenrat, auch die Oberbürgermeisterin sowie die Vertreter der Stadtratsfraktionen informiert und den Eindruck gewonnen, der Ernst der Lage sei verstanden worden. „Es wäre doch verrückt, wenn am Ende von HIT Torgau nur die schon anhängige Schadensersatzklage gegen den Landkreis wegen der Schäden bliebe, die uns durch die noch nicht erteilte Genehmigung für das Kraftwerk am Standort entstanden sind. Unsere Anwälte informieren uns, dass hierzu sogar die Schäden der Betriebsverlagerung zählen können. Gewinnen wir den Prozess, dürfte wohl die Amtszeit von Landrat Czupalla und der konkret Verantwortlichen vorzeitig beendet sein“, ist der HIT-Geschäftsführer überzeugt.

Rechtsanwalt Klaus Füßer, der HIT seit Sommer 2012 unterstützt, ergänzt: „Schauen Sie sich das HIT-Gelände einfach an. Spätestens heute kann man beim besten Gewissen nicht mehr leugnen, dass sich ein industriell geprägter kleiner HIT-Stadtteil entwickelt hat, damit ein sogenannter unbeplanter Innenbereich vorliegt und sich das Biomasseheizkraftwerk in ihm perfekt einfügt. Der Landkreis sollte sich auf einen entsprechenden Hinweis der Stadtverwaltung von Torgau endlich einen Ruck geben und die Genehmigung für das Kraftwerk nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches unabhängig davon erteilen, wie weit das ohnehin in den letzten Zügen liegende Bebauungsplanverfahren gediehen ist.“ Füßer weist außerdem darauf hin, auch die Stadt könne einen entscheidenden Beitrag leisten, indem auch sie sich gegenüber dem Landkreis entsprechend positioniere.

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