Freitag, 24. Januar 2020
Dienstag, 13. Dezember 2016

LOKALGESCHEHEN

Wird aus dem Tierheim Arzberg bald nur noch ein Gnadenhof?

Vera M. Besler sorgt sich um die Zukunft des Tierheims.Foto: Engel

Von Kristin Engel

Arzberg. Es gab viel zu bereden und zu diskutieren. Denn jeder neue Schritt mag wohl überlegt sein. Der Tierschutzverein Arzberg muss neue Ideen für sein Tierheim entwickeln. Mit den Fragen „Wie kann man es weiter machen? Was schaffen wir überhaupt noch?“ gingen die Vorstandsmitglieder des Tierschutzvereins Arzberg unlängst in ihre Sitzung.

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Arzberg. Es gab viel zu bereden und zu diskutieren. Denn jeder neue Schritt mag wohl überlegt sein. Der Tierschutzverein Arzberg muss neue Ideen für sein Tierheim entwickeln. Mit den Fragen „Wie kann man es weiter machen? Was schaffen wir überhaupt noch?“ gingen die Vorstandsmitglieder des Tierschutzvereins Arzberg unlängst in ihre Sitzung. Schnell wurde klar: Allein mit ehrenamtlicher Arbeit ist auch das Arzberger Tierheim, wie es seit der Gründung im Jahr 2001 aufgestellt ist, auf Dauer nicht weiter realisierbar. Die Vorstandsmitglieder Vera M. Besler und Monika Finn haben seit zwölf Jahren keinen Urlaub mehr machen können. Seit sieben Jahren gibt es auch keinen freien Tag mehr. „Das glaubt uns sowieso kein Mensch,“ äußern beide. Oft genug mussten sie sich von verschiedenen Bürgern Sätze anhören, wie: Wenn sie es nicht schaffen, dann müssen sie eben aufhören. „Das können und wollen wir nicht“, betont Vera M. Besler. Immerhin beherbergt das Tierheim fast 100 Tiere: Katzen, Igel, Gänse, Wellensittiche, Kaninchen, Meerschweinchen, Kanarienvögel und Tauben. Dazu kommen Kastrationsaktionen, tägliche Anfragen von Bürgern und mehrere Projekte im Jahr. Ganz zu schweigen vom Bürokram.

„Wir legen großen Wert auf die Betreuung der Tiere, ein sauberes Tierheim und ein gepflegtes Umfeld. Doch das können zwei Personen mit der stundenweise Hilfe von Ehrenamtlichen nicht alleine stemmen. Wir haben zur Zeit einen Bundesfreiwilligendienstler, aber keinen 1-Euro-Jobber, da diese laut Amt nicht bei der normalen Tätigkeit im Heim helfen dürfen, sondern nur zum Katzen kämmen und streicheln eingesetzt werden dürfen. Wir brauchen aber Helfer, die richtig mit anpacken.“ Seit der Eröffnung des Tierheims vor 15 Jahren wurden hier rund 1500 Katzen, dazu Meerschweinchen, Kaninchen, Hunde, rund 500 Igel und Wildtiere aufgenommen. „Dafür gab es jedoch kaum oder keine Zuwendung von den Kommunen, da wir mit diesen keinen Vertrag haben.“ Nun wurde abgewägt: „Hauptproblem Arbeitskräftemangel. Ich hatte mich früher immer gewundert, warum so viele Tierheime geschlossen werden. Jetzt weiß ich, dass auch sie kein Geld für Personal hatten. Doch ohne dieses funktioniert es einfach nicht. Zudem soll der Mindestlohn nun auch von 8,50 Euro auf 8,84 Euro steigen. Dann werden noch mehr Tierschutzvereine krachen gehen.

Bei einem Stundenlohn von 8,50 Euro würden wir für einen Minijob für 150 Euro gerade mal für 17 Stunden im Monat jemanden einstellen können. Das wären vier Stunden in der Woche. Das würde uns nicht helfen. Wir bräuchten jeden Tag Hilfe, doch das ist finanziell für unseren Tierschutzverein zur Zeit nicht zu stemmen“, rechnet Vera M. Besler grob durch und fügt hinzu: „Wir werden auch nicht jünger. Ausfallen darf von uns keiner, es ist schon jetzt kaum zu schaffen.“ Somit kam nun die Entscheidung, sich in erster Linie auf die Tiere zu konzentrieren, die bereits im Arzberger Tierheim sind. Was vielleicht so einfach klingt, ist für die Tierpfleger ein gewaltiger Schritt der ihnen alles andere als leicht fällt. Vera M. Besler hofft, dass auch bei einer Veränderung ihnen die bestehenden Sponsoren weiterhin erhalten bleiben. „Wir haben viele alte Katzen, die Spezialfutter bekommen müssen. Diese Katzen sowie Tiere mit Behinderung werden sicherlich für immer bei uns bleiben. Vermittlungsfähige Tiere versuchen wir natürlich weiterhin in gute Hände zu geben. Leider ist die Vermittlung von Jahr zu Jahr schwieriger geworden und das nicht nur bei uns.“

Auch in Zukunft sollen weiterhin Pensionstiere aufgenommen werden. Hiermit kommt zumindest noch ein kleines Einkommen in die Vereinskasse. Wird ein verletztes Tier gefunden, versucht der Verein auch hier eine Lösung zu finden, um die Erstversorgung zu garantieren „Dafür sind wir da!“ Auch die Kastration von wilden Katzen soll weiterhin ermöglicht werden, die im Anschluss wieder an den Fundort gebracht und dort von Tierfreunden versorgt werden.„Im Fall von Fundkatzen oder Kitten muss sich der Bürger in Zukunft an seine Kommune beziehungsweise an deren Vertragstierheim wenden, damit man dem Tierschutzverein Arzberg keinen Fundtierentzug vorwirft, was mehrfach in der Vergangenheit geschehen ist. Für einen speziellen Notfall würden wir noch ein Plätzchen finden.“ Da der Tierschutzverein Arzberg bis zum Jahre 2021 noch eine zweckgebundene Förderung hat, wird das Tierheim selbst bis zu diesem Zeitpunkt so oder so ähnlich bestehen. „Wenn ich etwas begonnen habe, fällt es mir sehr schwer, einfach aufzuhören. Deshalb sind wir auf der Suche nach Lösungen, wie neue Sponsoren, um Personal bezahlen zu können und vielleicht findet sich dadurch auch ein Nachfolger für unser Tierheim. Ansonsten wird aus dem Tierheim Arzberg künftig ein Gnadenhof.”

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