Sonntag, 16. Dezember 2018

 
Freitag, 14. August 2009

HISTORIE

Auch die Urenkel wurden Experten ihres Fachs

Alwin und Hildegard Glatte mit den beiden Kindern Gerold (links) und Reinhard. Foto: Reinhard Glatte

Von Paul Hampel

Taura (TZ). 1936 entschloss sich der bislang erfolgreiche Bauunternehmer Reinhold Schöche, die Leitung des Baugeschäftes seinem Schwiegersohn, dem Zimmerermeister Alwin Glatte, zu übertragen.

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Taura (TZ). 1936 entschloss sich der bislang erfolgreiche Bauunternehmer Reinhold Schöche, die Leitung des Baugeschäftes seinem Schwiegersohn, dem Zimmerermeister Alwin Glatte, zu übertragen. Der aus dem Betrieb scheidende Schöche widmete sich nunmehr vollends der Landwirtschaft. Alwin Glatte, zu jener Zeit schon ein geschätzter Fachmann, sorgte bald für ein weiteres Wachstum des Baubetriebes. Neben vielschichtigen Reparaturarbeiten baute er mit seinen Leuten in Torgaus damaliger Sudetenstraße Villen und war beim Bau von zwei Kasernen maßgeblich beteiligt. Auch beim Bau einer Brücke in Eilenburg kamen die Tauraer Bauhandwerker zum Einsatz. Mit bis zu 45 Arbeitskräften war Glatte ein bedeutender Arbeitgeber im Heidedorf. Der 1939 begonnene Zweite Weltkrieg stoppte das an Fahrt gewonnene Bauunternehmen.

Der Chef selbst wurde bereits 1940 zur Wehrmacht einberufen. Dies hatte zur Folge, dass der Betrieb für die Dauer des Krieges stillgelegt wurde. Seiner Frau Hildegard gelang es vorausdenkend, während des Krieges eine ansehnliche Menge Bretter zu kaufen. Ihre Bemühungen wurden aber nicht belohnt. Nach Kriegsende, zu Pfingsten 1945, zog die Rote Armee mit Pferd und Wagen in Taura ein. Da die Sowjetsoldaten vorhatten, in der Nähe der Jägereiche ein Barackenlager zu bauen, verfügten sie über das von Hil-degard gekaufte und noch vorhandene Bauholz.

Sie nahmen vom Bauplatz bis auf das letzte Brett alles mit. Anderen holzverarbeitenden Betrieben erging es ähnlich. doch die Ehefrau von Alwin Glatte war eine Kämpfernatur. Sie setzte alle Hebel in Bewegung, um an neue Bretter zu gelangen, welche ja zur Weiterführung des Baugeschäftes unbedingt benötigt wurden. Die Stadt Dahlen kam ihr entgegen, bewilligte den Kauf von Brettern, welche mit zwei Fuhrwerken abgeholt wurden. Im Frühjahr 1946 kehrte Alwin Glatte aus der Gefangenschaft heim und stieg auch gleich wieder voll in das Baugeschäft ein. Der Bau von Siedlungshäusern in Weßnig sowie die Errichtung eines Einfamilienhauses in Beckwitz zählten zu den Aufträgen der ersten Nachkriegsjahre. Doch bald traf die Familie ein harter Schicksalsschlag.

Im Jahr 1949 verstarb plötzlich und unerwartet der Ehemann, Vater von zwei Kindern und Firmenchef Alwin Glatte. Wieder war es seine Frau Hildegard, welche mit Mut, Geschick und dem notwendigen geschäftlichen Überblick das Bauunternehmen weiterführte. Je nach Auftragslage wurden noch fünf bis acht Arbeitskräfte beschäftigt. Dazu gehörten Albert Barth, Kurt Fromm, Helmut Müller, Günter Lehmann und Walter Weise. Drei Brücken über den Dorfbach und Sanierungsarbeiten an Gebäuden gehörten zu den Bauleistungen des nunmehr kleinen Baubetriebes.

1955 sah Hildegard Glatte für ihr privates Bauunternehmen keine Perspektive mehr und gab auf. Die schon herangewachsenen beiden Söhne bestärkten sie in ihrer Entscheidung. Später trat sie mit nunmehr landwirtschaftlichem Besitz in die Beckwitzer LPG ein. Hier war sie bis 1982 im Büro beschäftigt und genoss allseitige Anerkennung. Die beiden Urenkel des Friedrich Schöche verschlug es in die Fremde. Vom Großvater Reinhold inspiriert, von Mutter Hildegard unterstützt, entschlossen sie sich, auch einen Beruf im Bauwesen zu ergreifen. Nach dem Abitur studierten beide an der Bauhochschule in Cottbus. Gerold Glatte, der Ältere, war dann in der Städte- und Gebietsplanung tätig, projektierte danach für eine Zentrale Bauorganisation im Kreis Bad Liebenwerda.

Nach der Wende war er dort Baudezernent und anschließend Denkmalpfleger. 2003 starb er. Sein Bruder Reinhard war nach dem Studium Bauleiter in Finsterwalde. Dann holte man ihn an die Verkehrshochschule nach Dresden, Sektion Verkehrsbau. Dort war Dr. Glatte wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie Laborleiter und entwickelte sich zum Experten für Hochfestigkeitsbeton auf Autobahnen und Flughäfenpisten. Heute ist er im Ruhestand und lebt in Dresden. Hildegard Glatte starb 2008 im Alter von 95 Jahren in Moritzburg.   




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