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LokalgeschehenFreitag, 30. Juli 2010

Chefsache!
von unserem Chefredakteur Thomas Stöber



Natürlich war die Duisburger Katastrophe, über welche wir am Montag ausführlich informierten, das mit Abstand bewegendste Ereignis der letzten sieben Tage. Na klar bedarf es einer schonungslosen Aufklärung, der Ermittlung der Schuldigen. Doch die in der Dienstag-TZ zu lesenden ersten Reaktionen aus den verschiedenen Verwaltungsebenen lassen vermuten, dass nun, egal ob Massenveranstaltungen mit 10, 15, 20 und mehr Tausend Besuchern oder kleine Dorf- und Sportfeste mit 200 bis 800, 900 Zuschauern alle mit den gleichen Maßstäben betrachtet werden.Bitte, verehrte Behördenvertreter, legt die Elle mit Verstand und Augenmaß an. Logo, in Stadien, Arenen, großen Freilufttheatern und Festplätzen bedarf es umfangreicher, peinlich genauester  Sicherheitsvorkehrungen. Doch auf dem Dorfplatz in Timbuktu, wo sich auf zehn, zwölf  Sitzgarnituren 80, 90 Damen und Herren gegenseitig zuprosten, rund um das Kreisligafußballspiel, dem 200 Fans ihre Aufwartung machen, darf’s auch weiterhin ein paar Nummern kleiner sein. Ansonsten läuft man Gefahr, dass die ehrenamtlichen Veranstalter ob der geforderten Vorarbeiten und Auflagen resignieren, dass die Dorfgemeinschaft unter der Bürokratie zerbricht.

Privatschulen nehmen zu in Sachsen, war am letzten Freitag zu lesen. Und dass der Kultus deshalb die Zulassung erschweren, die Finanzhilfen kürzen will. Haben sich die Damen und Herren in Dresden schon mal gefragt, warum die Zahl der Privatschulen zunimmt? Könnte es vielleicht sein, dass die Bildungspolitik der letzten Jahre, die damit einhergehenden Stellenstreichungen bei Lehrern an staatlichen Schulen, die radikale Ausdünnung des Schulnetzes und der damit verbundene Niveauverlust  im staatlichen Bildungsbereich dazu beigetragen haben?! Die Eltern, die es sich halbwegs leisten können, nutzen deshalb immer mehr private Schulen für das Lernen ihrer Sprösslinge, in der Hoffnung auf einen qualitativ besseren Schulabschluss. Wenn man dann tatsächlich Zuschüsse für private Schulen kürzen sollte, dann nehmt dieses Geld nicht für irgendwelche anderen Bereiche, sondern wenigstens für die staatlichen Schulen. Und legt bitte gleich noch etwas drauf. Nur so haben die staatlichen Schulen dann wieder eine reale Chance, den privaten Anbietern die Stirn zu bieten, das für einen auf Dauer erfolgreichen Wettbewerb notwendige Niveau zu erreichen.

Nur eine kurze Bemerkung zur „Drillingsgeschichte“ in der Montag-TZ. Ich weiß um die auch wegen der vielen Schließungen eng gewordenen Kapazitäten mancher Kindereinrichtungen, Ich weiß auch um die Tatsache, dass Eltern ihre Sprösslinge außerhalb ihres Wohnortes unterbringen müssen. Doch ich weiß genauso um die traurigen Fakten, dass uns Monat für Monat junge Familien mit Kindern in Richtung Süden oder Westen verlassen, dass Grundschulen wie zuletzt in Arzberg und jetzt in Hof um Schüler kämpfen müssen, damit sie nicht ebenfalls dicht machen müssen. Belgern hat dieses Problem (noch) nicht. Aber bitte, seid in diesem Moment nicht kurzsichtig. Deshalb sollte es einfach machbar sein, die drei Jungen bis zu ihrer Einschulung im kommenden Jahr gemeinsam so unterzubringen, dass die in ihre Heimat rückkehrwillige Mutter weiter ihrer Arbeit in Leipzig nachgehen kann (Oder gibt’s in Belgern einen äquivalenten Arbeitsplatz?). Und noch eins: Drillinge, die fast sechs Jahre gemeinsam aufgewachsen sind, die kann man nicht mal so einfach in dieser wichtigen Entwicklungsphase trennen.

Geheimniskrämerei bringt selten Nutzwert. Der Versuch der Ermittler, zunächst den Mantel des Schweigens über ein solch schändliche Tat wie die Sexualstraftat an einem 13-jährigen Jungen zu legen, endet dann wie erlebt und am Mittwoch berichtet, in einer in ihrem Wahrheitsgehalt nicht kontrollierbaren Flugblattaktionen aufmerksamer Mitbürger. Es gibt immer Möglichkeiten, eine ordentliche Informationspolitik zu betreiben, ohne dass Ermittlungen behindert oder erschwert werden. Ansonsten wird man ganz schnell auch unglaubwürdig.




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