
Donnerstag, 9. September 2010
LokalgeschehenSamstag, 31. Juli 2010
Was macht eigentlich Ronald Kudla?
 | Ronald Kudla
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von unserem Redakteur Sebastian Stöber
Torgau (TZ/seb). Es war ein herzliches Wiedersehen in den Räumen der Zeitstifter in der Spitalstraße. Ronald Kudla, bis 2001 Vikar der hiesigen Pfarrei „Mater Dolorosa“, war an die Elbe zurückgekehrt,um über seine Erlebnisse der vergangenen Jahre zu berichten. Etliche Mitglieder seiner ehemaligen Gemeinde waren gekommen, um ihn zu sehen und auch Pfarrer Kudla selbst erinnerte sich an seine Zeit in Torgau. „Ich habe im Musikschulorchester die 2. Geige gespielt“, erzählt er und auch der Kampf um den Erhalt der Musikschule in Torgau ist ihm im Gedächtnis geblieben. Genauso wie die Sternsinger-Aktionen – „die waren dazumal in Torgau am besten entwickelt“, schwärmt er noch heute. Inzwischen hat sich sein Lebensmittelpunkt allerdings auf einen anderen Kontinent verlagert. Schließlich lebt und arbeitet Pfarrer Kudla seit September 2004 im afrikanischen Land Togo.
Dort leitet er die Pfarrei „St. Augustin“ in Solla, einem 3000-Seelen-Ort. Seine erste Togo-Reise hatte der Geistliche bereits 2001 angetreten, als er noch in Torgau lebte. Auf dieser Reise traf er den damaligen Bischof von Kara, zu dessen Bistum auch Solla gehört. Dieser Ignace Talkena Sambar lud den Deutschen ein, für ein paar Jahre nach Togo zu kommen und dort zu arbeiten. Ein Angebot, das ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte. Das Land, die Menschen – sie hatten ihn emotional gefangen genommen. Es sollte noch einige Zeit vergehen, bis Ronald Kudla schließlich die Koffer packte. So musste auch der Bischof in Magdeburg, dem er unterstellt ist, seine Zustimmung geben. Zunächst gab’s die für zwei Jahre, inzwischen schreiben wir das Jahr 2010 und nach seinem Torgau-Besuch brach der Pfarrer erneut nach Afrika auf. „Die Menschen dort kommen mit wenig zurecht und haben Wege gefunden, dennoch glücklich zu sein“, berichtet er. Den Druck, alles perfekt zu machen, leiste man sich nicht in Afrika.
„Überleben ist hier alles“, fasst Pfarrer Ronald Kudla in eine einfache Formel, was das bitterarme Land in Afrika vom wohlhabenden Westen Europas unterscheidet. Seine Arbeit in Solla ist deshalb neben dem Alltag einer Pfarrei auch geprägt von Hilfen zur Bewältigung ganz praktischer Probleme. So gebe es immer wieder Schwierigkeiten bei der Erstattung von Schulkosten oder den Kosten für die medizinische Versorgung. Dabei gehörten die Hilfesuchenden nicht zwingend zu den 500 Katholiken, die er in seiner Gemeinde betreut. Auch Moslems und Anhänger verschiedener Sekten suchten in „St. Augustin“ Hilfe. „Da gibt es keine Berührungsängste“, berichtet Ronald Kudla. Ein sehr umfangreiches Projekt, das der ehemalige Torgauer Vikar in Solla vorantreibt, ist die Übersetzung der Bibel in die Landesprachen. Auch seine Gottesdienste hält Ronald Kudla nicht nur in der Amtssprache Französisch, sondern auch in Miyobe und Kabiyé. „Sicher nicht perfekt, aber ich bin zu verstehen“, bemerkt er mit einem Augenzwinkern.
Diese Sprachkenntnis hilft dem Geistlichen auch, wenn er an den Schulen Sollas Unterricht in Religion und Philosophie gibt. Seine Wohnsituation in Solla beschreibt der Pfarrer als „nicht abgehoben“. Er brauche keinen großen Komfort, im Vergleich zur Masse der Bevölkerung habe er mit seinem Domizil in einem gemauerten Haus dennoch einen „gehobenen Standard“. Heute endet der Deutschland-Aufenthalt Kudlas, per Flugzeug geht es zurück auf den schwarzen Kontinent.
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