Sonntag, 25. August 2019
Samstag, 12. Februar 2011

LOKALGESCHEHEN

"Ich nutze ja nicht einmal das Internet"

Es kann jeden treffen. Plötzlich landet eine Zahlungsaufforderung im Briefkasten über eine angeblich in Anspruch genommene Dienstleistung im Internet.Foto: TZ/Heide

von unserer Redakteurin Julia Heide

Torgau (TZ). Immer dreister zocken Internetbetrüger ab. Wer einmal in die Falle von sogenannten Online-Abzockern getappt ist, weiß, wie schwer und langwierig es ist, sein Recht zu bekommen und unbeschadet ohne größere Verluste dies zu überstehen.

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Torgau (TZ). Immer dreister zocken Internetbetrüger ab. Wer einmal in die Falle von sogenannten Online-Abzockern getappt ist, weiß, wie schwer und langwierig es ist, sein Recht zu bekommen und unbeschadet ohne größere Verluste dies zu überstehen. Aus diesem Grund hat die TZ die Problematik aufgegriffen, um in einer Serie verschiedene Internet-Abzocker-Fälle zu schildern. Bürger der Region erzählen über ihre Erfahrungen und wie sie sprichwörtlich in die Falle getappt sind. So wird auch die Verbraucherzentrale wertvolle Tipps geben, welche Gefahren sich im World Wide Web (kurz www) verbergen und wie man sich davor schützen kann. Auch diejenigen, die bereits einem solchen Betrüger aufgesessen sind, könnte die neue TZ-Serie „Internetfallen – keiner ist vor ihnen sicher“ helfen, sich dem zu entziehen. Insgesamt drei Folgen werden einmal die Woche immer am gleichen Platz der TZ zu lesen sein.

Betrug und Abzockertricks im Internet sind wirklich keine Seltenheiten mehr und nehmen von Tag zu Tag zu. Sobald man online ist, ist man auch für die ganze Welt sichtbar und natürlich auch angreifbar. Auch wenn man sich dieser Tatsache nicht immer bewusst ist. Aber was tun, wenn eine Rechnung ins Haus flattert, aufgrund eines übers Internet geschlossenen Vertrages, obwohl der besagte „Schuldner“ weder im Internet noch am Computer gearbeitet hat. So erging es jedenfalls Silke R. aus Torgau, 67 Jahre alt. „Letztes Jahr im Oktober habe ich von einer mir unbekannten Firma, die anscheinend im Internet Kleidungsstücke vermarktet, eine Rechnung in Höhe von 96 Euro erhalten.“
In dieser Zahlungsaufforderung bedankte sich die Firma für die kostenpflichtige Anmeldung, die angeblich am 1. Oktober erfolgt ist. Nun steht Silke R. laut dem Schreiben eine Datenbank mit über 1800 Adressen zum Thema Outlets, Fabrikverkauf und Sonderangeboten zur Verfügung. Im nächsten Satz dieser unseriösen Firma wird gleich darauf aufmerksam gemacht, dass sie die eingeräumte zweiwöchige Kündigungsfrist nicht in Anspruch genommen hatte und daraufhin die Anmeldung erfolgt ist. Für Silke R. war dies jedoch unbegreiflich und nicht nachvollziehbar, da sie mit diesem Medium kaum etwas zu tun hat. „Zudem ist es sehr merkwürdig, dass ich direkt mit meinen vollständigen Namen angeredet wurde, obwohl ich nicht weiß, diesen irgendwo angegeben zu haben, schon gar nicht im Internet. Besonders wenn man jeden Tag von den Abzockern hört, ist man umso vorsichtiger“, so Silke R.

Nur ihr Mann ist ab und zu im Internet unterwegs. Aus diesem Grund hat sie zunächst ihn verdächtig, sich irgendwo angemeldet oder zu Weihnachten etwas bestellt zu haben. Doch er wies die Anschuldigungen zurück. Überlegte allerdings und glaubte zu wissen, dass er eventuell auf die Seite geklickt, aber niemals etwas bestellt oder gar sich registriert habe. „So war unsere erste Reaktion in Widerspruch zu gehen. Doch daraufhin kam nur ein Schreiben zurück, in dem stand, das das Widerspruchsrecht nicht fristgerecht ausgeübt wurde, obwohl wir gleich einen Tag nach Rechnungserhalt diesen weggeschickt haben“, so Silke R. aufgebracht.

Außerdem ist in der zweiten Aufforderung noch der folgende Hinweis kleingedruckt vermerkt: „Sie haben sich für das entsprechende Dienstleistungsangebot unter Angabe ihres Namens, ihrer Anschrift und E-Mail Adresse eingetragen. Ferner haben sie uns gegenüber bestätigt, die diesem Vertrag zugrunde liegenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen und akzeptiert zu haben. Insbesondere ist ein Widerruf nach Aktivierung nicht mehr möglich.“ „Doch dies kann unmöglich der Wahrheit entsprechen, da ich nie im Internet gewesen bin und auch keine Anmeldung mit meinem Name sowie der vollständigen Adresse erfolgt ist. Im Endeffekt gab es diesbezüglich nur Streitereien und Schuldzuweisungen. Und um endlich die Sache aus der Welt zu schaffen und keinen Gedanken mehr daran zu verschwenden, haben wir uns dann doch entschlossen, bevor dies irgendwelche Konsequenzen nach sich zieht, zu bezahlen“, erzählt die die betroffene Silke R.

Doch aus Wut ist ihr ein Fehler unterlaufen, der nicht hätte passieren dürfen. Aus Versehen hat sie den Betrag doppelt überwiesen. „Unzählige Anrufe folgten und jedes Mal war ein anderer Kundenberater am anderen Ende und immer wurde versprochen den doppelt überwiesenen Geldbetrag wieder zurück zu überweisen. Wir setzten daraufhin sogar Fristen, doch das half bisher alles nichts“, so Silke R.
Sie gibt ja zu, dass ihr der Fehler aus Schusslichkeit passiert ist. Doch was kann sie jetzt noch tun, um dieser Sache endlich ein Ende zu setzen und wie hätte sie gleich zu Beginn reagieren sollen?

*Der Name der Betrffenen wurden geändert



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