Mittwoch, 20. Februar 2019

 
Freitag, 22. Juli 2011

HISTORIE

"PIKOdat" holte seinerzeit doppeltes Messe-Gold

„PIKOdat“ wurde 1968 auf den Markt gebracht: Ein Exemplar ist in Manfred Gotthardts DDR-Museum in Torgau zu sehen.Foto: TZ/Tiedke

von unserem Themen-Redakteur Gerd Tiedke

Torgau (TZ). Die Tür fällt hinter einem ins Schloss, und die Hektik der von grenzenloser Telekommunikation durchdrungenen und getriebenen Zeit bleibt draußen. Stattdessen eröffnet sich im Raum eine Welt, die zwar längst der Vergangenheit angehört, aber sofort Erinnerungen an inzwischen scheinbar schon wieder weit zurückliegende Jahrzehnte weckt.

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Torgau (TZ). Die Tür fällt hinter einem ins Schloss, und die Hektik der von grenzenloser Telekommunikation durchdrungenen und getriebenen Zeit bleibt draußen. Stattdessen eröffnet sich im Raum eine Welt, die zwar längst der Vergangenheit angehört, aber sofort Erinnerungen an inzwischen scheinbar schon wieder weit zurückliegende Jahrzehnte weckt: Spielzeug von einst nimmt einen nicht geringen Teil des privaten DDR-Museums von Manfred Gotthardt im Torgauer Pestalozziweg ein. Da reihen sich die Plastikmodelle verschiedener Pkws wie Trabi und Wartburg neben Kippern, Mondmobilen; da blickt das Sandmännchen hinüber dem MM-Messemännchen und zu Pittiplatsch. Modellbaukästen und Spiele der unterschiedlichsten Art sind vorhanden.

„Das gemeinsame Spielen hat doch mal Generationen am heimischen Tisch vereint, als es noch keine Playstations und dergleichen gab“, sagt Manfred Gotthardt. „Die Vielfalt des DDR-Spielzeugs war viel größer, als man heute annimmt. Das Spielzeug hat zum Denken angeregt.“
Ein Name zieht sich wie ein roter Faden durch die Sammlung: „Piko“. Was der einstige VEB Piko an Spielsachen damals so alles auf den Markt brachte, war in allen Kinderzimmern zwischen Fichtelberg und Kap Arkona irgendwie vorhanden.
Wer kann zum Beispiel heute noch mit der Bezeichnung „PIKOdat“ etwas anfangen? Nun, in Manfred Gotthardts DDR-Museum lüftet sich das Geheimnis. „PIKOdat“ war sozusagen der allererste Spielcomputer der DDR. Ein solches Stück ist hier zu bestaunen, hergestellt im Jahre 1968! „PIKOdat“ holte seinerzeit in Leipzig doppeltes Messe-Gold. Für 69,50 damalige DDR-Mark hatte man ihn.
„PIKOdat“ wurde damals jedoch noch nicht als Computer, sondern als „Spielzeug und Lernmaschine“ bezeichnet. Im Geleitwort der Gebrauchsanweisung des VEB Piko Sonneberg hieß es: „In einer Zeit, in der Flugzeuge mit Überschallgeschwindigkeit die Kontinente überqueren, in der sich Wissenschaft und Technik immer stürmischer entwickeln, rüstet sich der Mensch zum Griff nach den Sternen. Noch nie stand den Menschen eine solche Fülle von Erkenntnissen, Wissen und Erfahrungen zur Verfügung als in unserer Zeit. Um die ständig komplizierter werdenden Aufgaben in Wissenschaft und Technik zu lösen, muss auch der Mensch neue Hilfsmittel schaffen. Hilfsmittel, die es ihm ermöglichen, seine Gedanken von der Routinearbeit zu entlasten, um sie in den Dienst der schöpferischen Weiterentwicklung zu stellen. Ein solches Hilfsmittel ist der COMPUTER.“

Und weiter heißt es: „Aus diesem Grunde hat der VEB Piko mit dem Computerspielzeug PIKOdat ein Gerät geschaffen, das neben der Vermittlung von Wissen im Spiel auch zum logischen Denken anregt und die Möglichkeit bietet, eigene Ideen in die Praxis umzusetzen und die wichtigsten Grundlagen der Computertechnik zu erlernen. Namhafte Fachleute, erfahrene Pädagogen, Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker unserer volkseigenen Industrie schufen mit diesem Gerät ein modernes Spielzeug, das unserer Zeit entspricht.“ Wie gesagt: Das war 1968.

Ausgeliefert wurde PIKOdat in Einzelteilen, die systematisch in einer eigens entworfenen Verpackung angeordnet waren. Der Zusammenbau des Gerätes war sozusagen schon die erste Anforderung an den späteren Nutzer.

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