Mittwoch, 29. Januar 2020
Mittwoch, 28. September 2011

LOKALGESCHEHEN

Brücke von der Schule zur Wissenschaft

Gedenkstättenlehrer Frank Hommel (links) im Vorgespräch mit Prof. Sönke Neitzel. Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau (TZ). Für Frank Hommel war es eine durchweg gelungene Premiere: Gemeinsam mit seinen Schülern hat er sich unlängst im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau einer „Grammatik des Krieges“ genähert.

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Torgau (TZ). Für Frank Hommel war es eine durchweg gelungene Premiere: Gemeinsam mit seinen Schülern hat er sich unlängst im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau einer „Grammatik des Krieges“ genähert. Sie diskutierten mit Prof. Neitzel über dessen Buch „Soldaten“, das einen Einblick in die Psyche von Krieg und Gewalt gibt. Grundlegend hierfür war die Auswertung von Abhörprotokollen von deutschen und italienischen Soldaten, die sich während des Zweiten Weltkriegs in britischer und amerikanischer Gefangenschaft befanden.

Neitzel, der sich selbst als „Geschichtsfreak“ bezeichnet, sei sich wie Indiana Jones vorgekommen, als er im britischen Nationalarchiv auf die Protokolle stieß. Anschaulich und locker schilderte er den Geschichtsleistungskurslern, wie sich das Rad der Forschung dann allmählich in Gang setzte. Auf der Grundlage von insgesamt 150 000 Seiten Abhörprotokolle hat Neitzel mit einem Co-Autor das Wissen darüber, wie Soldaten „ticken“ und wie sie den Zweiten Weltkrieg wahrgenommen haben, auf eine völlig neue Basis gestellt. Soldaten funktionieren demnach in erster Linie, weil sie wie andere Menschen auch, ihren Job gut machen wollen. Kämpfen sei ihre Arbeit.
In der Diskussion mit den Gymnasiasten wurden die Forschungsergebnisse auch auf aktuelle Kriege wie beispielsweise in Afghanistan übertragen. Mit  ihrem Geschichtslehrer Frank Hommel hatten sich die Elftklässler im Unterricht auf das Gespräch vorbereitet. Seit Beginn dieses Schuljahres ist Hommel auch als erster sächsischer Gedenkstättenlehrer zwei Tage in der Woche im DIZ Torgau tätig. In anderen Bundesländern, wie Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Berlin, gibt es das schon seit mehreren Jahren.

Das DIZ sieht in dem Gedenkstättenlehrer einen großen Gewinn. „Erfahrene Lehrkräfte verfügen über eine hohe pädagogische und fachdidaktische Kompetenz. Sie kennen den Lehrplan sehr genau, haben Erfahrung bei dessen Umsetzung und perfekte Kenntnisse der Spielräume zur Nutzung außerschulischer Angebote“, erläutert DIZ-Mitarbeiterin Julia Zimmermann.
Als Aufgaben hat der Gedenkstättenlehrer während des Pilotprojekts unter anderem die Weiterentwicklung des pädagogischen Angebots mit unterschiedlichen Methoden und die Formulierung von Anknüpfungspunkten zu den Lehrplänen zu meistern. Dies solle nach Aussage Zimmermanns nicht nur für Sachsen, sondern auch für die benachbarten Bundesländer hinter der Landkreisgrenze geschehen. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr ausgelegt und konzentriert sich nur auf Torgau. Maßgeblichen Anteil an der Umsetzung hat die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Sabine von Schorlemer, die der Stiftung Sächsische Gedenkstätten als Vorsitzende des Stiftungsrates besonders verbunden ist. Sie trug den bei den Gedenkstättenpraktikern schon lange bestehenden Wunsch nach Gedenkstättenlehrern an das Sächsische Kultusministerium heran. „Ich bin froh, dass der Wunsch nicht nur erhört, sondern auch schnell und unbürokratisch vom Schulministerium umgesetzt wurde“, freut sich auch Wolfgang Oleschinski, der Leiter des DIZ.

Die Gedenkstätte der Stiftung Sächsische Gedenkstätten im Schloss Hartenfels hält zu den Themen Wehrmachtjustiz, sowjetische Speziallager und DDR-Strafvollzug in Torgau ein vielfältiges pädagogisches Angebot für Schulen bereit. Es reicht von Führungen durch die Ausstellung über Projekttage, Zeitzeugengespräche, mehrmonatige Projekte des forschenden Lernens bis zur Betreuung von Schülerarbeiten wie Belegarbeiten, Komplexen Leistungen oder Besonderen Lernleistungen. Hierfür können auch Bibliothek und Archiv genutzt werden. Frank Hommel sorgt dafür, dass es zwischen Schulen und DIZ dabei keine Kommunikationsprobleme gibt.
Die pädagogischen Angebote der Gedenkstätte sollten dabei aber nicht dem Schulunterricht angeglichen werden, betont Julia Zimmermann. Vielmehr gehe es darum, die Möglichkeiten des DIZ als einem offenen und „anderen“ Lernort möglichst gut an die Bedingungen, Bedürfnisse und das vorgegebene Zeitraster des Schulalltags „anzudocken“.


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