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Freitag, 31. August 2012
Gedenkstätte verteidigt Fliege-Einladung
von unserem Redakteur Christian Wendt
Torgau
(TZ). Für Diskussionen sorgt die Ankündigung, wonach Ex-TV-Pfarrer Jürgen Fliege am morgigen Samstag an einem Podiumsgespräch in der Gedenkstätte Jugendwerkhof teilnehmen wird. Dabei wird unter anderem auf das von der evangelischen Kirche im Rheinland eingeleitete Disziplinarverfahren gegen Fliege hingewiesen.
Spiegel-online meldete im vergangenen Jahr, dass der damals 64-Jährige Unmut bei der Kirche ausgelöst hatte, weil er eine angeblich von ihm spirituell aufgeladene „Fliege-Essenz“ bewarb und vertrieb. Deutliche Kritik habe es beispielsweise von der Hamburger Sektenexpertin Ursula Caberta gegeben, die Flieges Produkte unter die Lupe nahm. „Er scheint seine Prominenz zu nutzen, um Esoterik-Scharlatane hoffähig zu machen“, so Caberta damals zum „Hamburger Abendblatt“ (Auszug Spiegel-online).
Bei der Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof zeigte man gestern Verständnis für die kritischen Gedanken. Vorsitzende Gabriele Beyler betonte gegenüber der Torgauer Zeitung allerdings, dass es der ausdrückliche Wunsch ehemaliger Insassen des Geschlossenen Jugendwerkhofs gewesen sei, Fliege zu dem Podiumsgespräch einzuladen. Dabei sei es ihnen nicht um Fliege als Pfarrer gegangen, sondern um die Tatsache, dass Fliege 1996 im Auftrag der ARD als Erster überhaupt einen Dokumentarfilm über das Schicksal des einstigen Torgauer Jugendwerkhof-Insassen Andreas Freund drehte.
Fliege wird am Samstag ab 14 Uhr im Zuge des 10. Treffens ehemaliger DDR-Heimkinder in Torgau mit Dr. Christian Sachse, Mitautor einer von der Bundesregierung beauftragten Expertise, der Psychologin Bettina Monse und der Juristin Verena Liebing unter anderem der Frage nachgehen, inwieweit sich die öffentliche Wahrnehmung und der Umgang mit Schicksalen von Heimkindern verändert hat und was künftig erwartet werden kann.
Im Anschluss an die Gesprächsrunde wird der neu gestaltete Außen- und Gedenkbereich der Einrichtung eingeweiht. Daran nehmen beispielsweise Lutz Rathenow, Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, Siegfried Reiprich, Geschäftsführer Stiftung Sächsische Gedenkstätten, und MdB Manfred Kolbe teil.
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