Montag, 23. Oktober 2017

 
Samstag, 27. Oktober 2012

LOKALGESCHEHEN

Mit eineinhalb PS über die Isle of Man

Manfred Kirchhoff (r.) und sein ebenfalls SR2-Begeisterter Bekannter Wolfram Schneider (l.). Beide posieren neben der Skulptur von Joey Dunlop. Dieser fuhr die meisten Siege (insgesamt 26) beim „Isle of Man TT“ ein.Foto: privat

von unserem Online-Volontär Martin Klammt

Torgau (TZ). Das „Isle of Man Race“ ist wohl eines der legendärsten Motorradrennen der Welt. Mit über 300 km/h rasen die erfahrenen Motorradpiloten über schmale Straßen und hügelige Landstriche.

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Torgau (TZ). Das „Isle of Man Race“ ist wohl eines der legendärsten Motorradrennen der Welt. Mit über 300 km/h rasen die erfahrenen Motorradpiloten über schmale Straßen und hügelige Landstriche. Auch der Torgauer Manfred Kirchhoff war vor Ort. Mit einem gemütlicheren Gefährt – einer Simson SR2. Normalerweise rasen die besten Piloten über die Straßen der Insel, die in der Irischen See, nördlich zwischen Schottland und Irland, liegt – die Isle of Man. Es ist also gar nicht so abwegig, dass Außenstehende den Namen der Insel frei übersetzt zur „Insel der Männer“ erklären. Laute Motorengeräusche und Benzingeruch in der Luft unterstreichen diese These. In Wirklichkeit ist der Name aber vom keltischen Volk „Melx“ abgeleitet. Sprich: „Isle of manx“. Das „x“ ist mit der Zeit verschwunden. Trotzdem ist die Insel seither für Männer bekannt, die sich gerne Motorradrennen ansehen. Seit 1907 finden hier Events statt. Neben dem weltbekannten Rennen gibt es in jedem Jahr auch ein Oldtimer-Festival auf der Insel.

Dort, wo Anfang Juni zur Tourist Trophy Wagemutige ihre PS-Boliden über den Asphalt jagen, treffen sich Ende August zum Manx-Grand-Prix auch Motorradfahrer, deren Gefährte deutlich weniger PS haben. Bei manchen kann man die Pferdestärken an zwei Fingern abzählen. Genau bei diesem Event war der Torgauer Manfred Kirchhoff dabei. Mit seiner Simson SR2, aus dem Jahr 1957, war er ein Hingucker beim Oldtimer-Festival in diesem Jahr. „Die anderen Teilnehmer haben natürlich gestaunt, mit was für einem Fabrikat ich durch die Landschaft fahre.“ Der Torgauer und sein ebenfalls motorsportbegeisterter Bekannter Wolfram Schneider aus Dresden waren in diesem Jahr das erste Mal gemeinsam auf der Strecke unterwegs. Bereits 1995 trat der 56-Jährige seine erste Reise zum Traditionsrennen an – als Zuschauer.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ihn der Mythos gepackt: „Die Insel und die Leute sind jedes Jahr aufs Neue faszinierend.“ In diesem Jahr wollte der Torgauer nun selber einmal über die ehrwürdige Strecke fahren. Bereits im November des vergangenen Jahres mussten dafür die benötigten Tickets für die Fähre gekauft werden. „Diese nimmt nur Reisende mit, die die Karten bereits im Voraus reserviert haben.“ Planung ist bei solch einem Trip also alles. Apropos Planung: Erst im Juni fing Manfred Kirchhoff mit der Restaurierung und Aufarbeitung seines SR2 an – die bereits seit mehreren Jahrzehnten in Familienbesitz ist. Bis dato stand der Pedalkickstarter eingestaubt im Keller herum. „Die Reifen waren eierig. Überall Rost. Natürlich sprang der Zweitaktmotor nicht an. Es war kein schöner Anblick.“ Innerhalb von zwei Monaten brachte der Motorradliebhaber das Gefährt wieder auf Vordermann. Er erhielt dabei tatkräftige Unterstützung von Jörg Franke, einem Spezialisten für motorisierte Simson-Zweiräder. Dieser betreibt in Kreischau seine eigene Werkstatt und stand dem Schrauber mit Rat und Tat zur Seite.

Der Tag der Abreise rückte näher. Mit seiner eigenen und dem SR2 seines Bekannten ging es los – die beiden Maschinen wurden im Transporter verstaut. Von Torgau aus ging es direkt nach Rotterdam und weiter bis nach Großbritannien. Per Fähre und mit den im Vorfeld reservierten Tickets ging es dann auf die kleine Insel. „Insgesamt 2500 Kilometer haben wir mit dem Transporter zurückgelegt“, erinnert sich der Elektriker. Auf der Insel angekommen, ging es direkt zum Campingplatz. Viele Besucher des Oldtimer-Festivals kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die beiden Simson-Zweiräder wurden auch vom Fachpublikum bestaunt. Der Besuch der Deutschen mit ihren alten Mopeds war schon eine kleine Sensation. Ein englisches Fachmagazin hatte sogar ein Foto der beiden Maschinen abgedruckt. Viele englische Teilnehmer wunderten sich, welche Marke die beiden fahren. Der Begriff „Simson“ ist dort eher unbekannt. Genau deswegen blitzten die Kameras der Schaulustigen heftig, wenn die beiden Sachsen vorbeikamen.

Fließendes Englisch können die beiden Deutschen übrigens nicht, doch die Kommunikation fällt schon etwas leichter, wenn es um ein und dieselbe Sache geht. Gemeinsame Hobbys verbinden. „Horsepower“ versteht wirklich jeder, erklärt der 56-Jährige. Auch zum Oldtimer-Festival fanden in diesem Jahr einige Rennen statt, bei denen richtig alte Maschinen über die Strecke sausten. An denen nahmen die beiden Sachsen nicht teil. Vielmehr galt es, die anderen PS-Boliden, die über die Strecken schießen, zu bestaunen. Das kann für Außenstehende im ersten Moment ganz schön gefährlich aussehen. Die Zuschauer stehen wirklich direkt an der Strecke. Im besten Fall trennt die Begeisterten am Straßenrand und die blitzschnellen Geschosse eine Steinmauer. „Man spürt schon den Windstoß der Motorräder“, betont Manfred Kirchhoff. Doch Unfälle passieren selten. „Die Strecke ist abgesichert. Wenn wirklich jemand von der Strecke abkommt, wird derjenige von Strohballen aufgefangen.“

In rennfreien Stunden nutzten die Deutschen die Möglichkeit, die Strecke und die ganze Insel zu erkunden. Natürlich nicht mit Höchstgeschwindigkeit: „Wir wollten vor allem die einzigartige Landschaft genießen und förmlich aufsaugen.“ Sein SR2 hat dafür wohl auch die richtige Höchstgeschwindigkeit parat. Auf knapp 45 km/h bringt es das Moped. Perfektes Tempo also, um die Insel in vollen Zügen zu genießen. Vorbei an der großen Anzeigetafel, auf denen die Namen der großen Rennfahrer stehen. „Die ganze Insel ist im Prinzip eine große Rennstrecke“, erklärt Manfred Kirchhoff. Auf der Isle of Man gibt es insgesamt drei abgesteckte Kurse. Diese werden, je nach Bedarf, für den normalen Verkehr geöffnet oder gesperrt. „Am frühen Morgen fahren Autos über die Straßen, am Vormittag stehen dann Trainings an. Wenn die Kinder mit dem Bus aus der Schule kommen, ist die Strecke wieder frei, im Anschluss starten dann die Rennen.“ Man könnte sagen, die Einwohner leben mit den Rennveranstaltungen und natürlich auch von den Events auf der Insel. Insgesamt waren die Sachsen zehn Tage auf der Insel unterwegs und haben viele neue Eindrücke mitgenommen. Erst 2015 wollen die beiden Motorradbegeisterten wieder in Richtung Norden aufbrechen. Dann will Manfred Kirchhoff die Insel mit einer DKW mit 8 PS, aus dem Jahr 1936, erkunden. Diese muss aber erst noch auf Vordermann gebracht werden. „Derzeit fehlt an der Maschine eigentlich noch alles“, erzählt der lachende Torgauer.

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