Samstag, 23. September 2017

 
Donnerstag, 21. August 2014

LOKALGESCHEHEN

Depression: Radeln für mehr Akzeptanz

von unserer Volontärin Kristin Engel

Torgau. Verschwitzt, außer Atem und dennoch mit vollem Elan trafen sechs Tandemfahrer am Freitag Abend auf dem Torgauer Marktplatz ein.

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Torgau. Verschwitzt, außer Atem und dennoch mit vollem Elan trafen sechs Tandemfahrer am Freitag Abend auf dem Torgauer Marktplatz ein. Eine kleine Panne hatten sie bereits hinter sich. Daher waren sie ihrem Zeitplan hinterher. Doch das müsse immer mit berücksichtigt werden, betont Sebastian Burge. Er selbst fuhr bereits mit dem Rad von Frankfurt nach Peking. Mit Blinden radelte er nach Singapur. In diesem Jahr geht es mit 64 Tandemfahrern mit und ohne Depressionserfahrung auf die „MOOD TOUR 2014“ – über 7000 Kilometer durch die ganze Republik. Am Freitag war Zwischenstopp in Torgau, auf dem Weg nach Greifswald. Die fünf Mitradler stießen in Dresden zu Sebastian Burger hinzu. Es ist bereits die sechste Route. Danach geht es mit wieder anderen Mitreisenden von Greifswald nach Bremen. Anschließend von Bremen nach Köln. Dort ist Endstation.

Am 14. Juni startete das Projekt in Leipzig, über Regensburg, Kempten, Bensheim, Holzminden bis nach Dresden. In Torgau angekommen, zeigte der Kilometerzähler bereits eine Kilometerzahl von 3396 Kilometern an. Am 20. September soll dann das Ziel Köln erreicht werden. Zwei Tandem-Teams à sechs Personen fahren in zwölf Etappen durch Deutschland. Und warum das Ganze? Bei der MOOD-TOUR fahren depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen gemeinsam Rad, haben eine schöne Zeit und setzen ein Zeichen gegen das Stigma der Depression. Es ist erst wenige Tage her, da erfüllte ein Thema die Nachrichten, überschwemmte das Soziale Netzwerk Facebook: Der Freitot von einer der besten Schauspieler seiner Zeit, Robin Williams. Moderatoren auf der ganzen Welt stellten sich bei ihrer Berichterstattung auf ihre Pulte, Fotos von Fans, die sich auf die Tische stellten gingen um die Welt. Zum Gedenken an Robin Williams und an seinem Film „Der Club der toten Dichter“, in dem auch der Schauspieler von einem Tisch aus zu den Schülern sprach. Den meisten Menschen war er jedoch bekannt als aufgedrehten Komiker, der auch in seinen meisten Filmen nie ernst sein konnte. Immer für einen Lacher gut. Doch wurde diese Fassade des Schauspielers nun infrage gestellt. Denn er verlor gegen seine Krankheit. Dieser lebensfroh wirkende Mann litt unter starken Depressionen.

Im Flyer der MOOD-TOUR 2014 steht, dass durch Depressionen fast doppelt so viele Menschen ihr Leben verlieren, wie durch Verkehrsunfällen. Über Depressionen zu sprechen, könne bereits helfen. Das bestätigten auch die fünf Mitradler am Freitag. Besonders lobten sie das Gemeinschaftserlebnis, die Bewegung, das sie viele Stellen von Deutschland sehen konnten. Nun hoffen sie, mit der Tour auch etwas zu bewegen. „Viele Betroffene stehen nicht zu ihrer Krankheit. Sie tragen eine Maske, damit niemand weiß, wie es ihnen wirklich geht. Es sind leider nur die wenigsten, die es sich trauen, hier mitzufahren“, sagt Jutta und erklärt somit gleich, warum sie auf dem Foto, dass die TZ von der Gruppe am Freitag gemacht hat, ihr Gesicht hinter einem lachenden Smiley-Schild versteckt. „Ich als Betroffene denke, dass wir mehr können als traurig aus der Buntwäsche zu gucken. Oft werden wir als schwach abgestempelt. Aber man muss sich Hilfe suchen. Das machen viele nicht. Man muss das Problem angehen. Wichtig ist vor allem auch, dass die nicht Betroffenen die Krankheit verstehen und akzeptieren lernen. Sie müssen wertfrei, geduldig sein und auch tatkräftig Hilfe im Alltag bieten“, sagt Corinna. Das möchte auch Ronja. Sie ist nicht betroffen, aber als Hebamme ist sie durch ihren Beruf häufig mit der Krankheit konfrontiert. „In meinem Beruf denkt man immer, die Mutter müsse doch fröhlich sein und strahlen, wenn sie ihr Kind auf dem Arm nehmen kann. Doch das ist zum Beispiel bei einer Wochenbettdepression nicht möglich. Das muss erst einmal verstanden werden.“

Die Mitfahrenden haben auf der Tour durch Deutschland die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen. Dann sprechen sie über Therapieformen, Tests, Medikamente oder ähnliches.  „Es hat sehr gut getan, wenn ich offene Ohren für das Thema gefunden habe. Wenn jemand zuhört, der nicht wertet und keine ,klugen‘ Ratschläge gibt. Für einen selbst ist es schon schlimm genug. Nicht Betroffene verstehen es meistens nicht. Ich kann es aber auch nachvollziehen. Die Leute sind genauso hilflos“, sagt Jutta. Doch es gibt auch Etappen auf der MOOD-TOUR, auf denen das Thema Depression gar nicht angesprochen wird. Dann geht es nur um die Fahrt, um das Miteinander. Es geht darum zu zeigen, dass man, auch wenn es einem von Zeit zu Zeit mal schlecht geht, trotzdem etwas erreichen kann. Und das beweisen die fünf Mitfahrenden noch bis zum 26. August. An diesem Tag wollen sie in Greifswald ankommen. Dann schwingen sich andere Betroffene und Nichtbetroffene in die Pedalen. Auch im nächsten Jahr wird es eine neue MOOD-TOUR geben. Dann sogar mit drei Teams und drei verschiedenen Strecken. Mehr zur MOOD- TOUR auf www.mood-tour.de.

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