Mittwoch, 14. Mai 2003

LOKALGESCHEHEN

Über Katharina von Boras Vorfahren

Torgau (TZ). „Der Stammbaum der Lutherin?“ Neugierig fragt mich ein Bekannter, als ich gerade zum Vortrag des Torgauer Geschichtsvereins eile. „Wer waren eigentlich ihre Eltern?“ Eine simple Frage, doch ich kann sie nicht beantworten.

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Torgau (TZ). „Der Stammbaum der Lutherin?“ Neugierig fragt mich ein Bekannter, als ich gerade zum Vortrag des Torgauer Geschichtsvereins eile. „Wer waren eigentlich ihre Eltern?“ Eine simple Frage, doch ich kann sie nicht beantworten.

Über Martin Luthers Eltern weiß man einiges, doch Katharina von Bora? Sie kommt aus dem Kloster Nimbschen. Der weitere außergewöhnliche Weg der geflohenen Nonne ist bekannt. Aber was lag davor? In welcher Familie wurde sie geboren, wer und was hat sie geprägt? Spekulatives gibt es genug. Jürgen Wagner hat sich in seiner Freizeit sehr intensiv mit dem Geschlecht derer von Bora beschäftigt. Auf einer Landkarte hatte er die Punkte markiert, wo einst die Wohnsitze derer von Bora sich befanden. Es sind erstaunlich viele.

Eine grafische Übersicht zeigte die Generationen. Katharina ist in der 15. Generation zu finden, neben drei Geschwistern. Ausführlich setzte sich J. Wagner mit verschiedenen Theorien auseinander, wer als Eltern anzusehen seien. Herauskristallisiert hat sich in den bisherigen Untersuchungen das Ehepaar Hans von Hirschfeld und Anna von Haugwitz oder – dafür hatte sich der Vortragende entschieden und seine Beweiskette aufgebaut – Jan auf Lippendorf, verheiratet mit Catharina von Haubitz. Beide Ehepaare gehören wohl dem niederen Landadel an.

Dabei wurde in neueren Darstellungen immer wieder auf die Orte Löben, Brandis (Kreis Wittenberg) und Sahla (zwischen Weißenfels und Großkorbetha) hingewiesen, die eher zum Umfeld des Jan auf Lippendorf verweisen. Urkundlich ist das alles in der Regel nicht zu belegen. Nachgewiesen ist die An-wesenheit der Katharina von Bora im Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen. Davor war sie bereits als Kind im Benediktinerinnenkloster Brehna bei Bitterfeld, was wiederum nicht belegt ist.

Gern wüssten wir etwas mehr über das soziale Umfeld der Lutherin, ihre Eltern, Großeltern, Geschwister. Aber da macht uns Jürgen Wagner keine Hoff-nung, dass sich das Dunkel je etwas lichten könnte. Anzuerkennen ist, das der Forscher auf Spekulatives, auf Unsicherheiten hinweist und zumindest versucht, sich auf etwas sicherem Boden zu bewegen. Ohne Widerspruch wird das wahrscheinlich nicht bleiben. Aber auch der Weg der Katharina von Bora an der Seite Luthers – so scheint mir – ist bis heute noch unterbelichtet.

Was diese Frau des 16. Jahrhunderts tatsächlich allen Widersprüchen zum Trotz geleistet hat – das lässt sich mit unseren Maßstäben eben nicht erfassen und bewerten. Jürgen Wagner hat uns jedoch mit seinen sehr detaillierten Untersuchungen die Tür zu dieser kraftvollen, außergewöhnlichen Re-naissancegestalt wieder ein bisschen geöffnet, das Thema problematisiert. Vieles jedoch bleibt nach wie vor im Dunkeln.

Dr. Helga Romeyke


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