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Donnerstag, 13. Oktober 2011

LOKALGESCHEHEN

Der "große Bruder" hatte das Sagen

Mit „Im Auftrag des großen Bruders“ zeigt Thomas Schmidt eine Ursache des Unterganges der DDR auf.Foto: TZ/Tiedke

von unserem Themen-Redakteur Gerd Tiedke

Nordsachsen (TZ). Es gibt sie noch: Einzelne markante Objekte sind inzwischen zu regelrechten Tourismus-Magneten geworden, andere fristen zum Teil in mehr oder schwer oder nur mit Mühen zugänglichem Gelände ihr tristes Dasein der Verkommen- und Vergessenheit.

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Nordsachsen (TZ). Es gibt sie noch: Einzelne markante Objekte sind inzwischen zu regelrechten Tourismus-Magneten geworden, andere fristen zum Teil in mehr oder schwer oder nur mit Mühen zugänglichem Gelände ihr tristes Dasein der Verkommen- und Vergessenheit. Die Rede ist von Bunkeranlagen der einstigen Nationalen Volksarmee (NVA) beziehungsweise der Truppen des vormaligen Warschauer Vertrages.

Wenn einer ein Liedchen von deren Entstehung und Errichtung mitsingen kann, dann ist es der Greudnitzer Thomas Schmidt. Bereits als Autor mehrerer Bücher („Als wir den Zweiten Weltkrieg ausgruben“, „Die Rache des kleinen Mannes“ und andere) bekannt, hat er nun seine Erlebnisse als Ingenieur für Bauvorbereitung, als welcher er maßgeblich an der Errichtung derartiger Anlagen beteiligt war, zu Papier gebracht. Titel seines neuen Buches: „Im Auftrag des großen Bruders“ (AAVAA-Verlag, Berlin). Zur Handlung: Schmidt wird während und nach seiner Lehrzeit neben Industrieobjekten auch auf Vorhaben der Landesverteidigung eingesetzt.

Kontakte zu Bundesbürgern sind in diesem Fall strikt untersagt. Von Abenteuerlust und Fernweh getrieben, plant er, in die BRD auszuwandern. Er gerät in das Blickfeld der Staatssicherheit, doch sein häufiger Arbeitsstellenwechsel macht das Observieren fast unmöglich. Thomas Schmidt leistet seinen Grundwehrdienst und studiert Bauwesen. Bald darauf erfolgt sein Einsatz auf militärischen Vorhaben mit besonderer Geheimhaltung. Es handelt sich hier um die Führungs- und Atombunker der NVA, deren Existenz ihrerzeit als Staatsgeheimnis galt. Ist die Bestätigung seiner politischen Zuverlässigkeit ein Versehen der Stasi?

Die Finanzierung derartiger Spezialobjekte war für das Ende der DDR-Wirtschaft mitbestimmend, macht Thomas Schmidt mit seinem Buch „Im Auftrag des großen Bruders“ klar. „Ich vermeide es auf jeden Fall zu sagen: Die DDR war zum Wirtschaften zu unfähig. Viele Kapazitäten wurden in die NVA gesteckt, andere Dinge blieben dafür auf der Strecke. Das Militär hatte Priorität – und das selbst noch in jener Zeit, in der knapp ein halbes Jahr später die komplette Regierung zurücktrat“, so Thomas Schmidt. „Staatsplanobjekte wurden zugunsten der Landesverteidigung lahmgelegt. Und dies führte maßgeblich mit zum Niedergang der DDR-Wirtschaft.“

Die DDR litt unter der Befehlsgewalt der Sowjetunion, dem besagten „großen Bruder“, sagt Thomas Schmidt: „Wir waren als DDR nicht schlecht. Und das hat auch der Russe gemerkt. Chrustschow hat nicht ohne Grund damals gesagt: Ulbricht, lass die Mauer bauen!“
Nicht nur, dass die Landesverteidigung der DDR Unsummen verschluckte, auch wurden der Wirtschaft Arbeitskräfte entzogen. 40 Jahre Kalter Krieg und Wettrüsten im Auftrag der damaligen Sowjetunion stehen als eine der Ursachen des Unterganges der DDR.
Thomas Schmidt sieht sich selbst nicht als Verfolgter in jener Zeit, sondern als einer ihrer Zeugen. Am 6. November um 15 Uhr stellt er sein neues Buch in der Kleinen Galerie des Torgauer Kunst- und Kulturvereins „Johann Kentmann“ vor.

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